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Gehackte Schiffscontainer

Im Hafen von Antwerpen verschwand eine ganze Reihe von Containern. Niemand wusste, was passiert war. Jetzt ist der Fall gelöst, der sich wie ein Thriller anhört.

Europas drittgrösster Hafen: Container-Schiffe liegen in Antwerpen vor Anker.
Europas drittgrösster Hafen: Container-Schiffe liegen in Antwerpen vor Anker.
Reuters
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Niemand wusste, was mit den Schiffscontainern passiert war. Eine ganze Reihe davon war aus dem Hafen von Antwerpen verschwunden, bis die betroffenen Reeder schliesslich Anzeige bei den belgischen Behörden erstatteten.

Ein Jahr später ist das Mysterium aufgedeckt: Eine Bande von niederländischen Drogenschmugglern hatte sich in die Computer von Reedereien gehackt, von wo aus die Position der einzelnen Schiffscontainer überwacht wird.

Drogen zwischen Bananen

Der detaillierte Bericht, welcher der «BBC» vorliegt, erinnert an einen Thriller. Die südamerikanischen Verbindungsleute der Drogenbande versteckten Heroin und Kokain zwischen Bananen und Holz in den Schiffscontainern.

In Antwerpen wiederum heuerte die Bande Hacker an, welche sich Zugang zu Computern von mindestens zwei Reedereien verschafften. Dadurch gelangten sie an Informationen über Position und Sicherung jener Container, in denen sich die Drogen befanden. Dies erlaubte es ihnen, die Container im Hafen von Antwerpen aufzuspüren und mit eigenen Lastwagen aus dem Hafen zu stehlen, bevor die Empfänger der eigentlichen Fracht sie entgegennehmen konnten.

Trojaner und Schnüffelhardware

Für Rob Wainwright von Europol ist der Fall ein deutliches Zeichen dafür, wie sich die Schmugglerbanden der Zeit anpassen: «Wir sprechen hier von einem sehr effektiven Vorgehen; die Bande sucht im Internet nach einem Hacker, den sie für diesen Job anstellt.»

Wie die Ermittlungen von Europol ergaben, musste die Bande in mehreren Stufen vorgehen. Über E-Mails, welche sie an Mitarbeiter der Reedereien verschickte, platzierte sie anfangs Trojaner auf den Computern der Firmen. Doch die Firmen entdeckten die Schadsoftware und verbesserten ihre Sicherheitssysteme. Also brachen die Banden in die Büros ein und versahen die Computer mit Schnüffelhardware, die es ihnen erlaubte, die Arbeit auf den Rechnern mitzuverfolgen.

15 Verhaftungen und ein Koffer voll Geld

Die Polizeibehörden in Belgien und den Niederlande gehen davon aus, dass die Bande bereits seit Juni 2011 aktiv war. Anfang 2013 liessen sie die Gruppe in einer gezielten Aktion hochgehen. Bei 20 Razzien wurden 15 Personen festgenommen. Zudem fand man Feuerwaffen, eine schusssichere Weste und 1,3 Millionen Euro in einem Koffer.

Für Rob Wainwright ist klar, dass die Behörden vor allem im Zusammenhang mit Drogenschmuggel künftig vermehrt mit solchen Fällen rechnen müssen. «Das bedeutet, dass die Justiz ihre Arbeitsweise anpassen muss. Die Polizeien müssen technikaffiner werden», so Wainwright gegenüber «BBC». Die Reedereien, die von Antwerpen aus operieren, haben derweil bekannt gegeben, sie hätten in eine verbesserte Computersicherheit investiert.

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