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Freispruch für die Hindus, die Bibeln verbrennen wollten

Die angekündigte Verbrennung einer Bibel und eines Korans in Bern bleibt straffrei. Ein Richter hat heute zwei Inder und einen Schweizer vom Vorwurf der Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit freigesprochen.

Im vergangenen November hätten auf dem Berner Bundesplatz schliesslich keine Bücher gebrannt und es sei bei der blossen Ankündigung geblieben. Eine solche sei nicht strafbar, kam der Richter zum Schluss. Allerdings war der Berner Einzelrichter durchaus der Ansicht, dass die drei die Grenzen der persönlichen Freiheit mit ihrer Ankündigung überschritten und Mitmenschen in ihren religiösen Gefühlen verletzt hatten. Darum auferlegte er ihnen, trotz Freispruchs, die Hälfte der Verfahrenskosten.

Verrechnet mit den zugesprochenen Entschädigungen für die Haft, die sie erdulden mussten, blieb für zwei der drei Angeschuldigten noch ein kleiner Saldo zu ihren Gunsten übrig. Im Fall des dritten Angeklagten, ging die Rechnung in etwa auf.

Riesenwirbel ausgelöst

Mit ihrer Ankündigung auf dem Berner Bundesplatz eine Bibel und einen Koran zu verbrennen, sorgten die drei Männer letzten Herbst für einen Riesenwirbel. Grosse Beachtung fand das Trio vor allem, weil damals in der Öffentlichkeit gerade eine hitzige Debatte über Kruzifixe in Schulzimmern geführt wurde.

Vor Gericht zeigten sich die drei Männer heute kooperativ und gaben ruhig und höflich Auskunft. Sie hätten mit ihrer Ankündigung bewusst Aufsehen erregen und die Öffentlichkeit auf ihre Anliegen aufmerksam machen wollen, sagten sie.

Zuvor hätten sie nämlich erfolglos versucht, via Gerichte die Bibel und den Koran für Kinder und Jugendliche verbieten zu lassen. Diese Schriften enthalten ihrer Ansicht nach pornographische Elemente und Aufrufe zur Gewalt. Doch bei den Gerichten habe man ihnen kein Gehör geschenkt, beklagten sie sich.

Auf längere Ausführungen zu den Ansichten der drei über Bibel und Koran liess sich auch der Berner Einzelrichter am Dienstag nicht ein. Es sei nicht Sache des Gerichts über den Inhalt der Bibel oder des Korans zu richten, sondern einzig und allein darüber, ob die drei Männer eine Straftat begangen hätten, betonte der Richter. Einer der drei Angeschuldigten räumte ein, dass er inzwischen sehe, dass Bücherverbrennungen nicht der richtige Weg seien. Stattdessen sei er nun daran, seine Ansichten in einem Buch darzulegen.

Von der Polizei festgenommen

Als die drei Männer am Vortag der angekündigten Aktion für Medieninterviews nach Bern reisten, wurden sie von der Polizei in Gewahrsam genommen. Erst drei Tage später, also nach dem angekündigten Termin für die Bücherverbrennung, kamen sie wieder frei.

Das Trio wurde zunächst im Strafmandatsverfahren zu bedingten Geldstrafen und Bussen wegen Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit verurteilt. Weil die drei das Strafmandat aber anfochten, kam es heute zur Gerichtsverhandlung, die in einem Freispruch endete.

SDA/pbe

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