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Waldbrände verbreiten sich langsamer

Ein Wetterumschwung hat die Ausbreitung des Feuers in Kanada verlangsamt. Trotzdem können die Brände noch Monate andauern.

ij/chk
Rückkehr in die Geisterstadt: Grosse Teile von Fort McMurray sind zerstört. (13. Mai 2016)
Rückkehr in die Geisterstadt: Grosse Teile von Fort McMurray sind zerstört. (13. Mai 2016)
Jason Franson, Keystone
Die Waldbrände in Kanada haben Fort McMurray in eine Geisterstadt verwandelt. (7. Mai 2016)
Die Waldbrände in Kanada haben Fort McMurray in eine Geisterstadt verwandelt. (7. Mai 2016)
Getty Images / Scott Olson, AFP
Ein Satellitenbild der Nasa zeigt die Stadt von oben. (7. Mai 2016)
Ein Satellitenbild der Nasa zeigt die Stadt von oben. (7. Mai 2016)
Nasa Earth Observatory, Keystone
Wegen drehender Winde bleibt die Lage bedrohlich.
Wegen drehender Winde bleibt die Lage bedrohlich.
Getty Images / Scott Olson
Aus diesem Grund entschieden die Behörden, dass auch die Notunterkünfte im nördlichen Umland nicht sicher seien.
Aus diesem Grund entschieden die Behörden, dass auch die Notunterkünfte im nördlichen Umland nicht sicher seien.
Rachel La Corte, Keystone
Die Polizei begann damit, per Autokonvoi weitere Menschen aus der Region zu evakuieren.
Die Polizei begann damit, per Autokonvoi weitere Menschen aus der Region zu evakuieren.
Getty Images / Scott Olson
Zuvor waren 8000 Menschen per Helikopter evakuiert worden. Insgesamt musste fast 90'000 Menschen die Region verlassen.
Zuvor waren 8000 Menschen per Helikopter evakuiert worden. Insgesamt musste fast 90'000 Menschen die Region verlassen.
Jeff McIntosh, Keystone
Der Waldbrand in der kanadischen Ölsandregion bedroht auch Wohngegenden und führte zu Ascheregen.
Der Waldbrand in der kanadischen Ölsandregion bedroht auch Wohngegenden und führte zu Ascheregen.
CBC News
Gewaltige Rauchsäulen steigen vor einer Wohnsiedlung bei der Stadt Fort McMurray auf.
Gewaltige Rauchsäulen steigen vor einer Wohnsiedlung bei der Stadt Fort McMurray auf.
Mary Anne Sexsmith-Segato, AFP
Im Zuge der Evakuierungsaktion bildeten sich auf den noch freien Strassen lange Staus.
Im Zuge der Evakuierungsaktion bildeten sich auf den noch freien Strassen lange Staus.
Greg Halinda, AFP
Die Flammen und Rauchsäulen kamen den fliehenden Menschen zum Teil bedrohlich nahe...
Die Flammen und Rauchsäulen kamen den fliehenden Menschen zum Teil bedrohlich nahe...
AP/Mary Anne Sexsmith-Segato
... Wie auch dieses Bild eines fliehenden Bewohners von Fort McMurray zeigt.
... Wie auch dieses Bild eines fliehenden Bewohners von Fort McMurray zeigt.
Twitter
«Lassen Sie mich das klar sagen: Löschflugzeuge werden dieses Feuer nicht stoppen», sagt Albertas oberster Waldbrandschützer Chad Morrison.
«Lassen Sie mich das klar sagen: Löschflugzeuge werden dieses Feuer nicht stoppen», sagt Albertas oberster Waldbrandschützer Chad Morrison.
Keystone
Die Feuersbrunst hat gewaltige Ausmasse angenommen.
Die Feuersbrunst hat gewaltige Ausmasse angenommen.
Twitter
Schüler der lokalen High School warten vor dem Schulhaus auf ihre Evakuierung.
Schüler der lokalen High School warten vor dem Schulhaus auf ihre Evakuierung.
Kangeun Lee
Löschflugzeuge haben ihre Arbeit bereits aufgenommen.
Löschflugzeuge haben ihre Arbeit bereits aufgenommen.
AP/Kitty Cochrane
In der Industriezone im Süden der Stadt wütet das Feuer besonders stark.
In der Industriezone im Süden der Stadt wütet das Feuer besonders stark.
CBC News
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Erica Decker und ihre Familie gehören zu den Tausenden Einwohnern von Fort McMurray, die Hals über Kopf vor den Waldbränden in der kanadischen Provinz Alberta fliehen mussten. Auf einem Video des kanadischen Fernsehsenders CBC News ist zu sehen, wie nahe die Flammen der Strasse, die aus dem Stadtviertel Beacon Hills führt, bereits gekommen waren. «Oh Gott, Steve, unser Haus wird herunterbrennen», sagt die Mutter einer zweijährigen Tochter verzweifelt.

Erica Decker war bei der Arbeit, als sie den Rauch bemerkte. Innert weniger Minuten habe sich der Horizont schwarz und orange verfärbt. Sie sei sofort nach Hause gefahren, um ein paar Habseligkeiten einzupacken. «Es war apokalyptisch. Als wir wegfuhren, stand unser Rasen bereits in Flammen. Das Feuer war nur noch wenige Meter von unsere Eingangstür entfernt», erzählt sie CBC News.

Kurze Atempause

70 Prozent der Häuser in Beacon Hills wurden zerstört. Wegen starker Windböen hatte sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet und den Bewohnern nur wenig Zeit gelassen, zu fliehen. In Fort McMurray, dem Zentrum der kanadischen Ölsandförderung, bietet sich ein Bild der Verwüstung, 1600 Häuser und Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder.

Doch nun konnte etwas Regen und niedrigere Temperaturen den kanadischen Feuerwehrleuten in ihrem Kampf gegen die verheerenden Waldbrände eine kurze Atempause verschaffen. «Die Feuer sind deutlich langsamer vorangekommen», sagte die Regierungschefin der Provinz Alberta, Rachel Notley, am Sonntag. Die schlimmen Befürchtungen vom Vortag hätten sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Kampf wird noch Monate andauern

Die Evakuierung der letzten 25.000 Einwohner der Ölstadt Fort McMurray wurde abgeschlossen. Notley korrigierte zugleich die Angaben über das bisher von den Flammen erfasste Gebiet nach unten. Es seien neuen Erkenntnissen zufolge bisher 161.000 Hektar durch die Flammen zerstört worden, sagte die Regierungschefin. Zuvor waren die Einsatzkräfte davon ausgegangen, dass 200.000 Hektar Land von den Bränden erfasst wurden.

Dies hätte eine Verdoppelung der Fläche innerhalb von nur 24 Stunden bedeutet, was bei den Einsatzkräften die Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Feuer schwinden liess. «Wenn wir nicht immens viel Regen bekommen, dann werden wir monatelang gegen die Waldbrände kämpfen müssen», sagte der Chef der Feuerwehr der Provinz Alberta, Chad Morrisson. Die einzige «gute Nachricht» sei, dass sich das Feuer zuletzt Richtung Nordosten fortbewegt habe - weg von der vollständig evakuierten 100.000-Einwohner-Stadt Fort McMurray und den umliegenden Ölförderstätten. Allerdings könnten die Flammen die Grenze zur östlichen Nachbarprovinz Saskatchewan erreichen.

Lage ist weiterhin «unvorhersehbar und gefährlich»

Wegen der Brände war die 100.000-Einwohner-Stadt Fort McMurray komplett evakuiert worden. Notley hatte die Evakuierten bereits am Samstagabend darauf vorbereitet, dass sie noch eine Weile nicht nach Hause könnten: «Das Gas wurde abgestellt, das Elektrizitätsnetz ist beschädigt, in grossen Teilen der Stadt gibt es gar keinen Strom und das Wasser kann man im Moment nicht trinken», sagte die Regierungschefin. Zudem müsse erst «gefährliches Material» entsorgt werden, «bevor die Stadt wieder sicher ist und die Familien zurückkehren können».

Die Lage in den Brandgebieten sei weiter «unvorhersehbar und gefährlich», sagte Kanadas Sicherheitsminister Ralph Goodale. «Das ist weiterhin ein grosses, unkontrolliertes, gefährliches Feuer», sagte Goodale. Allerdings sagten Meteorologen für Montag weiteren Regen und niedrigere Temperaturen voraus.

Die Ölprovinz Alberta erlebt derzeit eine Rekorddürre, tagelang herrschten zudem Temperaturen von fast 30 Grad Celsius. 1400 Feuerwehrleute sind mit Löschflugzeugen und Hubschraubern im Einsatz, um die mehr als 40 verschiedenen Brände unter Kontrolle zu bringen. Todesfälle durch die Waldbrände gab es bisher nach Angaben der Feuerwehr nicht.

In falsche Richtung evakuiert

In den vergangenen Tagen waren in einer dramatischen zweiten Evakuierungswelle zehntausende Einwohner von Fort McMurray gerettet worden, die sich eigentlich schon in Sicherheit wähnten. Sie waren vor den Bränden Richtung Norden geflohen, doch drohten sie dort erneut von den Flammen eingeschlossen zu werden.

Im Gebiet um Fort McMurray wird Öl aus Ölsand gewonnen. Wegen der Waldbrände fuhren Unternehmen wie Suncor, Syncrude und Shell die Ölförderung in der Region stark zurück. Mehrere Förderstätten wurden inzwischen ganz geschlossen. Am Sonntag teilte Suncor mit, dass es die letzten 10.000 Menschen, neben Arbeitern und ihren Familien auch andere Bewohner Fort McMurrays, aus der Gefahrenzone gebracht habe.

(sda/afp)

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