«Es klang furchterregend»

Bondo/Diemtigen

Die Berner Berg­steigerin Marianne Aegerter hat den Felssturz von Bondo aus einer spektakulären Perspektive beobachtet. Nur kurz zuvor ist sie genau dort geklettert, wo sich der Fels gelöst hat.

Bilder, die unter die Haut fahren: Marianne Aegerter filmt den Felssturz auf dem Berg nebenan.

Frau Aegerter, Sie standen auf einem Berggipfel gleich nebenan, als die Felsmassen vom Piz Cengalo in das Val Bondasca nach Bondo hinunterstürzten.Marianne Aegerter: Wir wurden ziemlich überrascht. Als sich der Fels am Piz Cengalo löste und zu Tal donnerte, waren wir im selben Bergmassiv gleich auf dem Gipfel nebenan, dem Piz Badile, am Klettern. Vorerst hörten wir ein lautes, unheimliches Rumpeln. Wir bekamen Hühnerhaut, weil wir keine Ahnung hatten, was da gerade passiert.

Sie konnten den Bergsturz aus einer ziemlich speziellen Perspektive beobachten.In der Tat. Plötzlich wurde aus dem Rumpeln ein Donnergrollen. Es klang furchterregend. Wir sahen am Berg nebenan eine riesige Staubwolke aufsteigen. Und wir sahen dann, wie die Felsmassen hinunterrollten.

Waren Sie selber in Gefahr?Nein. Allerdings sind wir beim Aufstieg am Vortag selber genau an jener Stelle gewandert, an der die Felsmassen niedergingen. Hätte das Naturereignis 24 Stunden früher stattgefunden, würden wir jetzt wohl metertief unter dem Geröll liegen.

Gab es keine Warnungen? Nein, wir wurden von niemandem gewarnt. Es hatte auch keine Warnschilder. Am Weg sahen wir bloss Tafeln, auf welchen stand, dass es dort 2012 schon mal einen Bergsturz gab.

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Kritisieren Sie die zuständigen Stellen dafür, dass Bergsteiger und Wanderer nicht gewarnt wurden? Ich mache niemandem einen Vorwurf.

Warum nicht? Hätte es nicht ­genügend Anzeichen gegeben? Man wusste schon lange, dass dieser Berg in Bewegung ist, aber keiner kann den genauen Zeitpunkt wissen.

Haben sie zu jenen Personen ­gehört, die kurzfristig als vermisst gemeldet wurden?Nein, wir waren zu diesem ­Zeitpunkt an der Nordkante am Klettern, und dies wusste man in der Fürahütte.

Haben Sie Ihre Bergtour nach dem Ereignis abgebrochen?Wir sind auf der geplanten Route weitergeklettert bis auf den ­Gipfel und danach auf der italienischen Seite abgestiegen. Wir kamen zur Gianettihütte im Masinotal. Dort hat man uns gesagt, dass es nicht möglich sei, wieder durch das Val Bondasca, wo der Bergsturz war, zurück nach Bondo zu kommen. Wir gingen deshalb auf der italienischen Seite ins Tal hinunter und nahmen ein Taxi via Chiavenna zurück ins Bergell.

Und Ihre Rückreise?Bald wurde klar, dass wir unser Auto im Val Bondasca nicht holen können, weil die Strasse ins Tal durch den Bergsturz beschädigt war. Ob das Auto beschädigt ist, kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Für mich ist das Auto nach alldem, was geschehen ist, nur Nebensache. Wir, mein Bergführer Paul Walser und ich, sind heilfroh, dass uns nichts ­passiert ist. Wir reisten dann per Postauto und Zug zurück ins Berner Oberland.

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