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«Es ist ein Wunder, dass wir noch leben»

Nach dem Angriff am Mount Everest berichtet Ueli Stecks Kletterpartner Simone Moro vom Streit. In einem Interview erzählt er, welche Gründe er hinter dem Streit vermute und dass er trotzdem am Berg bleiben wolle.

«Wir brachten das Fass zum Überlaufen»: Die Route auf den Mount Everest.
«Wir brachten das Fass zum Überlaufen»: Die Route auf den Mount Everest.

Der italienische Kletterer Simone Moro hat der italienischen Internetseite Planetmountain.com seine Sicht des Zwischenfalls am Mount Everest geschildert, bei dem der Schweizer Bergsteiger Ueli Steck verletzt wurde. «Es war ein kalter und windiger Tag», erzählt Moro, einer der zwei Begleiter Stecks. Sie hätten niemanden behindert, sagt Moro, doch seien die Sherpas «explodiert», als sie deren Seile überstiegen hätten, um zu ihrem Zelt zu gelangen. «Sie begannen, uns anzuschreien – einfach, weil wir da waren», sagt Moro. «Da schrie ich zurück.»

Anschliessend heizten die Kletterer in ihrem Bemühen, die Situation zu beruhigen, diese gemäss Moros Darstellung noch weiter an. «Sie sagten, sie würden die Montage der Fixseile nun abbrechen», erzählt Moro. Danach hätten sie den Sherpas angeboten, ihnen zu helfen, worauf diese aber geantwortet hätten: «Macht, was ihr wollt, wir gehen runter.» Danach hätten er und Steck 260 Meter Fixseile verlegt. «Dies muss sie verletzt haben», sagt Moro rückblickend.

«Wer weiss, was die ihnen erzählt haben»

Unten im Camp 2 angekommen, seien sie von gegen Hundert Sherpas erwartet worden. Die Menge war offenbar äusserst aufgebracht, doch Moro kann sich nicht erklären, wieso: «Wer weiss, was die anderen ihnen erzählt haben.»

Ein Teil der Sherpas wurde schliesslich gewalttätig: «Uelis Lippe blutete als Folge eines Faustschlags und eines Steinwurfs. Ich wurde getreten und geschlagen – während einer ganzen Weile», erzählt Moro. «Wir liefen Gefahr, im Camp 2 gesteinigt zu werden.» «Es ist ein Wunder, dass wir noch am Leben sind – und das ist weder ein Scherz noch eine Übertreibung.»

Dass die Auseinandersetzung nur mit kleinen Verletzungen endete, verdanken die drei Kletterer offenbar anderen ausländischen Kollegen und einem besonnenen Sherpa. «Wir verdanken unser Leben vor allem vier Personen», erzählt Moro und nennt die amerikanische Kletterin Melissa Arnot, einen amerikanischen Führer und den Sherpa Pan Nuru.

Tiefer liegende Probleme?

Die angegriffenen Kletterer vermuten tiefer liegende Probleme hinter der Auseinandersetzung. «Wir brachten das Fass zum Überlaufen», sagt Moro. Die Beziehung zwischen den Sherpas und den Westlern habe sich stark verändert: «Ich glaube, dass die Sherpas sich bewusst sind, wie viel Geld in all dies fliesst, und dass sie nicht länger akzeptieren, dass nicht alles ihnen zugutekommt.»

Am Tag nach der Auseinandersetzung trafen sich die Kletterer mit den Sherpas zu einer Aussprache. Die Parteien schlossen dabei offenbar wieder Frieden. Sie hätten ihre Angreifer getroffen, sie umarmt und ihnen vergeben, erzählt Moro.

Trotz des Zwischenfalls will Moro nach eigenen Angaben nun am Berg bleiben, wenn auch wohl als Helikopterpilot – Moro fliegt offenbar jeweils Rettungseinsätze.

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