Erdbeben löst bei Fukushima Tsunami aus

Im Nordosten Japans bebte die Erde mit einer Stärke von 6,9. Sechs Menschen wurden verletzt. Die Kühlung im Reaktor drei des AKW Fukushima fiel vorübergehend aus.

Erdbeben der Stärke 6,9: Die Tsunami-Wellen vor Japan brachten kleinere Boote zum Kentern. Video: Tamedia/Reuters/Storyful.

Knapp sieben Stunden nach dem schweren Erdbeben hat die japanische Zivilschutzbehörde die Tsunami-Warnung für die Ostküste wieder aufgehoben. Die Gefahr durch Flutwellen infolge der Erdstösse bestehe nicht mehr, erklärte die Behörde am Dienstag.

Das Beben hatte zuvor einen leichten Tsunami ausgelöst: An der Küste beim Katastrophenreaktor Fukushima erreichten die Wellen rund einen Meter Höhe, an anderen Küstenabschnitten waren sie rund 1,40 Meter hoch. Grössere Schäden wurden zunächst nicht bekannt.

Angst vor einem neuen Fukushima

In einer ersten Warnung war von der Gefahr durch drei Meter hohen Flutwellen die Rede gewesen. Die Bewohner der betroffenen Küstenabschnitte wurden aufgefordert, in höher gelegene Regionen zu fliehen. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem Meeresboden vor Fukushima.

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Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, die 18'500 Menschen das Leben kostete, war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.

Tsunami-Warnung

Nach Behördenangaben wurden sechs Menschen leicht verletzt, fünf von ihnen in der Präfektur Fukushima. Das neuerliche Erdbeben in Nordost-Japan hatte eine Stärke von 6,9, das Epizentrum lag unter dem Meeresboden vor Fukushima. Nach den starken Erdstössen gaben die Behörden für die Pazifikküste eine Tsunami-Warnung heraus: Es sei eine bis zu drei Meter hohe Flutwelle zu erwarten.

Das Video zeigt den Moment des Bebens in einem Bahnhof in der Provinz Fukushima. (Video: Youtube/Breaking)

Weitere Nachbeben möglich

Nach Angaben der nationalen Wetterbehörde handelte es sich diesmal um ein Nachbeben der Erschütterung von 2011. Die Behörde warnte, dass es in den sieben nächsten Tagen zu einem weiteren Nachbeben von ähnlicher Intensität kommen könne.

Die zwischenzeitlich ausgefallene Kühlung in einem Abklingbecken des Atomkraftwerks Fukushima läuft unterdessen wieder. In der Atomruine selbst habe es keine weiteren Schäden in Folge des Bebens gegeben, hiess es. Auch in dem Atomkraftwerk Onagawa in der Nachbarprovinz Miyagi seien keine Unregelmässigkeiten festgestellt worden, hiess es.

Keine Panik ausgebrochen

Viele Menschen folgten der Aufforderung und suchten Schutz in Schulen und anderen Notunterkünften. Man habe aus der Katastrophe von 2011 gelernt, hiess es in Medienberichten. Panik brach auch diesmal nicht aus. Der Bahn- und Flugverkehr wurde vorübergehend beeinträchtigt. Dutzende Schulen blieben sicherheitshalber geschlossen. Es gab Berichte, wonach einzelne kleinere Boote gekentert sein sollen. Die Zentralregierung in Tokio richtete einen Krisenstab ein.

Das Verteidigungsministerium schickte Flugzeuge und Helikopter in die Region, um nach Schäden Ausschau zu halten. In einer Petroleum-Anlage in Fukushima brach laut Medien ein Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden konnte. Ob es durch das Beben ausgelöst wurde, sei unklar. Verletzte habe es nicht gegeben, hiess es.

Die Bevölkerung wurde per Sirene vor dem Tsunami gewarnt:

Kabinettsminister Yoshihide Suga bestätigte die Angaben des AKW-Betreibers: «Es gab keine grösseren Schäden an den Reaktoren Fukushima Daiichi oder Onagawa», sagte er in Tokio. Ministerpräsident Shinzo Abe wies die Behörden während eines Besuchs in Argentinien an, die Schäden zu begutachten und umgehend die nötige Hilfe zu leisten.

Feuer in einer Raffinerie

Einem Bericht der Agentur Kyodo zufolge brach nach dem Beben in der südlich von Fukushima gelegenen Stadt Iwaki ein Feuer in einer Raffinerie aus, das aber schnell wieder gelöscht wurde. Ein Sprecher der Stadtverwaltung, Nobuyuki Midorikawa, sagte: «Es war ein ziemlich starkes Beben, aber wir haben keine Berichte über Opfer erhalten.»

Die Erdstösse waren bis in die Hauptstadt Tokio zu spüren. Die Verbindungen des Schnellzugs Shinkansen wurden vorübergehend eingestellt, auch der Flughafen Sendai bei Fukushima stellte den Betrieb ein.

2011 starben 18'500 Menschen

Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, bei der 18'500 Menschen starben, hatte im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi einen schweren Störfall ausgelöst. Das Kühlsystem fiel aus, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Die Umgebung wurde radioaktiv verseucht. Es war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.

Der Tsunami-Forscher James Goff von der australischen University of New South Wales sagte, er gehe nicht davon aus, dass die Flutwellen nach dem neuerlichen Beben die Höhe der Tsunamiwellen des Jahres 2011 erreichten. Allerdings sei auch bei schwächeren Beben Vorsicht angebracht, weil auch diese unterseeische Erdrutsche auslösen könnten, die wiederum zur Bildung von Tsunamis führen. «Selbst Tsunamis von nur 90 Zentimeter Höhe können sehr schädlich sein», sagte der Professor.

Japan erlebt in der Regel mehrere schwerere Erdbeben pro Jahr. Unter dem Inselstaat laufen vier Erdplatten zusammen, deren Reibung die Beben verursachen kann.

kko/chk/sda/AFP/AP

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