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Eltern eines Opfers wollen keine Todesstrafe für Boston-Bomber

Sie verloren ihren achtjährigen Sohn, ihre Tochter wurde verstümmelt. Doch die Familie Richards will, dass Attentäter Zarnajew nicht hingerichtet wird – aus eigenem Interesse.

Hat beim Attentat am Boston-Marathon das halbe Bein verloren: Die Tochter der Familie Richards sitzt auf einer Bank in der Nähe des Anschlagortes (15. April 2015).
Hat beim Attentat am Boston-Marathon das halbe Bein verloren: Die Tochter der Familie Richards sitzt auf einer Bank in der Nähe des Anschlagortes (15. April 2015).
Brian Snyder, Reuters

Vor der Verhandlung über das Strafmass für den Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew fordern die Eltern des jüngsten Opfers die US-Regierung auf, den Antrag auf Todesstrafe zurückzunehmen. Ziel sei ein rasches Ende des juristischen Verfahrens, damit die Hinterbliebenen nicht noch jahrelang wegen Berufungsverfahren weiter darunter litten, schrieben Bill und Denise Richard in einem Beitrag für den «Boston Globe» vom Freitag.

Zarnajew war vorige Woche schuldig gesprochen worden, mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan im April 2013 zwei Bomben im Zieleinlauf des Marathons von Boston gelegt zu haben. Von kommender Woche an beraten Geschworene, ob der Verurteilte mit lebenslanger Haft oder mit dem Tod bestraft werden soll. Andere Optionen bleiben nach dem Schuldspruch nicht.

Eines der drei Todesopfer des Anschlags war der achtjährige Sohn der Richards. Ihre siebenjährige Tochter verlor bei den Explosionen ein Bein, beide Eltern wurden verletzt. Sie seien sich der Grausamkeit des Verbrechens deshalb schmerzlich bewusst, schrieben sie in dem Zeitungsbeitrag.

Der Wunsch nach Vergessen

«Wir wissen, dass die Regierung ihre Gründe hat, die Todesstrafe zu beantragen. Aber diese Strafe durchsetzen zu wollen, könnte jahrelange Berufungsverfahren mit sich bringen und es verlängern, dass wir den schmerzlichsten Tag unseres Lebens immer wieder neu erleben müssen.» Erst wenn Zarnajew in Vergessenheit gerate, könnten sie mit dem Wiederaufbau ihres Lebens und ihrer Familie beginnen, schrieben sie weiter.

Die zuständige US-Staatsanwältin Carmen Ortiz sagte, sie kenne die Ansicht der Richards, könne sich aber zu Einzelheiten nicht äussern. Ortiz versicherte gleichzeitig, dass ihr die Meinung der Angehörigen sehr wichtig sei.

Auch Jennifer Lemmerman, die Schwester eines bei der Verfolgungsjagd nach dem Anschlag getöteten Wachmanns, hatte sich auf Facebook gegen die Todesstrafe für Zarnajew ausgesprochen. Andere Angehörige befürworten dagegen, dass der 21-jährige gehängt wird. Das Verfahren zur Findung des Strafmasses beginnt am Dienstag.

(AP)

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