Dieser Lehrer spendet seinen Lohn – und gewinnt eine Million

Peter Tabichi darf sich weltbester Lehrer nennen. Den «Global Teacher Award» hat er sich für besonderes Engagement verdient.

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Der mit einer Million Dollar dotierte Global Teacher Award ist am Sonntagabend im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an den Mathematik- und Physiklehrer Peter Tabichi verliehen worden. Initiiert und gestiftet hat den Preis der aus Indien stammende und in Dubai tätige Unternehmer Sunny Varkey.

Tabichi unterrichtet an der Keriko Middle School. Die Schule mit ihren schlecht ausgestatteten Klassenzimmern befindet sich im Dorf Pwani – in einer abgelegenen, ländlichen Gegend Kenias. 95 Prozent der Schüler, die teilweise einen Schulweg von bis zu 7 Kilometern unter ihre Füsse nehmen, stammen aus armen Verhältnissen; rund ein Drittel von Tabichis 58 Schülern sind Waisen oder Halbwaisen.

Dem 36-Jährigen, der zudem dem Franziskaner-Orden angehört, steht ein einziger Computer mit instabiler Verbindung ins Internet zur Verfügung. Um genug Schulstoff zur Verfügung zu haben, besucht der leidenschaftliche Lehrer Internetcafés, wo er Online-Bildungsmaterial herunterlädt, das er dann offline im Unterricht verwendet.

«Zu sehen, wie meine Lernenden an Wissen, Fähigkeiten und Vertrauen wachsen, ist meine grösste Freude am Unterrichten.»

Tabichi und weitere Lehrerkollegen unterrichten ihre Schüler auch ausserhalb der Schulstunden und an Wochenenden. Auch besucht Tabichi die Schüler und ihre Familien zu Hause, um herauszufinden, mit welchen Herausforderungen diese konfrontiert sind. Für viele Schüler sei es schwierig, morgens zu Hause etwas zu essen zu bekommen, so Tabichi. Weil sich hungrige Schüler in der Schule nicht konzentrieren können, sorge er auch dafür, dass sie einen Zmorge erhalten.

Beeindruckt hat die Jury insbesondere, dass Tabichi 80 Prozent seines Monatsgehaltes an lokale Hilfsprojekte spendet. Seine Spenden unterstützen auch seine Schüler, die sich weder Schuluniformen noch Bücher leisten können.

Lobend äussert sich die Jury auch zu Tabichis Motivationskünsten; seine Schüler glaubten an sich; ihre Leistung und ihr Selbstwertgefühl hätten sich drastisch verbessert. Die Zahl der Schuleinschreibungen hat sich innerhalb von drei Jahren auf 400 verdoppelt, und die Zahl der Fälle von Disziplinlosigkeit sank von 30 pro Woche auf nur noch drei.

Video-Porträt Tabichis. (Quelle: Youtube/Global Teacher Prize).

2017 gingen nur 16 von 59 Studenten auf die Universität, während ein Jahr darauf 26 Studenten die Universität und das College besuchten. Vor allem die Leistung von Mädchen wurde gesteigert. In allen vier Tests, die im letzten Jahr durchgeführt wurden, sind jetzt Mädchen gleich gut wie die Buben.

Zudem gründete Tabichi einen Club für Naturwissenschaften, mit dem er regelmässig an internationalen Wettbewerben teilnimmt.

Belohnt wurde Tabichi letztlich für sein aussergewöhnliches Engagement, seine harte Arbeit und seinen leidenschaftlichen Glauben an das Talent seiner Schüler. «Zu sehen, wie meine Lernenden an Wissen, Fähigkeiten und Vertrauen wachsen, ist meine grösste Freude am Unterrichten», so Tabichi, der sich gegen 10'000 Nominierte aus 179 Ländern durchgesetzt hatte.

Spendabler Multimillionär mit einem Auftrag

Die Entscheidung im Wettbewerb fiel im Rahmen der weltweit grössten Fachtagung für Schule und Bildung in Dubai. Am «Global Education & Skills Forum» nahmen am Wochenende rund 2000 Lehrkräfte, Schulforscher und Bildungspolitiker teil.

Gestiftet wird der seit 2015 verliehene Preis von der Varkey Gems Foundation. Deren Ziel ist es, das Ansehen des Lehrerberufs zu fördern. Bei diesem Preis gehe es nicht allein um das Geld, sondern auch darum, Tausende von inspirierenden Geschichten ans Licht zu bringen, erklärt der Gründer der Stiftung, der indische Geschäftsmann und Philanthrop Sunny Varkey.

Der heutige Multimillionär Varkey, der sich weltweit für bessere Schulqualität und die Unterstützung benachteiligter Kinder einsetzt, besitzt ein Privatschulimperium, das als kleiner Familienbetrieb angefangen hat. Heute gehören mehr als hundert Schulen und Kindergärten zu seiner Stiftung.

Um ihrem Sohn Sunny in den Arabischen Emiraten eine indische Ausbildung zu ermöglichen, hatten seine Eltern in Dubai eine kleine Schule mit 27 Plätzen gegründet. Als Sunny später den Schulbetrieb übernahm, waren es bereits 720 Schüler, heute lernen in dieser Schule Tausende Kinder.

nag

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