Die Rache der Geschmähten

Valérie Trierweiler legt ein Buch über ihre Beziehung zu François Hollande vor. Es hat das Zeug zum polit-amourösen Bestseller.

Schreibt über ihre Beziehung zum französischen Präsidenten: Die Journalistin Valérie Trierweiler.

Schreibt über ihre Beziehung zum französischen Präsidenten: Die Journalistin Valérie Trierweiler.

(Bild: Keystone EPA/Etienne Laurent)

Oliver Meiler@tagesanzeiger

Von allen Büchern, die diese Rentrée littéraire in die Buchhandlungen schwemmt, ist «Merci pour ce moment» literarisch wahrscheinlich eines der bescheideneren Werke. Und doch hat es das Zeug zum grossen polit-amourösen Bestseller. Ab morgen liegt es auf, stapelweise, in allen Buchhandlungen Frankreichs. 200'000 Exemplare davon wurden gedruckt – in Deutschland, im Geheimen. Niemand sollte die Sensation kommen sehen. Auch das Elysée nicht, vor allem das Elysée nicht. Es ist das Buch einer enttäuschten, unüberwundenen Liebe im Zentrum der Macht, die Geschichte der kürzlich unschön beendeten, neunjährigen Liaison zwischen Valérie Trierweiler, Journalistin, und François Hollande, Präsident der Republik – erzählt in der ersten Person, Singular. Sie habe stark unter Lügen gelitten, schreibt Trierweiler, darum erzähle sie in diesem Buch nun die Wahrheit. Das Magazin «Paris Match», für das sie seit vielen Jahren arbeitet, liefert schon mal Leseproben.

Da erfährt man zum Beispiel im Detail, schier überdetailliert, was sich am 17. Januar hinter privaten Mauern zutrug, als Trierweiler von der Liebschaft ihres Partners mit der Schauspielerin Julie Gayet erfuhr, von Hollandes Eskapaden auf dem Motorrad im nächtlichen Paris, die ihn ums Eck und behelmt ins Nestchen der Geliebten führten. «Die Information über Julie Gayet steht zuoberst in den Morgennachrichten», schreibt Trierweiler, «ich breche zusammen, ich kann mir das nicht anhören, ich stürze ins Badezimmer, fasse nach der kleinen Plastiktasche mit den Schlaftabletten. François folgt mir, will mir die Tasche entreissen. Ich renne ins Zimmer. Er bekommt die Tasche in die Hand, sie zerreisst. Die Tabletten fallen aufs Bett und auf den Boden. Ich schaffe es, einige davon zu greifen, schlucke so viele ich kann - ich will schlafen, ich will diese Stunden nicht erleben, die nun anbrechen. Ich spüre den Sturm, der da auf mich zukommt, und ich schaffe es nicht, dagegen anzukämpfen. Ich verliere das Bewusstsein.»

In einer Blase gefangen

In einer anderen Passage erzählt sie, wie ihr Partner reagierte, als sie ihn vor einigen Jahren mitten in der Nacht weckte, um ihm kundzutun, dass die New Yorker Polizei Dominique Strauss-Kahn, den damaligen IWF-Chef und internen Rivalen Hollandes um die französische Präsidentschaft, festgenommen habe – wegen einer Sittengeschichte in einem Hotel in Manhattan. In kürzester Zeit habe er den Vorfall politisch analysiert. Kalt und berechnend kommt Hollande rüber, wie ein Mann voller ungestillter Ambition.

Trierweiler beschreibt ihn auch als isoliert, gefangen in einer Blase. Diese wachsende Entfremdung von der Realität, die jeden Präsidenten der 5. Republik befiel, nachdem er sich unter den Kronleuchtern des Palasts eingerichtet hatte, gesteht er selber gegenüber seinen Freunden auch ein. Man hat ihn sich aber etwas sympathischer vorgestellt als in der Darstellung der Ex. Trierweiler schreibt auch, Hollande habe ihr während der ersten Wochen nach der Trennung viele SMS geschrieben, in denen er ihr seine Liebe versicherte – einmal seien es 29 SMS an einem einzigen Tag gewesen. Sie hoffte offenbar, dass sich die Geschichte doch noch arrangieren würde. Es wäre ein Triumph gewesen, für sie. Von Valérie Trierweiler hört man ja, es bewohne sie eine furiose Eifersucht.

Nicht politisch, aber persönlich

Vor dem Sommer aber brach auch der letzte Kontakt ab. Und Trierweiler begann im Stillen zu schreiben, sich zu rächen für die Demütigung vor der ganzen Nation. Nicht politisch, aber persönlich – was in diesem Fall dieselbe Wirkung hat. Vielleicht kostet Hollande dieses Buch noch einige Prozentpunkte Popularität mehr. Die Kurve tendierte aber bereits davor bedrohlich gegen null. Trierweiler trifft Hollande dennoch in einem heiklen Moment: Gerade musste der Präsident seine Regierung umbilden, seine Wirtschaftspolitik rechtfertigen. Er hätte also gut auf zweifelhafte Schlagzeilen verzichten können. Trierweiler schreibt auch von einer Begebenheit, als sie vor einem offiziellen Anlass vor dem Spiegel stand, um sich zu schminken, da habe Hollande gesagt: «Braucht das so lange, bis du schön bist?» Darauf sie: «Ein bisschen Zeit braucht das schon.» Darauf er: «Andererseits: Man verlangt ja nichts anderes von dir.» Nun ja.

Die Franzosen haben Trierweiler nie sonderlich gemocht: Ihren Auftritt prägt ein unnahbares, leicht arrogantes Gebaren. In der inoffiziellen Rolle als «Première Dame» (oder eben als «First Girlfriend») hielt man sie denn gemeinhin auch als Fehlbesetzung. Womöglich kommt sie jetzt, als geschmähte Rächerin, besser an.

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