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Tragödie beim Rap-Konzert

Bei der Flucht aus einer Disco sterben in Italien mehrere Jugendliche. Die Massenpanik wurde wohl durch Pfefferspray ausgelöst – wie letztes Jahr in Turin.

Pfefferspray als möglicher Auslöser: Bei einer Massenpanik in Italien starben fünf Minderjährige und eine erwachsene Person. (Video: Vigili del Fuoco via Storyful)

Es sollte der Event des Jahres werden, wenigstens für tausend Teenager an der Adriaküste bei Ancona. Stattdessen wurde die Nacht zur Tragödie. In der Discothek «Lanterna Azzurra» in Corinaldo, einer Kleinstadt der Marken, ist in der Nacht auf Samstag Panik ausgebrochen. Sechs Menschen kamen ums Leben, sie wurden bei der Flucht zu Tode getrampelt, erdrückt. Fünf von ihnen waren minderjährig. Das sechste Opfer ist die Mutter eines Mädchens. Sie hatte ihre Tochter ins «Lanterna Azzurra» begleitet, wie das viele Mütter und Väter taten.

Das Publikum an diesem Abend war besonders jung, zwischen 14 und 18 Jahre alt. Gekommen waren die jungen Menschen für das Konzert des Rappers Sfera Ebbasta, der bürgerlich Gionata Boschetti heisst. Der Mailänder, 26, ein Idol der Teenies mit Millionen Followern in den sozialen Medien, ist Italiens erfolgreichster Rapper des Moments. Er nennt sich selbst «König des Traps», einer Variante des Raps, trägt Klunker und Tattoos wie seine amerikanischen Vorbilder, singt stolz von der vielen Kohle, die er gemacht hat. Boschetti stammt aus bescheidenen Verhältnissen.

Opfer stürzten in die Tiefe

Noch ist unklar, was es genau war, das die Panik auslöste. Mehrere Augenzeugen berichteten, im Saal habe sich plötzlich ein beissender Geruch breitgemacht, wie man ihn von Pfeffersprays kennt. Es war kurz vor 1.30 Uhr, mitten im Konzert. Als die ersten Besucher versuchten, das Lokal durch einen Notausgang zu verlassen, wurden sie offenbar vom Sicherheitsdienst zurückgedrängt. So konzentrierte sich die Flucht ganz auf einen anderen Ausgang, hin zum Parkplatz.

Unter dem Druck des Ansturms brachen die Schutzgeländer weg. In der Dunkelheit war die Mauer nicht zu sehen, vor der die Brüstungen schützen sollten – dahinter geht es einige Meter in die Tiefe. Anscheinend stürzten die sechs Opfer ins Leere und wurden dann von den nachkommenden Flüchtenden erdrückt. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt, von zwölf hiess es, sie befänden sich in einem kritischen Zustand - «Codice rosso», höchste Gefährdungsstufe. Die Carabinieri haben die Discothek sofort beschlagnahmt und befragten die Angestellten. Es soll geklärt werden, ob der eine Notausgang im entscheidenden Augenblick tatsächlich versperrt war.

Pfefferspray-These erinnert an Turin

Die These mit dem Pfefferspray erinnert die Italiener an ein anderes Unglück: auf der Piazza San Carlo von Turin, am 3. Juni 2017. Damals, während der Direktübertragung des Champions-League-Finals zwischen Juventus Turin und Real Madrid, hatten acht junge Männer mit Pfeffersprays für Panik gesorgt. Ziel war es offenbar, in der allgemeinen Verwirrung Leute zu beklauen. Eine Frau wurde zu Tode getrampelt, Tausende wurden verletzt.

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