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Die letzten dreieinhalb Minuten

Die Luftfahrtermittlungsbehörde hat die letzten Minuten des Air-France-Fluges 447 rekonstruiert. Die Auswertungen der Flugschreibers weisen auf Probleme im Cockpit hin. Die Ursache bleibt dennoch ein Rätsel.

Drei Minuten dauerte der Absturz des Flugs AF447: Der geborgene Heckflügel des Airbus bei der Verladung.
Drei Minuten dauerte der Absturz des Flugs AF447: Der geborgene Heckflügel des Airbus bei der Verladung.
Keystone
Lange wurde vergeblich nach ihnen gesucht: Eine der zwei Blackboxen des verunglückten Air-France-Flugs 447 bei der Untersuchungsbehörde BEA in Le Bourget bei Paris.
Lange wurde vergeblich nach ihnen gesucht: Eine der zwei Blackboxen des verunglückten Air-France-Flugs 447 bei der Untersuchungsbehörde BEA in Le Bourget bei Paris.
Emma Foster, Keystone
Rettungskräfte zogen am 8. Juni 2009 einen Teil des Heckflügels der Air-France-Maschine aus dem Wasser.
Rettungskräfte zogen am 8. Juni 2009 einen Teil des Heckflügels der Air-France-Maschine aus dem Wasser.
Keystone
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Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Flugzeugkatastrophe über dem Atlantik mit 228 Toten haben die französischen Ermittler die letzten Minuten des Fluges AF447 rekonstruiert.

Der Absturz des Airbus auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich dauerte dreieinhalb Minuten. Der Pilot habe das Cockpit wenige Minuten zuvor verlassen, um sich auszuruhen, teilten die Luftfahrtermittler mit.

Schlechwetterfront

Das Flugzeug der französischen Luftfahrtgesellschaft Air France sei auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in eine Schlechtwetterfront geraten, auf das die beiden Co-Piloten die übrige Besatzung noch hingewiesen hätten.

«Wir müssten in eine Zone geraten, in der es ein bisschen höher als jetzt hergeht», sagte ein Co-Pilot nach Angaben der Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA), die die beiden Flugschreiber der Unglücksmaschine seit Mitte des Monats auswertet.

Geschwindigkeitsanzeigen widersprüchlich

Während der Turbulenzen seien dann widersprüchliche Geschwindigkeitsanzeigen auf den Bildschirmen im Cockpit erschienen. Eine Anzeige habe die Piloten auf einen «brutalen Abfall» der Geschwindigkeit hingewiesen, erklärte die Behörde.

Die Co-Piloten hätten nach dem Kapitän gerufen, der sich ausruhen gegangen sei - den Angaben zufolge ist es bei einem Flug mit dieser Art der Besatzung durchaus üblich, dass jeweils einer der drei Piloten sich hinlegen kann, sofern die beiden anderen im Cockpit bleiben.

Erst nach mehrmaligen Rufen sei der Kapitän zurückgekommen, erklärte die BEA. Das Steuer habe er von dem Co-Piloten aber nicht übernommen. «Wir haben überhaupt keine verlässliche Angabe mehr», sagte einer der Co-Piloten knapp zweieinhalb Minuten vor Ende der Aufzeichnungen.

Rettungsmanöver nützte nichts

Der französische Nachrichtensender France Info hatte am Donnerstagabend unter Berufung auf die Ergebnisse der BEA berichtet, die Besatzung habe die abstürzende Maschine mit einem «klassischen» Verfahren zu retten versucht, das in der Ausbildung gelehrt werde.

Dieses Vorgehen sei in dem Fall aber «ungeeignet und wirkungslos» gewesen. «Ich verstehe gar nichts», habe einer der Piloten kurz vor dem Aufschlagen des Flugzeuges auf der Meeresoberfläche gesagt, berichtete der Sender.

Ursache bleibt ein Rätsel

Die Ermittlungsbehörde hatte erklärt, sie wolle «erste Feststellungen» über die Umstände der Katastrophe veröffentlichen, weil bereits «bruchstückhafte und mehr oder weniger widersprüchliche Informationen» an die Medien durchgesickert seien.

Es handele sich um «faktuelle Elemente über den Ablauf des Fluges» und «auf keinen Fall die Ursachen» des Absturzes. Ein Etappenbericht soll laut BEA bis Ende Juli vorliegen.

Die beiden «Black Boxes» waren erst vor wenigen Wochen in knapp viertausend Metern Tiefe auf dem Meeresgrund gefunden worden. Bis heute ist nicht geklärt, weshalb der Airbus der Air France am 1. Juni 2009 mit 228 Menschen an Bord ins offene Meer stürzte. Unter den Todesopfern waren auch drei Schweizer.

Gegen die Fluggesellschaft und den europäischen Flugzeugbauer Airbus ermittelt die französische Justiz wegen fahrlässiger Tötung.

(SDA)

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