Zum Hauptinhalt springen

Die bekanntesten Mordfälle von rückfälligen Tätern

Von Werner Ferrari bis Fabrice Anthamatten: Wiederholt haben Verurteilte wieder vergewaltigt und getötet. Ein Bericht des Bundes dokumentiert schwere Mängel im Umgang mit Straftätern.

Werner Ferrari, mehrfacher Kindermörder: 24 Jahre alt ist Werner Ferrari, der Aargauer, der einen Grossteil seiner Kindheit in Heimen verbracht hat, als er zum ersten Mal mordet. Sein Opfer: Daniel, 10, aus Reinach. Ferrari wird zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, kommt aber bereits 1979 frei. Wenige Monate später beginnt eine Mordserie an Kindern, wie sie die Schweiz noch nie erlebt hatte. Zwischen Mai 1980 und August 1989 verschwinden elf Kinder - das jüngste sechs, das älteste 14. Acht von ihnen findet man tot, von dreien fehlt bis heute jede Spur. Die Polizei tappt lange im Dunkeln. Bis am 30. August 1989. An diesem Tag, einem Mittwoch, läutet bei der Kantonspolizei Solothurn das Telefon. Ferrari, der Aargauer, der nun in Olten lebt, ist am Apparat und erklärt dem Beamten, dass er mit dem Mord an der neunjährigen Fabienne vor vier Tagen nichts zu tun habe. Eine Stunde später sitzt Ferrari in Haft. Noch in der U-Haft gesteht er vier Morde (unter anderem jenen an Fabienne), bestreitet aber den Mord an der zwölfjährigen Ruth, die 1980 tot in einem Waldstück bei Würenlos gefunden wurde, vehement. Trotzdem wird er 1995 wegen fünffachen Mordes verurteilt. Peter Holenstein, Journalist und Buchautor, glaubt ihm und findet Hinweise, dass Ferrari nicht der Mörder von Ruth sein kann. 2007, zwölf Jahre nach dem ersten Urteil, befindet ihn das Bezirksgericht Baden im Fall von Ruth für unschuldig. Für die anderen vier Morde bleibt er in Haft.
Werner Ferrari, mehrfacher Kindermörder: 24 Jahre alt ist Werner Ferrari, der Aargauer, der einen Grossteil seiner Kindheit in Heimen verbracht hat, als er zum ersten Mal mordet. Sein Opfer: Daniel, 10, aus Reinach. Ferrari wird zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, kommt aber bereits 1979 frei. Wenige Monate später beginnt eine Mordserie an Kindern, wie sie die Schweiz noch nie erlebt hatte. Zwischen Mai 1980 und August 1989 verschwinden elf Kinder - das jüngste sechs, das älteste 14. Acht von ihnen findet man tot, von dreien fehlt bis heute jede Spur. Die Polizei tappt lange im Dunkeln. Bis am 30. August 1989. An diesem Tag, einem Mittwoch, läutet bei der Kantonspolizei Solothurn das Telefon. Ferrari, der Aargauer, der nun in Olten lebt, ist am Apparat und erklärt dem Beamten, dass er mit dem Mord an der neunjährigen Fabienne vor vier Tagen nichts zu tun habe. Eine Stunde später sitzt Ferrari in Haft. Noch in der U-Haft gesteht er vier Morde (unter anderem jenen an Fabienne), bestreitet aber den Mord an der zwölfjährigen Ruth, die 1980 tot in einem Waldstück bei Würenlos gefunden wurde, vehement. Trotzdem wird er 1995 wegen fünffachen Mordes verurteilt. Peter Holenstein, Journalist und Buchautor, glaubt ihm und findet Hinweise, dass Ferrari nicht der Mörder von Ruth sein kann. 2007, zwölf Jahre nach dem ersten Urteil, befindet ihn das Bezirksgericht Baden im Fall von Ruth für unschuldig. Für die anderen vier Morde bleibt er in Haft.
Dorothea Müller, Keystone
Erich Hauert ermordete Pasquale im Hafturlaub: Der «Mord am Zollikerberg» wühlt die Schweiz auf. Am 30. Oktober 1993 findet die Polizei die Leiche der vermissten Pfadiführerin Pasquale Brumann (20) auf dem Zollikerberg. Nackt, mit durchgeschnittener Kehle, im Laub verscharrt. Die Spur führt schnell zu Erich Hauert, einem als extrem gefährlich eingestuften Sexualstraftäter, der für zwei Sexualmorde und elf Vergewaltigungen einsass – und kurz nach der Tat von einem zweitägigen, unbegleiteten Hafturlaub in die Strafanstalt zurückkehrte. Pünktlich, als wäre nichts passiert. Hauert wird die Tat mit DNA-Spuren nachgewiesen, er gesteht. 1996 wird er erneut zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt und auf unbestimmte Zeit verwahrt. 2010 überprüft das Zürcher Obergericht die Verwahrung und kommt zum Schluss: Hauert ist noch immer stark rückfallgefährdet. Er bleibt in der Strafanstalt Lenzburg verwahrt. Der Mordfall bringt ein Umdenken im Umgang mit Sexualstraftätern. Auch dank Jeanette Brumann, Pasquales Mutter. Sie kämpft an vorderster Front für die im Herbst 1998 lancierte Volksinitiative «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter», die im Februar 2004 klar angenommen wird. «Extrem gefährliche» und «nicht therapierbare» Täter müssen heute verwahrt werden. Eine frühzeitige Entlassung und Hafturlaub gibt es für sie nicht mehr.
Erich Hauert ermordete Pasquale im Hafturlaub: Der «Mord am Zollikerberg» wühlt die Schweiz auf. Am 30. Oktober 1993 findet die Polizei die Leiche der vermissten Pfadiführerin Pasquale Brumann (20) auf dem Zollikerberg. Nackt, mit durchgeschnittener Kehle, im Laub verscharrt. Die Spur führt schnell zu Erich Hauert, einem als extrem gefährlich eingestuften Sexualstraftäter, der für zwei Sexualmorde und elf Vergewaltigungen einsass – und kurz nach der Tat von einem zweitägigen, unbegleiteten Hafturlaub in die Strafanstalt zurückkehrte. Pünktlich, als wäre nichts passiert. Hauert wird die Tat mit DNA-Spuren nachgewiesen, er gesteht. 1996 wird er erneut zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt und auf unbestimmte Zeit verwahrt. 2010 überprüft das Zürcher Obergericht die Verwahrung und kommt zum Schluss: Hauert ist noch immer stark rückfallgefährdet. Er bleibt in der Strafanstalt Lenzburg verwahrt. Der Mordfall bringt ein Umdenken im Umgang mit Sexualstraftätern. Auch dank Jeanette Brumann, Pasquales Mutter. Sie kämpft an vorderster Front für die im Herbst 1998 lancierte Volksinitiative «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter», die im Februar 2004 klar angenommen wird. «Extrem gefährliche» und «nicht therapierbare» Täter müssen heute verwahrt werden. Eine frühzeitige Entlassung und Hafturlaub gibt es für sie nicht mehr.
Peter Lauth, Keystone
Fabrice Athamatten und die tote Adeline M.: Schwere sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Diebstahl – wegen dieser Verbrechen kommt Fabrice Anthamatten, geboren 1974 in Paris, als 25-Jähriger mit dem Gesetz in den Konflikt. Er bedroht zwei Mal eine Frau mit einem Messer, fesselt sie mit Handschellen, vergewaltigt sie. Ein schweizerisches und ein französisches Geschworenengericht verurteilen ihn 2001 und 2003 zu fünf und fünfzehn Jahren Gefängnis. Seit meinem ersten Delikt habe ich eine grosse Vergewaltigungsfantasie. Es ist jedes Mal ein guter Trip, gesteht Anthamatten. Weil er schweizerisch-französischer Doppelbürger ist, überführt ihn die Justiz in die Genfer Haftanstalt Champ-Dollon. Französische Experten weisen die Schweizer darauf hin, dass Anthamatten eine Gefahr für seine Mitmenschen darstelle. Sie zweifeln am Sinn von Resozialisierungsmassnahmen. Gleichwohl gestattet die Genfer Justiz Anthamatten begleitete Ausgänge. Er soll eine Reittherapie besuchen können. Am 12. September 2013 verlässt er mit Sozialtherapeutin Adeline M. das Gefängnis. Als beide nicht zurückkommen, startet eine Grossfahndung. Die Polizei findet am nächsten Tag die Leiche von Adeline. Fabrice Anthamatten wird später in Polen verhaftet. Es stellt sich heraus, dass er vor der Therapiestunde ein Hufmesser kaufen durfte – das mutmassliche Mordinstrument.
Fabrice Athamatten und die tote Adeline M.: Schwere sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Diebstahl – wegen dieser Verbrechen kommt Fabrice Anthamatten, geboren 1974 in Paris, als 25-Jähriger mit dem Gesetz in den Konflikt. Er bedroht zwei Mal eine Frau mit einem Messer, fesselt sie mit Handschellen, vergewaltigt sie. Ein schweizerisches und ein französisches Geschworenengericht verurteilen ihn 2001 und 2003 zu fünf und fünfzehn Jahren Gefängnis. Seit meinem ersten Delikt habe ich eine grosse Vergewaltigungsfantasie. Es ist jedes Mal ein guter Trip, gesteht Anthamatten. Weil er schweizerisch-französischer Doppelbürger ist, überführt ihn die Justiz in die Genfer Haftanstalt Champ-Dollon. Französische Experten weisen die Schweizer darauf hin, dass Anthamatten eine Gefahr für seine Mitmenschen darstelle. Sie zweifeln am Sinn von Resozialisierungsmassnahmen. Gleichwohl gestattet die Genfer Justiz Anthamatten begleitete Ausgänge. Er soll eine Reittherapie besuchen können. Am 12. September 2013 verlässt er mit Sozialtherapeutin Adeline M. das Gefängnis. Als beide nicht zurückkommen, startet eine Grossfahndung. Die Polizei findet am nächsten Tag die Leiche von Adeline. Fabrice Anthamatten wird später in Polen verhaftet. Es stellt sich heraus, dass er vor der Therapiestunde ein Hufmesser kaufen durfte – das mutmassliche Mordinstrument.
Marcin Bielecki, Keystone
1 / 5

Gewalt- und Triebtäter, die auf Hafturlaub rückfällig werden – der Bund hat dieses hochemotionale Problem umfassend und nüchtern untersucht. Resultat ist ein umfangreicher Bericht, den das Parlament auf einen Antrag der Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd hin verlangt hatte. Die darin beschriebenen Zustände, wie Behörden mit sogenannten Risikostraftätern umgehen, zeigen eine Vielzahl von Mängeln und Missständen im behördlichen Umgang mit Mördern und Vergewaltigern, bei ­denen die Gefahr besteht, dass sie ­rückfällig werden.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.