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Deutschland hat einen Fall Fritzl

Ein Mann soll seine Tochter wöchentlich mehrmals vergewaltigt und dabei drei Kinder mit ihr gezeugt haben. Über 34 Jahre dauerte der Missbrauch in Deutschland demnach an.

Trügerische Idylle: Das Haus, in dem ein 69-jähriger Rentner seine heute 46 Jahre alte Tochter 34 Jahre lang missbraucht haben soll.
Trügerische Idylle: Das Haus, in dem ein 69-jähriger Rentner seine heute 46 Jahre alte Tochter 34 Jahre lang missbraucht haben soll.

Umgeben von Maisfeldern, Wiesen und Feldern liegt das fränkische Dorf Willmersbach verschlafen in einer Senke. Doch das Idyll trügt: Über 34 Jahre hinweg soll in dem Ort im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim eine heute 46 Jahre alte Frau von ihrem 69-jährigen Vater sexuell missbraucht worden sein und sogar drei Söhne mit ihm gezeugt haben.

«Vermutet haben so etwas ja viele», erzählt ein 50-Jähriger aus einem Nachbarort, der gern seine Jogging-Runden durch Willmersbach dreht. Er selbst habe die heute 46-Jährige zwar nie zu Gesicht bekommen. Aber er wisse, dass sich im Dorf alle gewundert hätten, weshalb sie so oft schwanger war, obwohl sie keinen Mann gehabt habe. Bekannt geworden war der Fall erst am Dienstag.

Anklage spricht von 497 Vergewaltigungsfällen

Das Haus, in dem sich der jahrelange Inzest abgespielt haben soll, liegt im oberen Bereich des Dorfes – fast schon an dessen Rand. Vor dem weissen Haus mit den dick umrandeten Fenstern und der Garage ist es sauber aufgeräumt. Ein Mann öffnet die Tür und raucht eine Zigarette. Er sei der Sohn des Angeklagten, erklärt er. Auf die Frage nach seinem Wohlbefinden antwortet er knapp: «Geht schon.» Er wolle nicht mit der Presse sprechen, sagt er. Er erklärt aber, dass seine Schwester nicht zu Hause sei.

Sie soll nach den Worten eines Nachbarn schon seit längerer Zeit in einen anderen Ort gezogen sein, etwa 20 Autominuten entfernt. Sie sei weggegangen, als «das alles hier rauskam», erzählt der 42-Jährige, der seit elf Jahren in der Nähe des mutmasslichen Tatorts wohnt. Seinen Namen will er nicht nennen.

Der 69 Jahre alte Rentner sitzt nach Angaben der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth seit März in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde Anklage unter anderem wegen Vergewaltigung in 497 Fällen erhoben. Der Mann habe sexuelle Kontakte zu seiner Tochter zugegeben, jedoch von einvernehmlichem Sex gesprochen. Laut Staatsanwaltschaft soll er seine Tochter erstmals im Alter von 12 oder 13 Jahren mit Schlägen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Im Dorf gab es viele Gerüchte

Mit der Familie habe er nie Probleme gehabt, erzählt ein Nachbar. «Wenn wir uns begegnet sind, dann waren sie freundlich und haben gegrüsst.» Das mutmassliche Opfer habe er selten zu Gesicht bekommen. «Nur ab und an beim Einkaufen – und da war immer der Vater dabei.» Gross und schlank sei der Rentner. Seinem Auftreten nach habe er zu Hause «die Herrschaft geführt», erinnert sich der Mann. Die Ehefrau des 69-Jährigen habe er oft mit blau geschlagenen Augen gesehen.

Die Übergriffe flogen auf, als die 46-Jährige nach dem Tod eines ihrer Kinder versucht hatte, die Ehefrau eines Arztes zu erpressen und deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Wenige Wochen vor der Inhaftierung ihres Vaters vertraute sie sich ihrer Bewährungshelferin an und erzählte ihr von den Taten.

Über das, was hinter den Fenstern passiert sein könnte, habe es im Dorf immer wieder Gerüchte gegeben, sagt der Nachbar. Etwas unternommen habe aber keiner. «Es gibt Leute, mit denen will man nichts näher zu tun haben», unterstreicht der Mann. Dass jetzt aber alles an die Öffentlichkeit gekommen ist, finde er «in Ordnung».

SDA/wid/rub

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