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Der Karpaten-Guttenberg

Ein angesehenes Wissenschaftsmagazin beschuldigt Rumäniens Regierungschef des Plagiats. Der wittert ein politisches Komplott und findet die Vorwürfe «ein bisschen komisch».

Soll weite Teile seiner Dissertation Wort für Wort übernommen haben: Der rumänische Premier Victor Ponta.
Soll weite Teile seiner Dissertation Wort für Wort übernommen haben: Der rumänische Premier Victor Ponta.
Reuters

Der rumänische Regierungschef Victor Ponta hat laut einem führenden Wissenschaftsmagazin weite Teile seiner rechtswissenschaftlichen Dissertation abgeschrieben. Ponta bestritt die Vorwürfe zunächst, räumte dann heute aber ein, seine Quellen nicht konsequent in den Fussnoten auf jeder Seite, sondern nur in der Bibliografie am Ende angegeben zu haben.

Das Wissenschaftsmagazin «Nature» hatte erklärt, mehr als die Hälfte von Pontas Dissertation über den Internationalen Strafgerichtshof aus dem Jahre 2004 sei aus dem Werk zweier rumänischer Rechtsgelehrter plagiiert. «Nature» habe Dokumente eingesehen, die darauf hinwiesen, hiess es gestern in einer Pressemitteilung.

«Nature» beruft sich auf von einem Informanten überbrachte Dokumente. Die 2003 vom jetzigen rumänischen Ministerpräsidenten an der Universität von Bukarest eingereichte Dissertation hat den Internationalen Strafgerichtshof zum Thema und umfasst 432 Seiten. In ihr wurden laut «Nature» unter anderem offenbar ganze Textpassagen aus englischen Publikationen einfach wortwörtlich ins Rumänische übersetzt.

Bereit, für Fehler zu zahlen

Ponta erklärte: «Der einzige Vorwurf, den ich mir machen kann, ist, dass ich die Autoren nicht am Ende jeder Seite aufgelistet, sondern in der Bibliografie am Ende angegeben habe.» Sollte dies ein Fehler sein, sei er bereit, dafür zu zahlen. Die amtliche Nachrichtenagentur Agerpres hatte zuvor gemeldet, Ponta bestreite die Vorwürfe, abgeschrieben zu haben, und sei bereit, seine Dissertation «jeder Überprüfung» unterziehen zu lassen.

Ponta beschuldigte Staatspräsident Traian Basescu, seinen politischen Erzrivalen, hinter dem Angriff auf seine Person zu stecken. Das Vertrauen zwischen ihm und Basescu sei gleich null, fügte er hinzu. Ponta und Basescu hatten jüngst darüber gestritten, wer Rumänien beim nächsten EU-Gipfel vertreten soll.

Zudem nannte es der Regierungschef «ein bisschen komisch», dass sich eine auf Wissenschafts- und Medizinthemen spezialisierte Zeitschrift für seine Doktorarbeit in internationalem Recht interessiere.

Bereits der dritte Fall

Nachdem die Vorgängerregierung ein Misstrauensvotum nicht überstanden hatte, wurde Ponta am 7. Mai Ministerpräsident. Seine Regierung war schon vorher mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert gewesen. Zwei Mal hatte der Regierungschef Politiker für das Amt des Bildungsministers nominiert, doch diese traten zurück, nachdem schwere Vorwürfe, sie hätten abgeschrieben, erhoben worden waren.

Politische Instabilität macht dem Balkanland mit seinen 19 Millionen Einwohnern seit Jahresbeginn zu schaffen. Tausende protestierten im Januar gegen Sparmassnahmen. Ministerpräsident Emil Boc trat im Februar zurück, sein Nachfolger überstand nur weniger als drei Monate an der Regierungsspitze.

AFP/ami

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