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Der falsche Rockefeller stammt wohl aus Deutschland

Der Mann, der sich als Erbe der amerikanischen Öldynastie ausgab und seine Tochter entführte, stammt aus Oberbayern.

Falsche Identität: Er gab sich als J. Clarke Rockefeller aus und täuschte die ganze New Yorker High Society (hier vor Gericht).
Falsche Identität: Er gab sich als J. Clarke Rockefeller aus und täuschte die ganze New Yorker High Society (hier vor Gericht).
Keystone

Es wäre die Geschichte eines 17-jährigen Schülers aus Oberbayern, den es 1980 in die USA zieht und der dort zunächst bei einer Gastfamilie lebt. Der sich später als Erbe des berühmten Öl-Magnaten John D. Rockefellers ausgibt und die komplette New Yorker High Society an der Nase herum führt, bis er schliesslich Jahre später wegen der Entführung seiner eigenen Tochter vom FBI verhaftet wird.

Hinzu kämen noch eine Reihe von Scheinidentitäten, ein spurlos verschwundenes Ehepaar und ein angeblicher Gedächtnisverlust. Das klingt wirklich nicht sehr glaubwürdig, aber genau solch eine Geschichte beschäftigt zurzeit die amerikanische Kriminalpolizei.

Nach mehrtägiger Flucht geschnappt

Ende Juli wurde bekannt, dass der angebliche Rockefeller-Erbe J. Clarke Rockefeller seine siebenjährige Tochter entführt hatte. Nach mehrtägiger Flucht wurde er schliesslich vom FBI in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland verhaftet. Die Rockefeller-Familie teilte währenddessen mit, dass es in ihrem Stammbaum keinen Clarke Rockefeller gebe.

Wenn der Festgenommene, der sich seit Jahren in der New Yorker High Society aufhielt, aber kein Rockefeller ist, wer ist er dann? Klar war bis dato nur, dass J. Clarke Rockefeller 1993 erstmals in New York auftauchte, zwei Jahre später Sandra Boss heiratete und mit ihr eine Tochter bekam, die er schliesslich am 27. Juli entführte. Was der offenbar falsche Rockefeller aber vor 1993 trieb und vor allem unter welchem Namen, darüber rätselten die Behörden.

Bruder will ihn wiedererkannt haben

Jetzt scheint die Identität des mysteriösen Mannes geklärt zu sein. Amerikanischen Medienberichten zufolge soll es sich bei ihm um den Deutschen Christian Karl Gerhartsreiter aus Oberbayern, geboren am 21. Februar 1961, handeln. Das zumindest behauptet sein mutmasslicher Bruder Alexander. Er will seinen verschollenen Bruder auf einem Foto des Unbekannten erkannt haben, das ihm ein Reporter des «Boston Herald» vorgelegt hatte.

Demnach verliess sein Bruder Deutschland 1980 als 17-Jähriger und ging in die USA, wo er eine Schule im Staat Connecticut besucht haben soll. Letztmalig hätte er sich 1985 bei seiner Familie gemeldet, sagte Alexander Gerhartsreiter dem Reporter. Die Spur scheint heiss zu sein, denn mittlerweile beschäftigen sich auch die deutschen Ermittlungsbehörden mit dem Fall. Eine Sprecherin des Bundesaussenministeriums sagte, dass derzeit mögliche Verbindungen des Mannes nach Deutschland untersucht werden würden.

Bei einer Gastfamilie gelebt

Gerhartsreiter scheint damals wirklich nach Connecticut gegangen zu sein. Jedenfalls wurde er in der US-Stadt Berlin in Connecticut wiedererkannt. Er soll dort unter dem Namen Christian Gerhart Reiter bei einer Gastfamilie gelebt haben. Das sagte der Anwohner Steve Savio am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Savio will den Unbekannten auf Fotos des falschen Rockefellers wiedererkannt haben.

Fingerabdrücke auf altem Führerschein

Das FBI und deutsche Ermittlungsbehörden haben die Familie Savio mittlerweile vernommen. Savio will Reiter 1981 das letzte Mal gesehen haben. Er sagte aber, seine Mutter habe danach noch Kontakt mit ihm gehabt. Dabei soll Reiter ihr gesagt haben, dass er plane unter dem Namen Christopher Crowe eine Produktionsfirma aufzumachen.

Ein Christopher Crowe tauchte schliesslich 1988 auf, als dieser versuchte einen Lieferwagen zu verkaufen, welcher dem seit 1985 spurlos verschwundenen Ehepaar Sohus gehörte. In ihrem Haus in Kalifornien lebte damals ein Mann namens Christopher Chichester. Auch er verschwand damals spurlos. Die Fingerabdrücke des falschen Rockefellers stimmen mit denen auf Chichsters altem Führerschein überein, wie die Polizei in Los Angeles mitteilte. Es könnte sich also um ein und dieselbe Person handeln.

Und der falsche Rockefeller selbst? Er schweigt beharrlich zu den Vorwürfen. Er behauptet keine Erinnerung mehr an sein Leben vor 1993 zu haben und verweigert bisher die Aussage.

AP/se

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