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«Das Weltall ist hart – aber es lohnt sich»

Bei einem Testflug ist die Spaceship Two des britischen Milliardärs Richard Branson abgestürzt. Es ist ein herber Rückschlag für die private Raumfahrt – doch der Virgin-Chef denkt nicht ans Aufhören.

Untersuchten sämtliche Wrackteile: Ermittler der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB schauen sich ein Teil von Spaceship Two an. (1. November 2014)
Untersuchten sämtliche Wrackteile: Ermittler der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB schauen sich ein Teil von Spaceship Two an. (1. November 2014)
Reuters
Denkt nicht ans Aufhören: Virgin-Chef Richard Branson mit einem Modell der Spaceship Two. (Archivbild)
Denkt nicht ans Aufhören: Virgin-Chef Richard Branson mit einem Modell der Spaceship Two. (Archivbild)
AFP
Für ihn ist der Absturz ein herber Rückschlag: Der britische Milliardär Richard Branson.
Für ihn ist der Absturz ein herber Rückschlag: Der britische Milliardär Richard Branson.
Twitter/@virgingalactic
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Der Milliardär Richard Branson will auch nach dem Absturz des Raumflugzeugs «SpaceShipTwo» mit seinem Weltraumtourismus-Projekt weitermachen. «Das Weltall ist hart - aber es lohnt sich. Wir werden durchhalten», sagte der 64 Jahre alte Brite.

Er sei schockiert über das Unglück, teilte er auf der Webseite seines Unternehmens Virgin Galactic und über Twitter mit. «SpaceShipTwo» war bei einem Testflug im US-Bundesstaat Kalifornien abgestürzt. TV-Sender zeigten Bilder von Wrackteilen in der Mojave-Wüste. Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere konnte sich mit einem Fallschirm retten. Er wurde schwer verletzt.

Rettungskräfte fanden Trümmer verstreut auf dem trockenen Wüstenboden, wie Sheriff Donny Youngblood auf einer Pressekonferenz sagte. «Alle unsere Gedanken sind bei den Familien der von diesem tragischen Ereignis Betroffenen», heisst es in dem Virgin-Statement. «Wir tun alles, was uns möglich ist, um sie zu unterstützen.» Das Unternehmen werde voll mit den ermittelnden Behörden kooperieren.

Kontakt verloren

Nach dem Absturz hatte Virgin Galactic mitgeteilt, bei dem Testflug habe es eine «ernsthafte Unregelmässigkeit» gegeben, jedoch ohne Details zu nennen. «SpaceShipTwo» war von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles abgehoben. Es wurde vom Trägerflugzeug «WhiteKnightTwo» in die Höhe gebracht und dann ausgeklinkt.

Dem Nachrichtensender CNN zufolge kam es kurz darauf zu einem Problem. Die US-Flugkontrollbehörde FAA teilte mit, nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Sie ermittelt nun ebenfalls. Das Mutterflugzeug hingegen landete sicher.

Ein Pilot kam bei dem Absturz ums Leben, dem zweiten gelang mit dem Fallschirm der Notausstieg, teilte der Sheriff von Kern County, Donny Youngblood mit. Er sei in ein Krankenhaus geflogen worden. Der Fotograf Ken Brown sagte, die Spaceship Two sei explodiert, nachdem es von dem Trägerflugzeug ausgeklinkt worden sei, das es in grosse Höhe gebracht habe. Die Unfallursache ist derzeit ebenso unbekannt wie die genaue Höhe, in der das Raumschiff explodierte.

Nach der Trennung vom Mutterschiff

Vor dem Unfall veröffentlichte das Unternehmen Virgin Galactic ein Foto der Spaceship Two mit dem Mutterschiff White Knight Two. «Beide sind nun in der Luft», schrieb das Unternehmen.

Nach dem Unglück twitterte das Unternehmen: «Wir werden mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ursache dieses Unfalls herauszufinden.» Die amerikanische Luftfahrtbehörde bestätigte den Unfall. Er habe sich ereignet, kurz nachdem sich die Spaceship Two vom Mutterschiff getrennt habe.

4200 Kilometer pro Stunde

Es war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Januar. Berichten von Experten zufolge wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung genutzt, die zuvor aber ausgiebig getestet worden sein soll. Insgesamt war es der 55. Testflug. Die maximale Flughöhe sollte 110 Kilometer betragen, also knapp über der Grenze zum Weltraum. Diese liegt bei einer Höhe von 100 Kilometern.

Die rund 18 Meter lange Passagierraumfähre flog laut Virgin Galactic mit Geschwindigkeiten von bis zu 4200 Kilometern pro Stunde. Sie sollte vom kommenden Jahr an Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten. Die Maschine bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere, die bei dem Trip die Schwerelosigkeit erleben sollten.

Schwerer Rückschlag

Nach Angaben von Branson hatten bereits 700 Interessierte Tickets für die kurzen Flüge ins All gekauft, darunter angeblich auch Stars wie Tom Hanks und Angelina Jolie.

Der Unfall ist der zweite schwere Rückschlag für die private Raumfahrt binnen weniger Tage. Erst am Dienstag war der unbemannte Raumtransporter «Cygnus» Sekunden nach dem Start im Bundesstaat Virginia explodiert. Er sollte rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen.

In einem Video wird die Spaceship Two vorgestellt:

(Video: Virgin/Youtube)

Nun steht die Zukunft des Weltraumtourismus in Frage. «Wir werden im nächsten Jahr und wahrscheinlich in den Jahren danach keine kommerziellen Flüge für Touristen ins All sehen», glaubt Raumfahrtexperte Marco Caceres von der Beratungsfirma Teal Group. Virgina Galactic sei bislang führend im Bereich des Weltraumtourismus gewesen.

sda/AFP/thu

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