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Das 50-Milliarden-Dollar-Desaster

Die Zerstörung, die Sandy hinterliess, wird erst jetzt in aller Deutlichkeit sichtbar. Teurer war bisher nur ein Hurrikan.

Der grosse Brocken der Arbeit liegt noch vor ihnen: US-Soldaten räumen im Queens Trümmer weg. (12. November 2012)
Der grosse Brocken der Arbeit liegt noch vor ihnen: US-Soldaten räumen im Queens Trümmer weg. (12. November 2012)
Reuters
Regelt den Verkehr: Der 12-jährige John Papanier in Staten Island, New York. (10. November 2012)
Regelt den Verkehr: Der 12-jährige John Papanier in Staten Island, New York. (10. November 2012)
Keystone
Packt selbst an: Ein Mann trägt sein Hab und Gut aus dem beschädigten Haus. (30. Oktober 2012)
Packt selbst an: Ein Mann trägt sein Hab und Gut aus dem beschädigten Haus. (30. Oktober 2012)
Keystone
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Nach den Zerstörungen durch Sandy beginnt für New York der lange Weg zurück in die Normalität. Überflutete U-Bahn-Tunnel, massive Schäden am Stromnetz und verwüstete Strassenstriche machten deutlich, dass es noch Tage dauern wird, bis die Millionenmetropole wieder zu ihrer üblichen Hektik zurückkehren kann. Doch heute begann für viele New Yorker wieder der Alltag.

Bürgermeister Michael Bloomberg und Senator Chuck Schumer sind im Unglücksgebiet unterwegs, um den Bewohnern Mut zu machen. Eine durch Sandy obdachlos gewordene Frau fordert Bloomberg halb scherz-, halb ernsthaft auf, sie bei sich unterzubringen. «Ich glaube nicht, dass meine Partnerin das übermässig schätzen würde», gibt der Multimilliardär zurück.

Nur Katrina war teurer

Bloomberg dürften allerdings andere Sorgen plagen, als die Beziehung zu seiner Partnerin. So bringen erste Schätzungen über die Kosten des Sturms wenig Erfreuliches zu Tage: Das auf Risikoanalysen spezialisierte Unternehmen Eqecat schätzte die Summe der Schäden auf 30 bis 50 Milliarden Dollar. Auch der Informationsdienst IHS Global Insight rechnete im Nordosten der USA mit einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von bis zu 50 Milliarden Dollar. Die direkten Schäden könnten sich auf rund 20 Milliarden Dollar belaufen, Gewinneinbussen auf bis zu 30 Milliarden Dollar.

Wie «Spiegel Online» schreibt dürfte Sandy einer der teuersten Wirbelstürme in der US-Geschichte werden. Die Schäden von Hurrikan Irene, der letztes Jahr durch das US-Festland wütete verursachte Schäden von knapp 16 Milliarden Dollar. Teurer als Sandy war nur Hurrikan Katrina, der New Orleans und anderen Teilen der Südstaaten rund 1800 Menschen tötete: Er hatte für Gesamtschäden von 108 Milliarden Dollar gesorgt.

Nach Schätzungen von Paul Ashworth, Chefökonom bei Capital Economics, könnte Sandy im letzten Quartal zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkte jährlichen Wachstums kosten. IHS geht von 0,6 Prozentpunkten aus.

Die Wiederherstellung der Stromversorgung und des öffentlichen Nahverkehrs bezeichnet Bloomberg als die derzeit grössten Herausforderungen. Bei der U-Bahn dürfte das noch einige Zeit dauern, aber zumindest einige Buslinien sollen wieder funktionieren. Die beiden internationalen Flughäfen John F. Kennedy und Newark Liberty nahmen heute ihren Betrieb wieder auf, La Guardia Airport bleibt vorerst noch geschlossen.

Börse nicht geflutet

Auch die zwei Tage lang geschlossene Börse hat wieder geöffnet. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg läutete am heute Morgen die Eröffnungsglocke im Handelssaal der traditionsreichen New York Stock Exchange (NYSE).

Das Gebäude und der Saal waren von den Fluten verschont geblieben, die Wirbelsturm Sandy durch Lower Manhattan getrieben hatte. Das letzte Mal hatte die NYSE im Jahr 1888 wegen eines Unwetters so lange geschlossen, damals war es ein Schneesturm. Am Broadway sollten am Abend die meisten Stücke wieder zur Aufführung kommen. In der Metropolitan Opera wird nach der erzwungenen Spielpause passenderweise Thomas Ades' Oper The Tempest» (Der Sturm) nach William Shakespeare gegeben. Und der internationale Marathonlauf durch die Megametropole soll am Sonntag planmässig stattfinden.

Sehenswürdigkeiten bleiben geschlossen

Dagegen bleiben Attraktionen wie die Freiheitsstatue und das Empire State Building zum Leidwesen nicht nur der in New York gestrandeten Touristen geschlossen. Die Schliessung des Central Park begründet die Stadtverwaltung mit der Gefahr herabstürzender Äste oder sogar Bäume nach dem Durchzug des schweren Wirbelsturms. Auf den Strassen werden die umgestürzten Bäume derweil nach und nach beseitigt. Auch der Verkehr scheint sich allmählich zu normalisieren.

Die beiden Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl am kommenden Dienstag versuchen sich unterdessen als perfekte Nothelfer zu profilieren. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama wollte am Mittwoch New Jersey besuchen, um sich ein Bild von der Zerstörung in dem am schlimmsten getroffenen Bundesstaat zu machen. Bei einem Besuch der Zentrale des Roten Kreuzes der USA in Washington nannte er schon am Dienstag die durch den Sturm angerichteten Verwüstungen «herzzerreissend für das ganze Land».

«Ich möchte, dass Ihr die Bürokratie umgeht»

Zugleich präsentierte sich Obama als entschlossener Krisenmanager. Die Behörden rief er auf, den Betroffenen auch unkonventionell Hilfe zu leisten. «Ich möchte, dass Ihr die Bürokratie umgeht», sagte Obama den Helfern. «Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Entschuldigung für Untätigkeit.»

Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney plante für Mittwoch drei Wahlkampfauftritte in Florida. Dem Bundesstaat, in dem sich Mehrheiten für die Demokraten und Republikaner traditionell abwechseln, kommt eine entscheidende Rolle im Rennen um das Weisse Haus zu. Romney stand dabei vor der Herausforderung, angesichts der von Sandy ausgelösten Tragödie den richtigen Ton beim Werben um die Wähler zu treffen.

Am Dienstag hatte Romney seine Wahlkampftermine noch abgesagt. Einen geplanten Auftritt im besonders umkämpften Bundesstaat Ohio wandelte der Republikaner in eine Spendenveranstaltung für Sturmopfer um.

AFP/dapd/mrs

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