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«Breivik leidet unter paranoider Schizophrenie»

Rechtspsychiater halten den Massenmörder Anders Behring Breivik für unzurechnungsfähig. Somit kann er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Das letzte Wort hat aber das Gericht.

Das letzte Wort haben die norwegischen Richter: Gutachter haben ihr Urteil über Breivik abgegeben. (Video: Reuters)

Der geständige Attentäter Anders Behring Breivik ist nach Überzeugung von zwei Rechtspsychiatern «wegen paranoider Schizophrenie» nicht strafrechtlich zurechnungsfähig. Ausserdem sei er als «psychotisch» einzuschätzen, gaben Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag in Oslo bekannt.

Sollte dies abschliessend bestätigt werden, werde die Staatsanwaltschaft die Einweisung in eine psychiatrische Klinik beantragen, sagte Staatsanwältin Inga Bejer Engh in Oslo. Breivik könnte somit einer strafrechtlichen Verurteilung entgehen, aber sein restliches Leben in der Psychiatrie verbringen.

In dem Gutachten, dass die beiden Psychiater Synne Serheim und Torgeir Husby dem Osloer Gericht übergaben, heisst es, der 32-jährige Rechtsextremist habe mit der Zeit eine «paranoide Schizophrenie» entwickelt, teilte Staatsanwalt Svein Holden mit.

In Parallelwelt gelebt

Breivik lebte demnach in einer Parallelwelt. Sein «Grössenwahn» habe ihn glauben lassen, Herr über Leben oder Tod zu sein. Holden sagte, die Rechtspsychiater hätten ihn als jemanden geschildert, «der sich für den perfektesten Ritter seit dem Zweiten Weltkrieg hält».

Breivik habe in den 13 Gesprächen von insgesamt 36 Stunden Dauer auch vermittelt, dass er sich für einen «zukünftigen Regenten» halte. Er habe ausserdem menschliche «Zuchtprojekte mit Norwegern in Reservaten» angekündigt.

Brevik hatte am 22. Juli zunächst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe gezündet und damit acht Menschen getötet. Anschliessend eröffnete er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya das Feuer und erschoss 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer.

Der 32-Jährige wurde am selben Tag festgenommen und sitzt seither in einem Hochsicherheitsgefängnis nahe Oslo in bereits mehrfach verlängerter Untersuchungshaft.

Attentat jahrelang geplant

Sein Verbrechen hatte Breivik jahrelang in allen Einzelheiten vorbereitet. Wegen der genau durchdachten Planung einschliesslich der Begründung in einem 1500 Seiten langen «Manifest» sowie der präzisen Erinnerung des Täters danach hatten Experten erwartet, dass die Gutachter den erklärten Islamhasser für zurechnungsfähig einstufen würden.

Zu dem Gutachten sagte Trond Blattmann, dessen 17-jährigen Sohn Trojus auf der Insel Utøya getötet worden war, als Sprecher der landesweiten Hinterbliebenen-Gruppe: «Wir möchten vor allem Sicherheit, dass er wegen dieser Entscheidung der Gutachter nicht früher entlassen wird. Als direkt Betroffene wünschen wir nicht, dass er noch mehr Schaden in der Gesellschaft anrichten kann.»

Gericht wird entscheiden

Die endgültige Entscheidung über die Zurechnungsfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit Breiviks trifft das zuständige Gericht. Staatsanwältin Engh sagte, das ab April 2012 geplante Gerichtsverfahren werde in etwa gleich ablaufen.

«Der einzige Unterschied wird, dass wir den Täter bei Unzurechnungsfähigkeit nicht zu Haft verurteilen lassen können», sagte die Staatsanwältin. Dies sei ein «allseits anerkanntes Rechtsprinzip in Norwegen seit dem Mittelalter».

AFP/dapd/bru

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