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Blinde Passagiere auf dem Unglücksschiff

Einige der Opfer der havarierten Costa Concordia waren offenbar auf keiner Liste registriert. Das Schiff bewegt sich rätselhafterweise nur in der Nacht.

Die Costa Concordia rammt vor der Insel Giglio einen Felsen: Das Kreuzfahrtschiff anfangs in nur leichter Schieflage. (14. Januar 2012)
Die Costa Concordia rammt vor der Insel Giglio einen Felsen: Das Kreuzfahrtschiff anfangs in nur leichter Schieflage. (14. Januar 2012)
Keystone
«Es war wie eine Szene von der Titanic»: Passagiere mit Schwimmwesten auf der Costa Concordia. (Bild von einem Passagier aufgenommen/AP) (14. Januar 2012)
«Es war wie eine Szene von der Titanic»: Passagiere mit Schwimmwesten auf der Costa Concordia. (Bild von einem Passagier aufgenommen/AP) (14. Januar 2012)
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Auch die Bergung dauert an: Das Wrack soll noch bis im September vor der Insel auf Grund liegen. (13. Januar 2013)
Auch die Bergung dauert an: Das Wrack soll noch bis im September vor der Insel auf Grund liegen. (13. Januar 2013)
Keystone
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Nach der Tragödie des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» vermuten die Behörden inzwischen, dass sich mehrere blinde Passagiere an Bord befunden haben könnten.

So sei eine Ungarin von ihrer Familie bei der Botschaft als vermisst gemeldet worden. Die Frau habe vom Schiff aus Angehörige angerufen. Seit dem Tag des Unglücks am 13. Januar hätte sie jedoch nichts mehr von ihr gehört. Möglicherweise handele es sich bei der Leiche, die am Samstag von Tauchern geborgen wurde, um die nicht registrierte Passagierin.

Vier weitere Leichen seien bisher ebenfalls nicht identifiziert worden, anhand der Passagierlisten sei dies nicht möglich. Wegen dieser Ungenauigkeiten müsse noch von mindestens 24 Vermissten ausgegangen werden.

Schiff bewegte sich in der Nacht

Gestern war im verunglückten Schiff von Tauchern eine 13. Leiche entdeckt worden. Unter den bereits identifizierten Opfern sind nach Angaben von Carabinieri-Kommandant Rocco Carpenteri ein Deutscher, vier Franzosen - darunter ein Ehepaar - und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn.

Geologe Nicola Casagli von der Universität Florenz sagte, das Schiff sei in der Nacht zum Sonntag teilweise einen Zentimeter pro Stunde abgerutscht. Am Tag wurde diese Bewegung fast komplett gestoppt. «Wir wissen nicht, warum sich das Schiff bewegt hat», sagte Casagli. Insgesamt wurden acht vom Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» geborgene Leichen identifiziert, wie Rocco Carpentieri auf einer Pressekonferenz sagte. Bis Sonntagnachmittag wurden insgesamt 13 Tote geborgen. Etwa 24 Menschen wurden noch vermisst.

Taucher suchen im Restaurantbereich

Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Cosimo Pulito, erklärte, die Einsatzkräfte hätten erneut Bullaugen eingeschlagen und gesprengt. Sie suchten besonders den Bereich des Restaurants ab. Dieser sei jedoch nur schwer zugänglich, weil zahlreiche Gegenstände das Vorankommen behinderten.

Aus dem havarierten Schiff traten bisher keine Kraftstoffe in nennenswertem Umfang aus, wie Einsatzleiter Gabrielli erklärte. Zwar seien Reinigungs- und Desinfektionssubstanzen im Wasser um das Schiff festgestellt worden, die Werte im Hafen von Giglio seien jedoch normal.

Taucher der Polizei schwammen am Samstag zur Kabine des Kapitäns Francesco Schettino, um dessen Safe, Gepäck und Dokumente aus dem Wrack zu holen. Der Kapitän steht weiter unter Hausarrest, während die Polizei gegen ihn wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt. Auf dem Schiff befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa 4.200 Passagiere.

Zuletzt hatte die Kreuzfahrtlinie Costa Crociere, eine Tochter des US-Unternehmens Carnival Cruise Linees, erklärt, Schettino sei ohne Erlaubnis von der ursprünglichen Route abgewichen und habe die «Costa Concordia» nah an die Insel heran gesteuert, offenbar um die Passagiere zu beeindrucken.

Offenbar weitere Schadensersatzforderungen geplant

In den USA droht dem Eigner der «Costa Concordia» eine Sammelklage. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons wolle gemeinsam mit zwei US-Kanzleien Klage gegen das Unternehmen einreichen, berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC am Samstag. Sie verlangten für jeden Passagier eine Entschädigung von 160'000 Dollar.

SDA/kle

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