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Berlinerin aus US-Todeszelle freigelassen

Vor 22 Jahren wurde die gebürtige Deutsche Debra Milke verurteilt. Das Urteil war stets umstritten, in ihrer Heimat gilt es als Justizirrtum.

Auf freiem Fuss: Debra Milke während einer Gerichtsanhörung am 1. August 2013.
Auf freiem Fuss: Debra Milke während einer Gerichtsanhörung am 1. August 2013.
Keystone

Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Todeszelle kommt eine gebürtige Berlinerin aus dem Gefängnis im US-Bundesstaat Arizona frei. Gegen eine Kaution von 250'000 Dollar werde die 49-jährige Debra Milke bis zur Fortsetzung ihres Berufungsprozesses entlassen, legte eine Richterin im Bundesstaat Arizona in der Nacht fest.

Milke war 1991 verurteilt worden, weil sie 1989 zwei Männer zur Ermordung ihres vierjährigen Sohnes angestiftet haben soll.

«Die Beweise reichen nicht aus und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gross genug, dass die Angeklagte die ihr zur Last gelegten Verbrechen begangen hat», begründete Richterin Rosa Mroz am Maricopa County Gericht ihre Entscheidung. Den Entschluss teilte das Gericht über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Kaution muss sie selbst zahlen

Milke muss allerdings die Kaution aufbringen und ein Gerät bei sich tragen, mit dem sie jederzeit aufzufinden ist. Ausserdem gelten für sie feste Zeiten, an denen sie in dem Haus sein müsse, das Freunde ihr nach einem Online-Bericht der «Arizona Republic» in der Stadt Phoenix zur Verfügung stellen. Milkes Unterstützer wollten auch die Kaution hinterlegen, berichtete die Zeitung.

Debra Milkes Mutter kämpft seit Jahren für ihre Tochter - unterstützt von Prominenten wie Uschi Glas, Günther Jauch oder Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Milke war 1964 als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten in Berlin geboren worden.

Das Urteil gegen Milke war stets umstritten, weil es fast ausschliesslich auf einem Geständnis basierte, das Milke nie abgelegt haben will.

Gericht: Keine direkten Beweise

Ein Berufungsgericht in San Francisco hatte das Urteil schliesslich im vergangenen März aufgehoben: Es gebe keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten.

Nach Angaben des zuständigen Sheriffs Joe Arpaio stand Milkes Freilassung vor dem Wochenende nichts im Wege. Er betonte aber, dass sie auf keinen Fall mit der Presse sprechen werde und über ihren Aufenthaltsort keine Angaben gemacht würden.

Es ist bislang unklar, wann das neue Hauptverfahren beginnt. Milke musste nach Anweisung des Berufungsgerichts auf freien Fuss gesetzt werden, wenn der Prozess nicht bis zum 7. Oktober beginnt.

Die Richterin will nach Medienberichten zunächst entscheiden, ob sie die Aussage eines Hauptbelastungszeugen als Beweismittel zulässt. Der Ermittler hatte im ursprünglichen Prozess ausgesagt, dass Milke ihm die Mitschuld an dem Mord gestanden habe. Für diese Behauptung gibt es aber weder Beweise noch Zeugen. Der Polizist hatte überdies seitdem in anderen Fällen vor Gericht falsch ausgesagt.

SDA

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