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Aussergewöhnlich viele tödliche Lawinen

Sieben Menschen starben unter abgerutschten Schneemassen in weniger als einer Woche: Diese Häufung ist ungewöhnlich. Ueli Mosimann vom SAC sagt, warum das so ist.

Ein Warnhinweis oberhalb der Abrisskante der Lawine am Piz Nair.
Ein Warnhinweis oberhalb der Abrisskante der Lawine am Piz Nair.
Giancarlo Cattaneo, Keystone
Lawinenkarte am Donnerstag ...
Lawinenkarte am Donnerstag ...
SLF
Die Lawine löste sich abseits der Skipisten.
Die Lawine löste sich abseits der Skipisten.
Giancarlo Cattaneo, Keystone
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Seit Donnerstag haben sich in der Schweiz insgesamt sieben tödliche Lawinenunfälle ereignet. Das sind alle, die das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) für den laufenden Winter bisher registriert hat. Zu fünf Unfällen kam es allein am Sonntag und am Montag.

Eine solche Häufung sei aussergewöhnlich, sagte Ueli Mosimann, Verantwortlicher für Sicherheit beim Schweizerischen Alpen-Club (SAC), heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Ungewöhnlich ist laut Mosimann auch die Verteilung der Unfälle auf eine grosse Fläche: Drei der sieben Unglücke ereigneten sich im Wallis, zwei im Kanton Graubünden und je einer bei Realp UR im Gotthardgebiet und in den Waadtländer Alpen oberhalb von Bex.

«Extrem ungünstiger Aufbau»

«Grund der Häufung ist der extrem ungünstige Aufbau der Schneedecke», sagt Mosimann. Nach den ersten Schneefällen Anfang Dezember habe eine lange Schönwetterperiode begonnen. Unter diesen Bedingungen verwandele sich der Schnee in grobkörnige Kristalle, ähnlich denen des Zuckers.

Auf diese Schicht fiel über die Weihnachtstage neuer Schnee, doch die alte und die frische Schneeschicht verbanden sich schlecht miteinander. «Deshalb ist die Gefahr eines Schneebretts oder einer Lawine ziemlich gross», sagt Mosimann. Obendrein ist die schlechte Schicht unter dem Neuschnee nicht sichtbar.

Dazu kommt, dass über die Weihnachts- und Neujahrsferien und wegen des schönen Wetters viele Menschen in den Bergen unterwegs sind. «Das führt zu einer Häufung», sagt Mosimann. Unfallwellen dieser Art habe es auch in früheren Jahren gegeben.

SLF warnt vor kritischer Situation

Seit Weihnachten verunglückten laut SLF sieben Menschen wegen Lawinen, Dutzende Lawinen gingen nieder. In den vergangenen 20 Jahren kamen gemäss der im Internet veröffentlichten Statistik pro Winter im Mittel 22 Menschen in Lawinen ums Leben.

Die Lawinengefahr war heute im Wallis, den Waadtländer Alpen, in weiten Teilen von Graubünden und im Gotthardgebiet erheblich. Das entspricht der dritten von fünf Gefahrenstufen. Bei erheblicher Lawinengefahr ereigneten sich auch die meisten tödlichen Lawinenunfälle von Tourengängern und Variantenskifahrern.

Eine Entspannung der kritischen Lage im Wallis und in Graubünden sei nicht in Sicht, warnte das SLF heute in einer Mitteilung. Die sehr schwache Altschneedecke unter dem über Weihnachten gefallenen Neuschnee könne unter der Belastung durch einen einzigen Skifahrer wie ein Kartenhaus zusammenbrechen.

Wer markierte Skipisten verlässt, braucht laut SLF viel Erfahrung im Beurteilen der Lawinengefahr. Besonders viel Vorsicht geboten sei in nach Norden ausgerichteten Steilhängen.

SDA/rbi

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