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Anwohner schöpfen Schlamm mit Eimern aus den Häusern

Jetzt, da die Wasserpegel in vielen Hochwassergebieten der Schweiz sinken, wird das Ausmass der Zerstörung sichtbar. Die Schäden gehen in die Millionen. Vielerorts werden die Aufräumarbeiten noch Tage dauern.

Langwieriges Aufräumen: Ein Arbeiter in Mitholz BE. (11. Oktober 2011)
Langwieriges Aufräumen: Ein Arbeiter in Mitholz BE. (11. Oktober 2011)
Keystone
Die starken Regenfälle haben zur Überschwemmung der Kander geführt: Grosse Schäden in Mitholz BE an der Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg. (11. Oktober 2011)
Die starken Regenfälle haben zur Überschwemmung der Kander geführt: Grosse Schäden in Mitholz BE an der Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg. (11. Oktober 2011)
Keystone
An der Kander entsprechen die Mengen aber einem alle 100 Jahre einmal vorkommenden Ereignis.
An der Kander entsprechen die Mengen aber einem alle 100 Jahre einmal vorkommenden Ereignis.
zvg, Leserreporter
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Die Lage in den Schweizer Hochwassergebieten beginnt sich zu beruhigen; seit heute sinken die Wasserpegel wieder. Jetzt geht es ans grosse Aufräumen. Auch Soldaten und Zivilschützer packen mit an. Die Schäden gehen in die Millionen.

Die Glückskette kann in Härtefällen helfen – dank des ständigen Fonds «Unwetter Schweiz». Hilfsgesuche müssen die Gemeindebehörden via das Schweizerische Rote Kreuz (für die Region Bern und Wallis) oder via Caritas (Region Zentralschweiz) stellen.

Von den Hochwassern am stärksten betroffen sind das Walliser Lötschental und das Kandertal im Berner Oberland. Vielerorts müssen zäher Schlamm und massives Geschiebe beseitigt werden.

Bilder der Verwüstung

Auf ein Gesuch des Kantons Bern hin leistet die Armee im Berner Oberland einen militärischen Katstrophenhilfe-Einsatz. Schon vorher hatten Armeeangehörige aus WK-Formationen in verschiedenen Schadengebieten spontan Hilfe geleistet. Überhaupt: Jeder hilft, wo er helfen kann. In den Dörfern tragen die Menschen Eimer um Eimer Wasser und Schlamm aus den Häusern.

Im Kandertal konnten die meisten ausquartierten Bewohner wieder in ihre Häuser zurück. In der Gemeinde Kandergrund wurden 12 bis 15 Häuser teilweise stark beschädigt. In Kandersteg selber sind die Schäden relativ gering.

Im Raum Mitholz wurden die Strasse und die Bahnlinie stark verwüstet – allen voran der Mitholztunnel, durch den sich die Kander am Montag mit grosser Wucht einen Weg gebahnt und Teile des Strassenbelags aufgerissen und aufgetürmt hatte. Die Behörden hoffen, dass der Tunnel bis am Freitag behelfsmässig wieder befahrbar ist.

Zahlreiche Verkehrswege noch unterbrochen

Kandersteg ist von Brig aus mit dem Zug erreichbar; die Bahnlinie zwischen Kandersteg und Frutigen bleibt laut BLS bis mindestens am 21. Oktober gesperrt. Auch die Strasse zwischen den beiden Orten bleibt vorderhand zu.

Der Autoverlad am Lötschberg ist bis auf Weiteres eingestellt; dafür wird das Angebot am Autoverlad Furka vorübergehend erhöht. Die BLS geht von Schäden in Höhe von fünf bis sechs Millionen Franken aus.

Das ebenfalls schwer getroffenen Gasterntal – eine dünn besiedeltes Hochtal oberhalb von Kandersteg – ist weiterhin von der Umwelt abgeschnitten. Mehrere Bewohner wurden ausgeflogen.

Wieder per Bus und Zug erreichbar sind Lauterbrunnen, Wengen und Mürren. Ab Donnerstag ist auch die Bahnstrecke zwischen Meiringen und Brienz wieder offen.

Am Thunersee musste sich erstmals der neue Hochwasser- Entlastungsstollen bewähren - und er bewährte sich, wie die Behörden mitteilten. An der Aare wurde die Gefahrenstufe etwas zurückgefahren. Weiterhin ist in der Nähe von Fliessgewässern aber Vorsicht geboten.

Lötschental immer noch blockiert

Mehrere Tage werden nötig sein, um die Strasse zwischen Goppenstein und Blatten ins Lötschental VS wieder zu eröffnen. Der vom Wasser mitgerissene Schutt hat mehrere Kilometer der Strasse bedeckt.

In einer Galerie blockieren von den Fluten mitgebrachte Steine und Erde die Strasse. Zudem wurden mehrere andere Galerien beschädigt. Wie teuer die Schäden an der Infrastruktur zu stehen kommen, könne man zurzeit nicht sagten, erklärte Charly Wuilloud, Sektionschef Naturgefahren im Kanton Wallis. Er hatte einen Erkundungsflug durch das Lötschental per Helikopter gemacht.

Mit ein Grund für das Hochwasser ist die Schneeschmelze. Sonntagnacht hatte es bis 2700 Meter geschneit – bis zu einem Meter. Da der Boden aber relativ warm war, schmolz der Schnee relativ schnell. Der drauf folgende Regen beschleunigte den Prozess, so dass innerhalb kurzer Zeit die Bäche anschwollen.

Strasse komplett weggespült

Die Wassermassen wuschen die Bachbetten aus. Laut Wuilloud erodierten diese zwischen zwei und fünf Meter. Die heraus gewaschenen Steine und Erde wurden in den Lonzabach gespült. Das hatte zur Folge, dass alle Brücken auf der linken Talseite – die nicht bewohnt ist – von den Wasser- und Gesteinsmassen zerstört wurden.

Ausserdem wurde die Strasse teilweise komplett weggespült. Die grössten Schäden entstanden zwischen Wiler und Blatten. In Blatten verwüsteten die Fluten einen Spielplatz und einen Parkplatz. Jene Leute, die vorsichtshalber evakuiert worden waren, konnten jedoch in ihre Häuser zurückkehren.

Engelbergertal kommt glimpflich davon

Das Engelbergertal hat das Hochwasser verhältnismässig unbeschadet überstanden. Die Pegel sanken in der Nacht auf Normalhöhe. Die Strasse Ennetbürgen-Buochs und die Bahnverbindung nach Engelberg OW waren heute wieder offen.

Am Montagmorgen hatte der Pegel der Engelberger Aa den Alarmwert überschritten. In Buochs wurde am Mittag der Notabfluss der Engelberger Aa geöffnet und deswegen die Kantonsstrasse nach Ennetbürgen bis um 19.30 Uhr für den Verkehr gesperrt.

Zentralbahn in Betrieb

Im Engelbergertal kam es zu mehreren Überflutungen. Betroffen war auch das Trassee der Zentralbahn. Die Strecke Dallenwil-Engelberg war am Montag gesperrt. Am Dienstag fuhren die Züge wieder gemäss Fahrplan.

In Engelberg mussten die Bergbahnen ins Titlisgebiet am Montag den Betrieb einstellen, weil der Parkplatz unter Wasser stand. Schäden seien aber praktisch keine entstanden, teilten die Bergbahnen mit. Am Dienstag transportierten sie wieder Touristen.

Neue Dämme bewähren sich

In Engelberg sowie im Engelbergertal kam es zu keinen grösseren Schäden. Beat Christen vom Führungsstab des Obwaldner Ferienortes sagte gegenüber dem Regionaljournal Zentralschweiz von Radio DRS, die nach dem Hochwasser 2005 erhöhten Dämme hätten sich bewährt.

Auch im Nidwaldner Teil des Engelbergertals profitierten die Einsatzkräfte von den beim Hochwasser 2005 gemachten Erfahrungen, wie Xaver Stirnimann, Chef des Nidwaldner Krisenstabes, sagte. Dabei geht es nicht nur um bauliche, sondern auch um organisatorische Massnahmen.

An den Gebäuden entstanden gemäss Stirnimann in erster Linie Reinigungsschäden. Teilweise sind Dämme und Flussborde in Mitleidenschaft gezogen worden; sie müssen wieder ausgebessert werden. Zudem gelangte viel Schwemmholz in den Vierwaldstättersee, das in den nächsten Tag weggeräumt werden muss.

SDA/kpn, rub

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