«Wir suchten bereits einen Fluchtweg aufs Dach»

Heftige Unwetter haben auf Mallorca mehrere Todesopfer gefordert. Auch Schweizer sind auf der Insel. So erleben sie die Situation.

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Es regnete schon in Strömen, als zwei Thurgauer Leser am Dienstag ihr Ferienhäuschen nahe Artà erreichten. Auf den Strassen hatten sich bereits Bäche und riesige Pfützen gebildet. Sie kauften rasch ein – zum Glück auch Trinkwasser, wie sich später herausstellte. Zuhause kochte das Paar Znacht: «Als der Strom ausfiel dachten wir erst, wir hätten zu viele Geräte laufen», sagt D. Marti. Dann habe es nach Abwasser zu stinken begonnen.

«Und dann drückte plötzlich überall Wasser rein: durch die Fenster, unter den Türen durch, überall bildeten sich Pfützen», berichtet der Leser aus Rothenhausen. «Ich öffnete die Haustür: Wo vorher Garten, Pool und Parkplatz waren, stand überall Wasser, wie ein See. Die Strasse beim Haus glich einem Strom. Auch unser Auto war nur noch halb sichtbar und wurde schliesslich weggetrieben.»

Paar suchte bereits Weg aufs Dach

Die beiden machten sich in der einstöckigen Unterkunft zu schaffen, räumten Gepäck hoch auf die Möbel und suchten bereits einen Weg, aufs Dach zu gelangen. «Das war kein schöner Moment, wir hatten ganz schön Schiss», so Marti. «Wir hatten keine Chance, wegzukommen.»

Am nächsten Tag brachte der Vermieter die Schweizer in ein Hotel. Da erfuhren sie auch, dass im Nachbarhaus durch die Unwetter zwei Menschen ums Leben kamen. Einer davon sei offenbar von den Wassermassen im Keller überrascht worden.

«Ausnahmezustand – es ist richtig schlimm!»

Es herrsche Ausnahmezustand, beschreibt Leserin B. Lendl aus Solothurn die Situation auf Mallorca am Tag nach dem Unwetter. Sie macht mit ihrer Familie, Ferien auf einer Finca nahe Artà. So wie jeden Herbst. Doch dieses Mal sei alles anders: «Es hat die ganze Zeit über viel geregnet und gestern kamen dann die Fluten.» Jetzt reisse der Himmel zwar wieder auf, die Umgebung aber sei ein einziges Schlammfeld.

Strassen seien aufgerissen und weggeschwemmt, Autos lägen überall umher. «Es ist wirklich schlimm und traurig», sagt Lendl. Schafe, die am Fuss des Hügels weideten, auf dem ihre Ferien-Finca stehe, seien vor dem Wasser in die Höhe geflohen. Und obwohl höher gelegen, sei auch ihr Keller überschwemmt worden.

Der Finca-Vermieter, erzählt die Solothurnerin, habe sich nicht an ein derart heftiges Unwetter erinnern, «solche Überschwemmungen gab es noch nie», habe er ihr gesagt. Jetzt versuche er, mit der Familie in den nächst grösseren Ort zu kommen. Doch viele Strassen sind zerstört oder gesperrt.

«Hofften, dass der Motor nicht plötzlich abstirbt»

Al der Regen kam, war Leserin K. Campbell aus Dörflingen SH mit ihrer Familie in Artà. «Wir haben mehr als eine Stunde gewartet, bevor wir beschlossen, zurück nach Porto Cristo zu fahren», sagt sie. Da hatten sich einige Strassen schon in Bäche verwandelt, wie eine Videoaufnahme zeigt. «Wir hofften, dass der Motor nicht plötzlich abstirbt», so Campbell. «Wie schlimm das Unwetter wütete, wurde uns aber erst im Nachhinein bewusst».

Autos mitgerissen: Die Wassermassen sorgten auf der Ferieninsel für Zerstörung. Video: Storyful/Twitter

«Heute wird aufgeräumt und geputzt»

Eine andere Leserin berichtet aus Cala Mesquida im Nordosten Mallorcas, dass ein Teil des Strands mitsamt Liegestühlen und Sonnenschirmen ins Meer gerissen wurde.

«Es hat regelrechte Schneisen in den Strand gerissen», erzählt Carmen von Rotz aus Kerns. Einige Strandabschnitte seien gesperrt worden. Die Nidwaldnerin macht mit ihrer Tochter Ferien in Sa Coma. Ein so lange anhaltendes Gewitter wie am Dienstag habe sie noch nie erlebt, «das war unheimlich», sagt sie.

«Am Morgen war das Wetter noch perfekt», schreibt eine weitere Schweizer Touristin. Sie macht 15 Kilometer vom stark betroffenen Ort Sant Llorenç entfernt Ferien.

Am Nachmittag habe das Wetter umgeschlagen, «es begann sehr plötzlich zu regnen und stürmte wenig später». Es habe stark geblitzt und gedonnert, sintflutartig geregnet und der Strom im Hotel sei mehrmals ausgefallen. Die Stimmung sei ruhig geblieben, «heute wird aufgeräumt und geputzt».

Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet von Bernerzeitung.ch/Newsnet.

Erstellt: 10.10.2018, 15:37 Uhr

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