«Wir brauchen keine weiteren Rettungsteams»

Der Chef von Nepals Katastrophenmanagement will nach dem Erdbeben nicht mehr jede Hilfe ins Land lassen. Derweil wurde ein Mann lebend nach 82 Stunden aus den Trümmern geborgen.

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«Wir haben jetzt 22 bis 24 Such- und Rettungsteam aus dem Ausland hier. Mehr brauchen wir nicht, denn wenn wir die richtig einsetzen, sollte es ausreichen.» Dies sagte Ram Kumar Dahal. Auch müsse jeder, der komme, einen Plan haben: «Wir haben nicht die Kapazität, für jeden alles zu organisieren.»

Die Aufräumarbeiten in Nepal sind im Gang, der Frust über die Regierung wächst. (Video: Reuters)

Hinzu komme, dass der Flughafen ohnehin schon überlastet sei, sagte Dahal weiter. Deswegen müsse die Hilfe sehr gezielt sein. «Wir wollen nicht, dass Nepal zur Müllkippe für Hilfsgüter und Teams wird.» Wichtiger sei Geld, das in den Desaster-Fonds des Regierungschefs fliesse. Er betonte, dass die Regierung in der Lage sei, die Hilfsgüter gleichzeitig in alle Distrikte zu bringen.

Handgemenge an Busbahnhof

Am dringendsten benötigt würden derzeit Zelte, Matratzen und Decken, Essen und Kochgeschirr. «Das wurde uns versprochen, hat uns aber noch nicht erreicht», sagte Dahal. Auch Medikamente wie Antibiotika und Operationsbesteck sowie Fachärzte wie Neurologen, Chirurgen und Anästhesisten würden gebraucht. «Wir wollen keine Unterstützung, die wir nicht benötigen», betonte Dahal. Überlebende Erdbeben-Opfer kritisieren das Krisenmanagement der Regierung und klagen, dass Hilfe sie nicht erreiche.

Die Polizei ist am Mittwoch in der Hauptstadt Kathmandu mit einem Grossaufgebot am zentralen Busbahnhof aufgezogen, um für Ordnung zu sorgen. An dem Busbahnhof nahe dem Parlament versammelten sich am frühen Morgen tausende Menschen in der Absicht, Kathmandu zu verlassen. Als erwartete Busse nicht zur Verfügung standen, gab es Handgemenge mit den Beamten.

In den Strassen Kathmandus schliefen in der Nacht wieder hunderttausende Menschen unter freiem Himmel, weil ihre Häuser zerstört waren oder sie aus Angst vor weiteren Nachbeben im Freien bleiben wollten.

Er trank Urin

Derweil wurde die Rettung eines Mannes aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses 82 Stunden nach dem Erdbeben bekannt. Um zu überleben, trank er seinen eigenen Urin. Er habe bereits alle Hoffnungen auf Rettung aufgegeben, seine Lippen seien gesprungen, seine Nägel weiss geworden, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Um ihn herum hätten Leichen gelegen, es habe schrecklich gerochen.

Sichtlich gezeichnet: Ein Überlebender wird nach 82 Stunden aus Trümmern befreit. (29. April 2015) Bild: AFP

यसरी भयो ॠषि खनालको ४ दिन पछी जिबितै उद्दार(Rescued Man Alive after 4 days of Deadly Earthquake)

Posted by Armed Police Force, Nepal on Tuesday, April 28, 2015

Die Rettungsaktion im Video.

Aber er habe weiter auf den Schutt eingeschlagen – und das habe irgendwann das französische Rettungsteam auf ihn aufmerksam gemacht, das ihn nach einem stundenlangen Einsatz herausgeholt habe. Nun werde er mit Beinverletzungen in einem Krankenhaus der nepalesischen Hauptstadt behandelt.

Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal ist die Zahl der bestätigten Toten auf über 5000 gestiegen. 10'260 Menschen wurden verletzt, wie die Behörden mitteilten.

rar/sda/AP

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