Verbot für Reis aus Fukushima

Aufgrund erhöhter Strahlungswerte hat Japan zum ersten Mal den Verkauf von Reis aus einem Ort in der Region Fukushima verboten. Gleichzeitig versucht die Regierung, die Messungen herunterzuspielen.

Einige Reisbauern trifft nun ein Verbot: Bauer Yosuke Watanuki mit einer Schale Reis vor seinem Feld in Isumi in der Präfektur Chiba (vom Verbot nicht betroffen). (Archivbild vom 11. August 2011)

Einige Reisbauern trifft nun ein Verbot: Bauer Yosuke Watanuki mit einer Schale Reis vor seinem Feld in Isumi in der Präfektur Chiba (vom Verbot nicht betroffen). (Archivbild vom 11. August 2011)

(Bild: Keystone)

In Japan sind erstmals seit dem Atomunfall in Fukushima überhöhte Werte an radioaktivem Cäsium in Reis gemessen worden. Die Regierung wies den Gouverneur der Provinz heute an, den Verkauf von Reis aus dem Ort Onami, rund 60 Kilometer nordöstlich des Mitte März havarierten Atomkraftwerks, einzustellen.

Nach Angaben eines Mitarbeiters des japanischen Landwirtschaftsministeriums sind rund 150 Reisbauern mit einer Jahreskapazität von etwa 190 Tonnen davon betroffen. Ein Regierungssprecher versicherte, dass der betroffene Reis nicht auf den Markt gelangt sei, da die Tests vor einer Auslieferung erfolgt seien. Dabei waren 630 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden. Der vom Staat festgesetzte Grenzwerte beträgt 500 Becquerel. Reis ist ein Grundnahrungsmittel der Japaner.

Regierung spielt Ereignis herab

Bereits im September waren in Reis aus dem Ort Nihonmatsu in der Provinz Fukushima bei vorläufigen Tests 500 Becquerel an Cäsium gemessen worden. Spätere Messungen ergaben jedoch Werte im zulässigem Bereich.

Die Regierung versuchte das neue Testergebnis in Onami herunterzuspielen. «Ich habe gehört, dass das kein ernstes Problem wird», wurde Regierungssprecher Fujimura zitiert. Man werde weiter versuchen, eine Ausbreitung unbegründeter Gerüchte über radioaktiv verseuchte Produkte aus Japan zu verhindern, wurde Fujimura von der Nachrichtenagentur Kyodo zitiert.

Verseuchter Boden

Nach einer Anfang der Woche veröffentlichten Studie japanischer Forscher ist der Boden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans mit Cäsium 137 verseucht. In der Präfektur Fukushima liege die Belastung über dem Grenzwert von 5000 Becquerel je Kilogramm Boden, in den Nachbarprovinzen Miyagi, Tochigi und Ibaraki nur knapp darunter.

Dort seien unbedingt detaillierte Messungen nötig, da die Kontamination lokal stark schwanken könne, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Proceeding» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Anhand meteorologischer Daten vom 20. März bis 19. April hatten die Forscher jene Cäsium-137-Mengen abgeschätzt, die in die Atmosphäre und auf den Boden in sämtlichen Präfekturen Japans gelangten.

Viele Japaner hoffen, dass es dem Staat dennoch gelingt, Bauernhöfe, Schulen und anderen Gebäude von radioaktiven Partikeln zu befreien. Im kommenden Jahr soll eine Dekontaminationsaktion beginnen. Dabei müssen gewaltige Bodenmengen entsorgt werden.

rub/sda, afp

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