Veränderte Hormonwerte bei Kindern aus Fukushima

Knapp sieben Monate nach der Katastrophe in Japan haben Experten ausserhalb der Sicherheitszone von Fukushima eine hohe Konzentration an Radioaktivität festgestellt. Vor allem Kinder leiden an den Folgen.

Viele Kinder weisen veränderte Hormonwerte auf: Ein Mädchen in einem Kindergarten in der Region Fukushima.

Viele Kinder weisen veränderte Hormonwerte auf: Ein Mädchen in einem Kindergarten in der Region Fukushima.

(Bild: Keystone)

Die hohen Werte an Radioaktivität wurden im Boden rund 60 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt gemessen. Wie eine heute veröffentlichte Studie eines Radiologen und mehrerer Bürgergruppen ergab, wurden in Bodenproben Belastungen mit radioaktivem Cäsium von bis zu 307'000 Becquerel pro Kilogramm entdeckt. Der von der Regierung zulässige Höchstwert liegt bei 10'000 Becquerel pro Kilogramm Boden.

Die Radioaktivität könne von dem havarierten Atomkraftwerk stammen, erklärten die Experten. Sie forderten die zentrale sowie regionale Regierungen auf, Kinder und Schwangere aus der Region in Sicherheit zu bringen und das Gebiet zumindest zu einer freiwilligen Evakuierungszone zu erklären.

Schilddrüsenfunktion untersucht

Wie weitere Untersuchungen zeigen, übertreiben die Experten mit ihrer Forderung nicht. Denn bei Kindern aus der Umgebung des havarierten Kernkraftwerks Fukushima sind hormonelle Unregelmässigkeiten festgestellt worden.

Insgesamt 130 Mädchen und Jungen bis 16 Jahre seien auf ihre Schilddrüsenfunktion untersucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Zehn von ihnen wiesen demnach veränderte Hormonwerte auf.

«Wir können derzeit nicht sagen, dass die Kinder krank sind. Aber sie müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden», sagte ein Sprecher der Tschernobyl-Stiftung in Japan. Diese hatte die Untersuchungen zusammen mit der Shinshu-Uniklinik organisiert.

Schweres Erdbeben

Nach einem Atomunfall besteht die Gefahr, dass sich freigesetztes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Dort kann es schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. Am 11. März waren Fukushima und angrenzende Provinzen im Nordosten Japans von einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem Jahrhundert-Tsunami heimgesucht worden.

Mehr als 15'000 Menschen starben. Im AKW Fukushima Daiichi kam es zu Kernschmelzen. Aus der Anlage entweicht weiter Radioaktivität, wenngleich erheblich weniger als zu Beginn der Katastrophe. Die Regierung hatte deshalb am vergangenen Freitag ihre Evakuierungsempfehlung für Gebiete im Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das Atomkraftwerk aufgehoben.

Ein starkes Erdbeben gefolgt von einem Tsunami hatte Mitte März zur schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl geführt. Erst am Freitag hatte die japanische Regierung eigentlich Warnhinweise für fünf Gebiete nahe der Atomanlage Fukushima aufgehoben, die allesamt zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt liegen. Die Sperrzone in einem Umkreis von 20 Kilometern rings um Fukushima bleibt aber bestehen.

wid/sda

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