Schwerbewaffnet an der Zuger Pressekonferenz

Nein, dieses Bild stammt nicht aus Mexiko, sondern von einer Medienkonferenz in Zug. Bewacht wird ein gigantischer Fund.

«Wir arbeiteten zwei Jahre an diesem Fall»: Thomas Armbruster, Chef der Zuger Kriminalpolizei. (Video: Stefan Hohler)
Tina Huber@tina__huber

Spezielle Szene an einer Medienveranstaltung der Zuger Polizei und der Staatsanwaltschaft: Bei der Präsentation von Deliktgut einer Drogenbande stehen auch zwei schwerbewaffnete Polizisten im Raum. Kein Wunder, auf einem Tisch liegt paketweise Heroin.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben einen Drogenring ausgehoben: 15 Personen wurden verhaftet, 55 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Die Drogen hätten auf der Strasse rund 10 Millionen Franken einbringen können, teilten die Zuger Strafverfolgungsbehörden mit. Bei insgesamt 20 Hausdurchsuchungen wurden ausserdem Vermögenswerte in Höhe von mehreren Zehntausend Franken, Waffen, Munition und ein Dutzend Autos beschlagnahmt.

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Die Aktion «Hamburg» ist das grösste Betäubungsmittelverfahren, das jemals im Kanton durchgeführt wurde. «Ins Rollen kam der Fall durch einen Hinweis der Hamburger Polizei», erklärt der Zuger Kripochef Thomas Armbruster gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz-Reporter Stefan Hohler. Das Resultat der intensiven zweijährigen Ermittlungen nennt Armbruster einen «grossen Erfolg».

Von der Türkei in die Schweiz

Das beschlagnahmte Heroin sei von äusserst hohem Reinheitsgehalt, teilte die Polizei an der Medienkonferenz mit. Denn die hauptsächlich im Kanton Zug operierenden Männer schmuggelten die Drogen ohne Zwischenhandel von der Türkei direkt in die Schweiz. «Ein Händler fuhr das Heroin jeweils von der Türkei mit dem Auto nach Griechenland», sagt Bernerzeitung.ch/Newsnetz-Reporter Stefan Hohler, «von dort brachte er es mit der Fähre nach Italien und dann weiter mit dem Auto in die Schweiz. Hier wurde damit gehandelt.» Teilweise seien die Drogengeschäfte abgewickelt worden, während die Männer in der Türkei in den Ferien waren. «Ehefrau, Kind und Kegel – das war die beste Tarnung», erklärt Hohler.

Mehrheitlich haben die verhafteten Drogenhändler ihren Lebensmittelpunkt im Kanton, einige betreiben Kleingewerbe, die meisten sind jedoch arbeitslos oder beziehen Sozialhilfe oder Invalidenrenten. Die Männer – elf Türken, zwei Schweizer türkischer Herkunft, ein Holländer und ein Iraker – sind national und international miteinander vernetzt. Die Drahtzieher unter ihnen wohnten im Kanton Zug, sie müssen mit hohen Haftstrafen rechnen: Die Staatsanwaltschaft will für sie Strafanträge von «zehn Jahren und mehr» beantragen.

Polizisten mit Sturmmaske

Sechs Beschuldigte sind derzeit in Untersuchungshaft. Vier Männer befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug. Drei Personen wurden inzwischen aus der Haft entlassen, ihre Urteile stehen noch aus. Ein Mann erhielt bereits eine Freiheitsstrafe, ein Verfahren wurde eingestellt. Die Ermittlungen dauern noch an.

Bleibt die Frage, weshalb das an der Medienkonferenz präsentierte Heroin von zwei schwerbewaffneten Polizisten mit Sturmmaske bewacht wird. «Die Männer gehören zur Sondereinheit Luchs der Zentralschweizer Polizeikorps», erklärt Bernerzeitung.ch/Newsnetz-Reporter Hohler. Aus Sicherheitsgründen träten diese stets vermummt auf.

Mit Verwendung von Material der Nachrichtenagentur SDA

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