Nach Hause mit der Royal Navy: Die kühnen Pläne der Briten

Weit weg von ihrer Heimat in Europa warten die in Übersee gestrandeten Passagiere auf Hilfe. Einige seit dem letzten Donnerstag. London hat sich nun was einfallen lassen.

Die Kriegsflotte könnte aushelfen: Laufen bald die Schiffe der Royal Navy nach Spanien aus?

Die Kriegsflotte könnte aushelfen: Laufen bald die Schiffe der Royal Navy nach Spanien aus?

(Bild: Reuters)

Grossbritannien ist von allen europäischen Staaten am meisten betroffen von den Auswirkungen der Flugverbote infolge des Vulkanausbruchs in Island. London Heathrow und London Gatwick waren denn auch die ersten, welche am Donnerstag den Flugverkehr einstellten. Tausende im Ausland sahen ihre Flüge abgesagt. Wer in Europa stecken blieb, konnte sich Hoffnungen machen, irgendwie mit Zug und Bus nach Hause zu kommen. Düster aber ist die Lage für Passagiere in Übersee.

Nun, fünf Tage nach Ausbruch der Krise in der europäischen Fliegerei, stellt Grossbritannien einen Evakuierungsplan auf die Beine. «Eine See-Rettung im Dünkirchen-Stil», schreibt der britische «Independent». Das Blatt zieht einen Vergleich zur Evakuierung britischer Truppen vom nordfranzösischen Hafen Dünkirchen im Mai 1940. Damals wurden 330'000 Soldaten von der Royal Navy abgezogen und so vor deutscher Gefangenschaft bewahrt.

Spanien als Hub

Der jetzige Plan der Regierung Brown sieht nun also vor, dass Flugpassagiere, die noch immer die Reise auf die Insel antreten wollen, das auf Umwegen tun können. Dabei soll das letzte und wichtigste Glied der gestückelten Reise per Schiff der Royal Navy erfolgen. Natürlich ist der Zweite-Weltkriegs-Vergleich des «Independent» leicht übertrieben. Weder befinden sich die jetzt gestrandeten Menschen in Gefahr noch ist die Anzahl mit 1940 vergleichbar. Trotzdem wäre die Kriegsflotte in die Repatriierung Tausender Staatsbürger involviert. Das Bild gibt den Vergleich her.

Damit aber die Navy nicht in alle Welt losgeschickt werden muss, möchte London dem Bericht zufolge Spanien als Hub benutzen. Aus aller Welt würden so Passagiere auf die iberische Insel geflogen und von dort per Schiff nach Grossbritannien gebracht. Spanien ist bis jetzt von Flugverboten praktisch nicht betroffen. Noch aber hat London die Zusage aus Madrid nicht. Denkbar, dass die Iberer ähnliche Anfragen auch von anderen Staaten erhalten.

Handelsschiffe für die Navy im Einsatz

«Natürlich haben wir Kapazität für solche Einsätze», sagt Falkland-Veteran Lord West dem «Independent». Man sei derzeit daran zu prüfen, was machbar sei, und welche Einheiten in Frage kämen. Zusätzlich habe die Navy die Möglichkeit Handelsschiffe zu chartern und für ihre Interessen einzusetzen.

cpm

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