Mit dem Pupillometer gegen müde Autofahrer

Mit einem Gerät, das die Pupillen misst, will die Polizei übermüdete Autolenker aus dem Verkehr ziehen. Dem Bericht über einen Test in Zürich widerspricht die Kapo.

Verrät den Müdigkeitsgrad: Pupillenmesser in Hamburg.

Verrät den Müdigkeitsgrad: Pupillenmesser in Hamburg.

(Bild: Axel Heimken/Epa/Keystone)

Das Gerät sieht aus wie eine moderne 3-D-Brille. Es registriert die Bewegungen der Pupillen und soll bald bei Verkehrskontrollen im Kanton Zürich zur Anwendung kommen. Ziel sind gemäss «NZZ am Sonntag» Autofahrer, die wegen Übermüdung fahrunfähig sind. Studien aus Deutschland zeigten, dass 24 Prozent aller tödlichen Autobahnunfälle passierten, weil ein Lenker am Steuer eingeschlafen war.

Gemäss Zeitung soll es sich beim Pupillometer um eine technische Lösung handeln, welche die Kantonspolizei Zürich zusammen mit dem Rechtsmedizinischen Institut der Universität Zürich entwickelt. Wie die Kapo Zürich am Montagnachmittag mitteilt, ist dies nicht richtig. «Sollte dereinst eine technische Lösung zur Verfügung stehen, die wissenschaftlich validiert in gleicher Zuverlässigkeit auch Übermüdung als Grund für die Fahrunfähigkeit bestätigen kann, würde ein solcher Test zu einem Thema für die Polizeien und das Institut für Rechtsmedizin», schreibt sie eineinhalb Tage nach dem Erscheinen des Berichtes auf ihrer Webseite.

Diese ursprüngliche Meldung ist demnach nicht korrekt:

Laut dem Zeitungsartikel wolle das rechtsmedinische Institut keine weiteren Informationen preisgeben. Die gesetzliche Grundlage, um Lenkern wegen Übermüdung den Führerausweis zu entziehen, besteht. In Österreich bedient man sich bereits seit Jahren der Pupillometrie zur Messung der Müdigkeit. Die Methode sei wissenschaftlich gut abgestützt.

Neue Methode seit einem halben Jahr

Bereits seit einem halben Jahr setzt die Kantonspolizei auf eine gänzlich untechnische Methode zur Erkennung von Alkohol- und Drogeneinfluss am Steuer. Diese stützt sich auf Beobachtungen ab. 80 verschiedene Punkte prüfen die Polizisten, darunter Motorik, Aufmerksamkeit und auch die Reaktion der Pupillen. Können sie aufgrund der Resultate auf Fahrunfähigkeit schliessen, entziehen sie den Führerausweis und ordnen eine Blutprobe an.

Es sind mit der neuen Methode zwar bisher nicht mehr Lenker aus dem Verkehr gezogen worden als früher. Doch die Resultate seien verfahrenstechnisch sicherer geworden, sagt Frank Schwammberger, Chef der Zürcher Verkehrspolizei. Es gibt also kaum mehr Falschanschuldigungen.

Alkohol ist Hauptproblem

Hauptursache für Fahrunfähigkeit war in den genannten Fällen erwartungsgemäss übermässiger Alkoholkonsum: In 42 Prozent der Fälle war der Lenker betrunken. Jeder vierte hatte aber zusätzlich Drogen oder Medikamente intus. Ein Befund, der die Polizisten überraschte. Im früher üblichen Verfahren wurde nach einer positiven Alkoholkontrolle aber auch gar nicht mehr nach anderen Substanzen gesucht. Auch bekiffte Autofahrer lassen sich mit dem neuen System gemäss der Polizei besser erkennen.

TA

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...