Missbrauchsskandal erschüttert Uni in Los Angeles

Fast 30 Jahren lang soll ein Gynäkologe Schülerinnen der University of Southern California missbraucht haben. Dieser weist die happigen Vorwürfe zurück.

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Eine kalifornische Universität wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert: Der heute 71-jährige Gynäkologe Dr. George Tyndall soll über Jahrzehnte Patientinnen an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles sexuell missbraucht haben.

Wie die Zeitung «Los Angeles Times» unter Berufung auf mehrere aktuelle und frühere Mitarbeiter der Hochschule berichtete, waren die meisten der betroffenen Patientinnen noch minderjährig. Tyndall bestreitet die Vorwürfe.

Die Vorfälle reichen dem Bericht zufolge bis in die 90er Jahre zurück. Der Frauenarzt soll die Patientinnen bei Untersuchungen unangemessen berührt, ihre Geschlechtsteile fotografiert und sexuelle und rassistische Bemerkungen gemacht haben. Für die Fotos gab er demnach medizinische Gründe an.

Obwohl Kollegen, Krankenschwestern und Patienten schon länger Bedenken äusserten, liess die Universität den Arzt zunächst weiterarbeiten. Laut der «Los Angeles Times» wurde erst 2016 eine interne Untersuchung eingeleitet, als eine offizielle Beschwerde beim Gleichstellungsbüro der Universität eingereicht wurde.

Suspendiert und entlassen

Wie die Universität am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP erklärte, wurde der Arzt daraufhin suspendiert und schliesslich entlassen. Weil der Arzt mit einer Klage drohte, wurde aber eine finanzielle Vereinbarung mit ihm getroffen. Laut der «Los Angeles Times» beharrt der Gynäkologe darauf, dass sein Verhalten bei den Untersuchungen medizinisch vertretbar war.

Nach Angaben der Universität wurden bei den internen Ermittlungen keine Hinweise auf «strafbares Verhalten» gefunden. Das Verhalten des Arztes sei aber ein «klarer Verstoss» gegen die Prinzipien der Hochschule und ein «beschämender Verrat» an ihren Werten. Im März meldete die Universität den Fall bei der kalifornischen Gesundheitsbehörde.

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft wurden informiert, wie Universitätspräsident Max Nikias in einem Brief an die Studierenden schrieb. Bisher hat noch keine Studentin den Arzt angezeigt. Nikias bat alle Studentinnen um Verzeihung, die im Gesundheitszentrum der Universität «nicht die respektvolle Behandlung erhalten haben, die jeder Menschen verdient».

Erinnerungen an Sportarzt

Der Fall weckt Erinnerungen an den Sportarzt Larry Nassar, der an der Universität Michigan insgesamt 265 Sportlerinnen sexuell missbraucht haben soll. Die Hochschule kündigte am Mittwoch an, den Opfern insgesamt 500 Millionen Dollar zu zahlen. Der 54-jährige Nassar war im Januar zu bis zu 175 Jahren Haft verurteilt worden. Im Februar wurde er in einem weiteren Prozess zu bis zu 125 Jahren Gefängnis verurteilt. (nag/sda)

Erstellt: 17.05.2018, 11:45 Uhr

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