Flüchtligs-Totgeburt im Wallis

Grenzwächter soll sieben Jahre ins Gefängnis

Flüchtligs-Totgeburt im WallisIn Bern steht der Chef eines Grenzwachkorps vor dem Militärgericht. Untersucht wird seine Schuld am Tod eines ungeborenen Flüchtlings-Babys.

Soll unmenschlich und erniedrigend gehandelt haben: Der angeklagte Grenzwächter wird in Bern befragt. (22. November 2017)

Soll unmenschlich und erniedrigend gehandelt haben: Der angeklagte Grenzwächter wird in Bern befragt. (22. November 2017) Bild: Karin Widmer)/Keystone

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Schweizer Grenzwächter sollen einer schwangeren Syrerin trotz starker Schmerzen und Blutungen keine medizinische Hilfe gewährt haben. Die Frau erlitt eine Totgeburt. Der Chef des Grenzwachtteams steht seit Mittwoch vor dem Militärgericht in Bern. Ihm wird vorgeworfen, dass er als ranghöchster Verantwortlicher des Grenzwächterteams der Frau keine medizinisch Hilfe zukommen liess, obschon Angehörige der Schwangeren mehrfach darum baten.

Die Schwangere gehörte mit ihrem Mann, den Kindern und ihrer Schwester zu einer grösseren Flüchtlingsgruppe, die von Italien unterwegs nach Frankreich war. An der schweizerisch-französischen Grenze wurde die Gruppe gestoppt und sollte via Brig nach Italien zurückgeschafft werden. Während der Busreise nach Brig bekam die etwa in der 27. Woche schwangere Frau Schmerzen und später auch Blutungen. In Brig wurde die Gruppe in Kontrollräumen der Grenzwache untergebracht.

«Baby, Baby»

Er habe die Grenzwächter drei-, viermal auf Englisch angesprochen und um ärztliche Hilfe für seine Frau gebeten, schilderte der Ehemann als Zeuge vor dem Militärgericht 4 in Bern. Seine Schwägerin könne kein Englisch, habe aber den Grenzwächtern immer wieder gesagt «Baby, Baby». «Das Wort versteht man doch in allen Sprachen», sagte der Ehemann. Doch die Grenzwächter hätten nichts unternommen.

Die Ehefrau selber schilderte, sie sei in Brig auf einer Holzpritsche gelegen, habe geweint und Schmerzenslaute von sich gegeben. Weshalb man ihr keine ärztliche Hilfe zukommen liess, habe man ihr nicht gesagt. Die Ehefrau sprach stets überlegt, höflich und mit fester Stimme, auch wenn sie die teilweise intimen Fragen zur Geburt und zum Durchlebten sichtlich bewegten.

Sieben Jahre gefordert

Die Anklage hat am Donnerstag im Prozess je nach Anklagevariante eine Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren gefordert. Dies dann, wenn das Gericht vom Tatbestand einer Tötung ausgeht. Die Anklage umriss zwei weitere Varianten, je nachdem wann der Tod des Ungeborenen respektive die Eröffnungswehen bei dessen Mutter eingetreten sind. Dementsprechend sind die Tatbestände weniger gravierend.

In seinem Plädoyer fand der Auditor deutliche Worte: nicht nur der Angeklagte, auch dessen Kollegen hätten «jegliche Menschlichkeit» vermissen lassen. Der Angeklagte habe der schwangeren Flüchtlichsfrau gegenüber willkürlich, unmenschlich und erniedrigend gehandelt. Eine schwangere Frau in Wehen gehöre ins Spital, das sei Jedem mit gesundem Menschenverstand klar. Doch der Angeklagte habe es vorgezogen, auf dem Perron mit seinen Kollegen zu rauchen und zu plaudern, während der Mann der Schwangeren um Hilfe rang.

Die Anwältin der Opferfamilie forderte für die Ehefrau, ihren Mann und die drei Kinder Genugtuungen in der Höhe von insgesamt 820'000 Franken. Der Tod der ungeborenen Tochter Sarah sei für alle traumatisch gewesen, namentlich unter diesen dramatischen Umständen. Der Familie sei aus nichtigen Gründen «die so dringend erbetene Hilfe verweigert worden». (chi/sda)

Erstellt: 23.11.2017, 17:08 Uhr

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