«Es ist eine Tragödie»

Ein Mädchen wurde wohl bei 33 Grad im Auto vergessen: Die Fünfjährige aus dem Thurgau starb auf einem Campingplatz bei Muzzano TI. Die Gäste des Campings sind fassungslos.

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Tragischer Todesfall im Kanton Tessin: Ein fünfjähriges Mädchen ist gestern Abend bei einem Campingplatz in Muzzano in der Nähe von Lugano ums Leben gekommen. Die Polizei geht davon aus, dass das Kind im Auto der Mutter zurückgelassen worden war. Trotz Wiederbelebungsversuchen der ausgerückten Rettungskräfte sei das Mädchen aus der Deutschschweiz kurz vor 20.30 Uhr beim Campingplatz La Piodella gestorben, teilten die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Tessin am späten Abend mit. Bekannt ist laut tio.ch, dass das Kind aus dem Kanton Thurgau stamme.

Die Mutter und die drei Geschwister des Mädchens befinden sich laut Behördenangaben unter medizinischer Überwachung und werden von einem Care-Team psychologisch betreut. «Es war eine Tragödie», sagte die Notfallpsychologin Nadine Maetzler gegenüber der SDA. Die Personen stünden unter Schock. Trauer, Angst, Scham und Schuld seien in der akuten Phase die vorherrschenden Gefühle der Beteiligten. Auch die Helfer stehen unter einem enormen Druck. Gerade weil Kinder beteiligt seien, sei es eine «schlimme Situation», sagte Maetzler. Eine erste Befragung der Mutter war noch am Mittwoch vorgesehen. Ob sie stattfinden konnte, ist nicht bekannt. Zu klären gilt es unter anderem, warum das Mädchen in dem Auto eingeschlossen war und auch wie lange.

«So jung zu sterben, ist einfach nur ungerecht»

Ein Augenzeuge hat das Drama am Dienstagabend mitbekommen: «Plötzlich kam jemand ins Restaurant des Campingplatzes gestürmt und hat verzweifelt nach einem Arzt gefragt.» Gäste, die einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatten, seien aufgestanden. Als er selbst nach draussen gegangen sei, habe bereits jemand Herzmassage bei dem Mädchen gemacht. «Kurz darauf ist die Ambulanz eingetroffen und hat alles versucht, um das Kind zu retten.»

«Die Mutter und die Schwestern des Mädchens sind verzweifelt danebengesessen und haben geweint», erzählte der Zeuge ticinonews.ch.. Er selbst habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. «So jung zu sterben, ist einfach nur ungerecht.»

«Nachricht hat mich erschüttert»

Die meisten Gäste des Campingplatzes haben aus den Medien von dem tragischen Todesfall erfahren und sind fassungslos. «Die Nachricht hat mich und meine Kinder erschüttert. Wir fragen uns alle, wie so eine Tragödie passieren konnte», sagt eine Frau tio.ch.

Renato Gazzola, der Sprecher des TCS, der den Campingplatz betreibt, äusserte sich am Morgen nach dem Vorfall bestürzt und sprach den Betroffenen sein Beileid aus: «Wir sind untröstlich, zutiefst schockiert und in Gedanken bei der betroffenen Familie.»

Zum Hergang der Ereignisse oder zu neuen Erkenntnissen konnte und durfte er genauso wenig sagen wie der Bürgermeister von Muzzano, Daniele Brugnoni, der sich persönlich vor Ort ein Bild machte. Er habe auch keine neueren Informationen, erklärte er, aber «wenn ein so junges Leben endet, ist das ein grosser Schock». Er hoffe, dass es bis zum Abend erste Erkenntnisse gebe, damit man Massnahmen einleiten könne, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Polizei macht noch keine konkreten Angaben

Polizei und Staatsanwaltschaft teilten mit, dass eine Untersuchung eröffnet worden sei. Diese soll zeigen, wie es dazu kam, dass sich das Mädchen im Auto befand, und die Todesursache sowie allfällige Verantwortlichkeiten abklären. Die involvierten Personen sowie Gäste und Personal des Campingplatzes werden psychologisch betreut.

Die Polizei erwähnte die im Tessin derzeit herrschende Hitze nicht als mögliche Ursache für den Todesfall und will auch keine weiteren Angaben machen. In grossen Teilen des Tessins warnten die Behörden am Dienstag vor grosser Gefahr wegen einer «extremen Hitzewelle». Nach Angaben von Meteo Schweiz stieg die Temperatur im Tessin am späten Dienstagnachmittag auf bis zu 33 Grad.

Schon nach wenigen Minuten eine Todesfalle

Ein Test des TCS hatte erst kürzlich herausgefunden, dass ein an der Sonne abgestelltes, geschlossenes Auto schon nach wenigen Minuten zur Todesfalle werden kann.

Zuletzt war in der Schweiz Ende August letzten Jahres ein Kleinkind gestorben, nachdem es sein Vater im Auto auf dem Firmenparkplatz vergessen hatte. Der Vater hatte es versäumt, das 16-monatige Baby wie üblich am Morgen bei der Kindertagesstätte abzugeben. Nach Feierabend am späten Nachmittag bemerkte er das Drama.

chk/ofi/fal/sda

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