Ein Toter nach Messerattacke in Melbourne

In der australischen Stadt hat ein Mann Passanten und Polizisten mit einem Messer angegriffen. Die Polizei geht von einer terroristischen Tat aus.

Messerattacke in Melbourne: Grosser Polizeieinsatz. (9. November 2018). Video: AFP/Storyful

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Beim Messer-Attentäter von Melbourne handelt es sich der australischen Polizei zufolge um einen radikalisierten Muslim, der von der Propaganda der Islamisten-Organisation IS zu dem Anschlag angestachelt worden sei.

Der aus Somalia stammende Mann habe keine direkten Verbindungen zu der Extremistenmiliz gehabt, sei aber von ihr inspiriert worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Die IS-Miliz hatte die Tat für sich reklamiert, ohne Belege vorzulegen.

Die Polizei wertete die Tat als Terrorakt. Der 30-Jährige sei den Behörden bekannt gewesen, erklärte sie. Sein Pass sei 2015 eingezogen worden auf Basis von Geheimdienst-Informationen, wonach er nach Syrien ausreisen wollte. Obwohl der Mann radikale Ansichten gehabt habe, sei er als ungefährlich für die nationale Sicherheit eingestuft worden. Zudem sitze sein Bruder seit einem Jahr im Gefängnis unter dem Verdacht, dass er als IS-Sympathisant einen Anschlag an Sylvester 2017 in Melbourne geplant habe.

«Werden uns niemals einschüchtern lassen»

Beim Angriff im Zentrum der australischen Stadt Melbourne sind am Freitag zwei Menschen getötet worden, unter ihnen der Angreifer. Der Mann griff Passanten mit einem Messer an, bevor er von Beamten niedergeschossen wurde. Der mutmassliche Täter erlag später im Spital seinen Verletzungen.

Die Terrororganisation IS reklamierte den Angriff für sich. Einer ihrer Kämpfer habe eine Messerattacke in Melbourne ausgeführt, teilte die Jihadisten über ihr Sprachrohr, die Nachrichtenagentur Amak mit. Beweise legte der IS nicht vor.

«Wir behandeln das jetzt als einen terroristischen Vorfall», sagte der Polizeichef des Bundesstaats Victoria, Graham Ashton. Nach seinen Angaben lebte der Mann seit Jahrzehnten in Australien. Er sei in den 1990er Jahren aus Somalia gekommen und soll in einem Vorort im Nordwesten von Melbourne gelebt haben.

Premierminister Scott Morrison verurteilte die Tat auf Twitter als «bösartigen und feigen Angriff». Zugleich lobte er den Mut der beteiligten Polizisten. «Australier werden sich von diesem entsetzlichen Angriff niemals einschüchtern lassen», schrieb er, sondern weiterhin «die Freiheit geniessen, die die Terroristen hassen».

Pickup mit Gasflaschen beladen

Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge fuhr der Angreifer gegen 16 Uhr mit seinem mit Gasflaschen beladenen Pickup in ein beliebtes Einkaufsviertel in der Innenstadt. Während sein Wagen in Flammen aufging, griff er mit einem Messer Passanten an. Er erstach einen und verletzte zwei weitere, bevor die Polizei eingreifen konnte.

Auf Handy-Videos war zu sehen, wie die Polizisten versuchten, einen grossen, kräftigen Mann in grauen Jogginghosen und schwarzem Tunika-Hemd festzunehmen. Der Angreifer ging dabei immer wieder mit seinem Messer auf die Beamten los.

Vergeblich versuchten zwei Passanten, den Angreifer abzudrängen. Nach etwa einer Minute zog ein Polizist schliesslich seine Waffe und schoss den Mann nieder. Die Beamten erlitten bei ihrem Einsatz leichte Verletzungen.

Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, den Tatort zu meiden, auch wenn es derzeit keine Hinweise auf weitere Verdächtige gebe. Sprengstoffexperten untersuchten den ausgebrannten Kleinlaster des Täters.

Zweiter Anschlag nach 2017

Der Angriff ist der zweite schwere Schlag für die fünf Millionen Einwohner zählende Metropole, die wegen ihrer weltoffenen Atmosphäre, ihres hohen Lebensstandards und ihrer vielen Cafés, Bars und Restaurants auch bei vielen Touristen beliebt ist.

Die von Geschäften gesäumte Bourke Street, in der sich der Vorfall ereignete, war schon im Januar 2017 in die Schlagzeilen geraten, als ein Mann seinen Wagen in eine Menschenmenge gesteuert und dabei sechs Personen getötet und rund 30 verletzt hatte. (sep/AFP)

Erstellt: 09.11.2018, 07:55 Uhr

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