EHEC: Gülle wirft Schatten auf Bio

Der Durchfall-Erreger EHEC kommt im Magen von Wiederkäuern vor. Über ihre Exkremente könnte er auf unsere Teller gelangen. Ein Schweizer Immunologe greift nun das Saubermann-Image der Bioprodukte an.

Düngung mit Tierexkrementen: Ein Bauer bringt in Meggen LU seine Gülle aus. (5. Februar 2009)

Düngung mit Tierexkrementen: Ein Bauer bringt in Meggen LU seine Gülle aus. (5. Februar 2009)

(Bild: Keystone)

Erstmals äussert sich der Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, der Fribourger Chung-Yol Lee, zu den EHEC-Bakterien und schliesst eine Epidemie in der Schweiz nicht aus, «sollten entgegen den Beteuerungen der Lebensmittelimporteure doch grössere Mengen an kontaminiertem Gemüse oder Obst auch in der Schweiz in Umlauf kommen», sagte er gegenüber dem «Sonntag».

Der Professor und Immunologe Beda M. Stadler vom Institut für Immunologie der Universität Bern warnt gar vor einer EHEC-Seuche in der Schweiz. Besonders kritisch sieht er dabei die Bio-Produktion, die eigentlich ein sauberes Image pflegt, das sich von der schadstoffbelastet dargestellten konventionellen Landwirtschaft abheben will. Die EHEC-Bakterien sind laut Stadler hingegen der Beweis dafür, «dass man an Bio-Gemüse sterben kann».

Die EHEC-Bakterien wurden unter anderem durch spanische Bio-Gurken importiert. Natur pur sei «nicht zwingend gesund», so Immunologe Stadler: «Eine der häufigsten Todesursachen im Mittelalter waren verdorbene Lebensmittel. Ich hoffe nicht, dass wir in diese Zeiten zurückfallen.»

Gülle im Verdacht

Die EHEC-Bakterien kommen im Darm von Wiederkäuern vor. Es wird vermutet, dass der Keim durch Gülle in die kontaminierten Lebensmittel gelangt ist. «Gülle ist die normalste Verbreitung solcher Bakterien und wird nun mal oft von Bio-Bauern eingesetzt», sagt Stadler. Er stellt die Hygiene-Standards infrage.

Das führt zu Aufruhr beim Dachverband der Schweizer Bio-Produzenten Bio Suisse. «Über Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel sind viele Halbwahrheiten im Umlauf. Die Hygiene ist genauso gewährleitstet wie bei konventionellen Betrieben», sagt Sabine Lubow von Bio Suisse. Doch es gibt schwarze Schafe unter den 5800 Schweizer Bio-Betrieben.

Rund 200 Sanktionen hat die Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Schweiz für Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe Bio Inspecta laut «Sonntag» im letzten Jahr ausgesprochen. Dabei wurden Verstösse festgestellt, die sowohl die Stallhaltung als auch den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel betraf. Drei Bio-Betrieben wurde 2010 sogar der Status aberkannt.

rub/dapd

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