Des Schwyzers gefährlicher Gas-Spass

Unter dem Eis des Lauerzersees sammelt sich Gas, das junge Schwyzer gerne abfackeln. Ein Video zeigt das beeindruckende Schauspiel, das nicht ganz ungefährlich ist.

Bis zu drei Meter hohe Flammen: Zwei Schwyzer beim Abfackeln von Gas-Blasen. (Quelle: Youtube)

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Sie müssen zwar mit versengten Augenbrauen rechnen, doch diesen Spass lassen sich die Schwyzer nicht nehmen: Sie hacken Löcher ins Eis des Lauerzersees und fackeln Gasblasen ab, die darin gefangen sind. Ein Youtube-Video zeigt beeindruckendes Feuerwerk. Bis zu drei Meter hoch züngeln Stichflammen zum Himmel. Den Brennstoff schaffen Bakterien und andere Mikroorganismen in komplizierter Arbeitsteilung. Sie zerlegen tote Biomasse wie abgestorbene Pflanzen auf dem Seegrund und setzen dabei Methan frei. Im Sommer entweicht das Gas fast unbemerkt in die Luft. Im Winter bleibt es unter dem Eis gefangen. Wundersame Perlenschnüre bilden sich, aber auch währschafte Blasen. Dass diese einem fast natürlichen Pyromanengaudi dienlich sind, geben im Schwyzer Talboden laut dem Seebner «Kreuz»-Wirt Peter Rickenbacher die Väter ihren Kindern seit Jahrzehnten weiter.

Die Methanblasen sind keine Schwyzer Spezialität, doch im flachen Lauerzersee treten sie häufig auf. Im dunklen Klareis sind sie als weisse Kreise deutlich zu erkennen. Den umliegenden Gemeinden dienten sie auch als Argument, das Betreten des Eises zu verbieten, denn über den Blasen ist das Eis dünn, und wenn Schnee darauf liegt, sind sie unsichtbar. Hauptgrund für das Verbot ist aber die Angst vor Haftungsfragen, wenn mal etwas passiert. Die Freigabe des Eisfeldes bei Seewen hat zum zweiten Mal nach 2009 der «Bote der Urschweiz» erwirkt.

Der «rote Hahn»

Was die Schwyzer als harmlosen Gas-Spass erleben, hat andernorts allerdings unangenehme Nebenwirkungen. Sogar in die Literatur hat das brennbare Sumpfgas Eingang gefunden, wie der Limnologe Jakob Pernthaler von der Uni Zürich weiss. Als Theodor Fontane nach dem gleichnamigen norddeutschen See seinen «Stechlin» schrieb, wusste er laut Forschern über die Legende des «roten Hahns» Bescheid, der Fischer in die Tiefe reisst. Diese pflegten nachts mit Kienspanfackeln zu fischen. Wenn ihre Netze auf dem Seegrund grosse Methanblasen lösten, setzten die Fackeln das aufsteigende Gas explosionsartig in Brand. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2012, 09:49 Uhr

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