Der Katastrophenreaktor ist abgeschaltet

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Nota hat heute bekannt gegeben, dass die Kaltabschaltung des Katastrophenreaktors von Fukushima geglückt ist. Derweil werden Vorwürfe über Aktivitäten der japanischen Mafia laut.

Endgültig abgeschaltet: Ein Block des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi. (12. November 2011)

Endgültig abgeschaltet: Ein Block des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi. (12. November 2011)

(Bild: Reuters)

Neun Monate nach Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima hat die japanische Regierung die «Kaltabschaltung» der Reaktoren bekannt gegeben. Die Reaktoren in der havarierten Anlage befänden sich «im Zustand der Kaltabschaltung, so dass das Unglück nun unter Kontrolle ist», sagte Regierungschef Yoshihiko Noda laut der Nachrichtenagentur Jiji bei einem Treffen mit der Atom-Taskforce des Landes.

Die Kaltabschaltung ist eine entscheidende Etappe bei der Bewältigung des Unglücks: Die Temperaturen im Innern der Reaktoren liegen nun konstant unter hundert Grad, womit das radioaktive Material in den Reaktorkammern unter Kontrolle ist. Damit kann nun mit dem Abbau der Anlage begonnen werden. Experten warnen jedoch, dass dies bis zu drei Jahrzehnte dauern kann.

Kritik der Umweltschützer

Umweltschützer kritisieren das als eine bewusste Irreführung der Bevölkerung. Nach Definition der Regierung und des Atombetreibers Tepco liegt eine Kaltabschaltung vor, wenn die Temperatur am Boden der Druckbehälter unter 100 Grad gehalten wird.

In dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi war am 11. März durch das Erdbeben der Stärke 9,0 und den anschliessenden Tsunami das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe mehrerer Reaktoren schmolzen. Um die Reaktorkammern zu kühlen, besprühte die Betreiberfirma Tepco sie mit Wasser. Die Entsorgung der bei der Kühlung radioaktiv verseuchten Wassermengen bereitet eines der grössten Probleme in dem Kraftwerk. Bei dem Unglück handelt es sich um den schwersten atomaren Zwischenfall seit Tschernobyl 1986.

Yakuza soll Schuldner ins AKW schicken

Ein Journalist warf unterdessen der Yakuza, der japanischen Mafia, vor, in die Aufräumarbeiten in Fukushima verwickelt zu sein. Die kriminellen Gruppen kümmerten sich darum, Arbeiter für die Aufräumarbeiten an den verstrahlten Reaktoren zu finden, sagte Tomohiko Suzuki, der über seine Recherchen in Fukushima ein Buch geschrieben hat. Demnach sendet die Yakuza Schuldner als Arbeiter für die Reaktoren an, damit diese so ihre Schulden beglichen.

Ein unabhängiges französisches Labor teilte mit, es habe bei Kontrollen im Staub aus Häusern im Umkreis von 200 Kilometern rund um Fukushima radioaktive Spuren entdeckt. Mit 20'000 Becquerel pro Kilogramm sei die Belastung im Distrikt Watari 50 Kilometer vom Kraftwerk entfernt am höchsten, teilte der französische Verband für die Kontrolle der Radioaktivität im Westen (Acro) mit. Zudem seien im Urin von Kindern aus der Präfektur Fukushima weiterhin Spuren von Radioaktivität nachweisbar.

kpn, rub/AFP

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