Das Verhängnis des Mister Normalo

Er sei eitel, stopfe seine Unterhose aus und trage Nazischmuck: Um keinen Mister Schweiz rankten sich fiese Gerüchte wie um Stephan Weiler (24). Warum hacken die Medien derart auf dem Ostschweizer rum?

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Mike Shiva sah es voraus: «Meine Tarotkarten zeigen: Stephan wird während seines ganzen Amtsjahres sehr viel Kritik einstecken müssen. Daher muss er gut auf seine psychische Verfassung achten.»

Gerade hellsichtig war diese Voraussage nicht. Denn dies «prophezeite» Shiva zwei Wochen nach der Mister-Schweiz-Wahl im April, als der «Blick» Stephan Weiler, Drogist und Student aus St.Gallen, längst zum «Lang-Weiler» gekürt hatte.

Recht hatte Mike Shiva, dieser gewiefte Amateurpsychologe, trotzdem. Denn die «Lang-Weiler»-Kampagne sollte nur den Beginn einer ganzen Reihe von Artikeln markieren, in welchen über den 24-Jährigen getratscht wurde. Auf dem Höhepunkt dieser Welle wurde Weiler wegen eines Bildes in einem Schwulenmagazin Homosexualität angedichtet – ein Gerücht, das sich hartnäckig hält: Als sich Weiler vor kurzem von seiner Freundin Jasmin Braunwalder trennte, schrieb «News»: «Mister Schweiz Stephan Weiler wieder Single – ist er doch schwul?»

«Weg mit Stephan Weiler!»

In «20 Minuten» wurde er kürzlich wegen eines angeblichen Nazianhängers an einer Kette, ein Geschenk eines offiziellen Sponsors, in die Pfanne gehauen: «Weiler mit Emblem der Nazis». Bereits kurz nach seiner Wahl hatte Häme über Weilers angebliche Eitelkeit und seine Zahnkorrektur die (Gratis-)Blätter gefüllt. Die jüngsten Gerüchte drehen sich um Weilers Unterhose auf einer Sloggy-Werbung. «Hat er da eine Hasenpfote versteckt?», fragt der «Blick». Und die «NZZ am Sonntag» enerviert sich über das Plakat: «Weg mit Stephan Weiler!»

Mister Missverstanden

Warum hacken die Medien auf diesem jungen Mann rum? Warum nur hat es dieser Mister Schweiz anscheinend so viel schwerer als seine Vorgänger?

Am Rande eines Promo-Anlasses in Bern erklärt Stephan Weiler bei einer Cola seine Sicht der Dinge. Nachdem er den Kaugummi aus dem Mund genommen hat («sieht sonst nicht gut aus auf dem Foto»), sprudeln die Worte förmlich aus ihm heraus: «Am Anfang wird jeder neue Mister geprüft. Tim Wielandt hängten sie den Kiffer an, Renzo Blumenthal war das Biobauernbübchen, das noch zu Hause wohnt», sagt er. «Nur bei mir haben sie nichts gefunden. Und deshalb bin ich jetzt halt der Lang-Weiler.» Weiler zuckt mit den Schultern, ihn kümmere das kaum mehr, er habe dafür nur ein Lächeln übrig. «Sie kommen ja immer mit den gleichen Dingen. Bagatellen», sagt er.

Die letzten Monate haben ihn reifen lassen. Er wirkt im Einklang mit sich und seinem Leben, sieht gut aus – seine Augen leuchten, der dunkle Anzug steht ihm. Weiler erzählt von seinen Terminen, erläutert das Thema seiner Maturaarbeit, die er im Januar abgibt. Darin schreibt er über die Mister-Schweiz-Wahl und schildert seine Erfahrungen mit den Medien.

Ein Bad in der guten Stube

«Am Anfang will man es allen recht machen. Bis man merkt, dass das nicht geht.»

Zu Beginn seiner Amtszeit, da wirkte Stephan Weiler manchmal steif und nervös, machte Fehler, wenn er Hochdeutsch sprach. Und er war im Umgang mit den Medien ungeschickt: So liess er sich filmen, wie er mit der Familie in einem gesponserten Pool in der bürgerlichen Stube plantschte. Verriet, dass er seine damalige Freundin «Chäferli» nannte. Ein gefundenes Fressen für die Medien.

Inzwischen wirkt er cooler und selbstsicherer; ein natürlicher, umgänglicher Typ. Einzig den «Bünzli» hat er nicht abgelegt. Stephan Weiler ist ein Normalo, und das prädestiniert ihn zum Mister Schweiz, dieser ultimativen Projektionsfläche. Nur: Eigentlich sind ja die meisten Schweizer Prominenten totale Bünzli – wer mit spektakulären Sünden ist, der werfe den ersten Stein.

Zu Weilers Verhängnis wurde, dass er nicht gegen sein langweiliges Image ankämpft.

Beliebt bei den Sponsoren

Warum sollte er auch? Die gute Nachricht für Weiler: Er braucht sich an alldem überhaupt nicht zu stören. Der Ostschweizer dürfte in seinem Amtsjahr mehr Geld verdienen als seine beiden Vorgänger. Schon nach gut sieben Monaten hat Stephan Weiler 250000 Franken eingenommen. Der Drogist ist ein beliebter Werbeträger. Mister Normalo kommt an. Nur die Medien mögen ihn nicht. Sarah Pfäffli





> (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.12.2008, 07:24 Uhr

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