Attentäter von Paris war als radikaler Islamist bekannt

Ein 20-Jähriger stach in Paris auf Passanten ein und tötete einen Menschen. Die Polizei erschoss den in Tschetschenien geborenen Franzosen.

Flüchtende Passanten und der von der Polizei niedergestreckte Angreifer: Ein Video zeigt die Sekunden nach der Attacke in Paris. (Video: Tamedia/Mit Material von Wladia Drummond via AP)

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In einem Pariser Ausgehviertel nahe der Oper hat ein 20-jähriger Islamist am Samstagabend Passanten mit einem Messer angegriffen und einen 29-jährigen Mann getötet. Vier weitere Menschen wurden verletzt.

Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen; der in Tschetschenien geborene Franzose Khamzat A. war dem französischen Geheimdienst als radikaler Islamist bekannt. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Der Täter ging kurz vor 21.00 Uhr in der Rue Monsigny mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge auf Passanten los. Der Angreifer habe bei seiner Tat «Allah Akbar» (arabisch für: «Gott ist der Grösste») gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft unter Berufung auf mehrere Zeugenaussagen mit. Zu diesem Zeitpunkt waren in dem Viertel viele Menschen unterwegs, die zu Zeugen des blutigen Geschehens wurden. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt.

Verletzte Opfer ausser Lebensgefahr

Zwei der Opfer – ein 34-jähriger Luxemburger und eine 54-jährige Frau – wurden nach Polizeiangaben mit schweren Verletzungen in ein Spital gebracht. Zwei weitere Passanten erlitten leichtere Verletzungen, auch sie wurden im Spital behandelt. Laut Innenminister Gérard Collomb sind alle vier inzwischen ausser Lebensgefahr.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. A. wuchs nach Angaben aus Ermittlerkreisen mit seiner Familie im Strassburger Stadtteil Elsau auf, in dem viele Tschetschenen leben. 2010 erhielt er die französische Staatsangehörigkeit, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Seine Eltern wurden am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen, ihre Wohnung im nördlichen 18. Arrondissement in Paris wurde in der Nacht durchsucht.

A. war aktenkundig

A. war nicht vorbestraft, wurde aber seit 2016 in der sogenannten «Akte S» geführt, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Diese enthält Namen von mehr als 10'000 Menschen, die Hälfte von ihnen radikale Islamisten oder Menschen mit möglichen terroristischen Verbindungen. Eher wegen seiner Kontakte als wegen «seines eigenen Verhaltens» tauchte A. auch in einer Liste möglicher Gefährder auf.

Freund von Angreifer in Haft

Nach der tödlichen Messerattacke ist ein Freund des Angreifers festgenommen worden. Der junge Mann sei am Sonntag in Strassburg, der früheren Heimatstadt des Angreifers, in Gewahrsam genommen worden, verlautete aus Justizkreisen. Der Verdächtige ist den Angaben zufolge wie der Angreifer Khamzat A. Jahrgang 1997.

Präsident Emmanuel Macron dankte den Polizisten, «die den Terroristen neutralisiert» hätten. «Erneut hat Frankreich einen Blutpreis zahlen müssen, es wird sich den Feinden der Freiheit aber nicht beugen», schrieb Macron auf Twitter.

Nach Polizeiangaben ging der Angreifer mit dem Messer auf herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten.

IS reklamiert Tat für sich

Die Jihadistenmiliz IS beanspruchte die Tat für sich. Der Täter sei «ein Soldat des Islamischen Staats» gewesen, zitierte das auf Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut SITE aus einem Bekennerschreiben, das die IS-Agentur Amaq verbreitete. Der Täter sei einem «Aufruf zu Angriffen auf Staaten der Koalition» gefolgt, hiess es dort weiter. Gemeint war offenbar die Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak.

Premierminister Edouard Philippe lobte «die ausserordentliche Reaktion» der Polizei. Ihre Schnelligkeit «hat aller Wahrscheinlichkeit nach eine schlimmere Opferbilanz verhindert», sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Nach dem Angriff in Paris: Staatsanwalt Molins tritt vor die Medien. (Video: Tamedia/Mit Material der AFP)

Erinnerungen an November 2015

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Ausgehviertel. «Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse», berichtete die 47-jährige Gloria. «Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen.»

Die Cafébesucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. «Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man rennt dann nur noch weg.»

In Paris hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Anschläge gegeben, die vielfach islamistisch motiviert waren. Bei diesen Angriffen starben seit 2015 bereits 246 Menschen.

Opposition reagiert

Der erneute Anschlag entfachte rasch eine politische Debatte über die innere Sicherheit. Der Chef der konservativen Republikanerpartei, Laurent Wauquiez, teilte via Twitter mit, Worte reichten nicht aus, es müssten Taten folgen. Die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen bezeichnete die auf der Radikalisierten-Liste verzeichneten Personen als «Zeitbomben». (sda/afp)

Erstellt: 13.05.2018, 02:26 Uhr

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