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Lufthansa wusste von schwerer Depression

Airbus-Absturz in Frankreich: Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine informierte die Fluggesellschaft über seine psychische Erkrankung.

Airbus-Absturz: Die Lufthansa wusste seit 2009 von der schweren Depression des Co-Piloten. Video: Reuters (31. März 2015)

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert. Das teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Demnach hatte der Co-Pilot der Verkehrsfliegerschule im Jahr 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner für mehrere Monate unterbrochenen Pilotenausbildung medizinische Unterlagen übersandt, in denen von einer «abgeklungenen schweren depressiven Episode» die Rede war.

Lufthansa erklärte, die Unterlagen seien «nach weiteren internen Recherchen» gefunden und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben worden. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, der Co-Pilot habe zum Zeitpunkt des Germanwings-Absturzes in der vergangenen Woche «ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1» besessen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz nach dem Absturz gesagt, der Co-Pilot sei «100 Prozent flugtauglich ohne Einschränkung» gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, dass der Co-Pilot der Germanwings-Maschine vor seiner Pilotenkarriere psychotherapeutisch wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt worden war. Schon seit einigen Tagen ist zudem bekannt, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks eigentlich krank geschrieben war. In seiner Wohnung wurden zerrissene Krankschreibungen auch für den Tag des Absturzes gefunden. Der Co-Pilot steht im Verdacht, die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

Bergung der Opfer abgeschlossen

Die französische Gendarmerie erklärte am Abend, die Bergung der Absturzopfer sei abgeschlossen. Am Mittwoch sollten Gebirgsjäger die persönlichen Gegenstände der Opfer bergen, sagte Gendarmerie-Oberstleutnant Jean-Marc Ménichini. Auch die Suche nach dem Flugdatenschreiber der Maschine geht weiter. Die 150 Opfer des Unglücks könnten nach den Worten des französischen Staatschefs François Hollande bis Ende der Woche anhand von DNA-Proben identifiziert werden.

Die «Bild»-Zeitung berichtete, von den letzten Momenten an Bord des Germanwings-Flugzeugs existiere ein mehrere Sekunden langes Video. Es sei auf einem Handy am Absturzort gefunden und ganz hinten im Flugzeug gefilmt worden. Zu hören seien Schreie und der Ausruf «Mein Gott!» in mehreren Sprachen. Mindestens drei Mal seien auch metallische Schläge zu hören.

Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa sagte alle Feierlichkeiten zu seinem 60-jährigen Bestehen «aus Respekt vor den Opfern» des Unglücks ab. Anstelle der Jubiläumsveranstaltung am 15. April werde der Staatsakt zum Gedenken an die Absturzopfer live für die Lufthansa-Mitarbeiter übertragen, teilte das Unternehmen mit. Die zentrale Trauerfeier im Kölner Dom ist für den 17. April geplant. Am Mittwoch wird Lufthansa-Chef Spohr gemeinsam mit Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann den Unglücksort in den französischen Alpen besuchen.

AFP/pst

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