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Wyclef Jean in Haiti angeschossen

Haiti wählt heute einen neuen Präsidenten: Am Rande der Stichwahl kam es zu einem Attentat auf den Hip-Hop-Musiker Wyclef Jean.

Musiker und einstiger Präsidentschaftskandidat: Wyclef Jean.
Musiker und einstiger Präsidentschaftskandidat: Wyclef Jean.
Keystone

Gut ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti haben die Menschen am Sonntag einen neuen Präsidenten gewählt. Bei der Stichwahl standen sich die ehemalige First Lady Mirlande Manigat und der Musiker Michel «Sweet Micky» Martelly gegenüber. Der Sieger sieht sich vor grossen Herausforderungen. So muss er unter anderem den Wiederaufbau organisieren, denn noch immer leben fast eine Million Menschen in dem völlig verarmten Land in Notunterkünften.

Schon vor Sonnenaufgang bildeten sich Schlangen vor den Wahllokalen, die, wie in Haiti durchaus üblich, nicht pünktlich öffneten. Arbeiter waren noch damit beschäftigt, Wahlurnen aufzustellen und die Unterlagen vorzubereiten.

Manigat und Martelly waren als Sieger aus der ersten, von Betrugsvorwürfen überschatteten Wahlrunde im November hervorgegangen. Politisch dürfte es für den Sieger nicht einfach werden, denn der Senat und die Abgeordnetenkammer werden immer noch von der Partei des scheidenden Präsidenten René Préval beherrscht, der nicht zur Wiederwahl antreten durfte.

Grosse Unsicherheit herrscht darüber, wie sich der frühere Präsident Jean-Bertrand Aristide verhält, der am Freitag nach sieben Jahren im Exil in seine Heimat zurückgekehrt und begeistert empfangen worden war. Der ehemalige Armenpriester und erste demokratisch gewählte Präsident Haitis ist immer noch äusserst populär, hat sich zu seinen Zielen aber bislang nicht geäussert.

Und Aristide ist nicht der einzige frühere Machthaber, der nach Haiti zurückgekehrt ist. Im Januar kam bereits der frühere Diktator Jean-Claude «Baby Doc» Duvalier nach fast 25 Jahren im Exil völlig überraschend nach Haiti zurück. Er lebt nun in einer privaten Villa und besucht abends Jazzkonzerte. Der Anführer der Paramilitärs, der 2004 half, Aristide zu stürzen, Luis-Jodel Chamblain, wohnt ebenfalls noch unbehelligt im Land.

Ein Anzeichen für die nach wie vor grossen Spannungen in Haiti war ein Angriff am Sonntag auf den aus Haiti stammenden Hip-Hop-Star Wyclef Jean. Er wurde am Samstag in der Nähe der Hauptstadt Port-au-Prince angeschossen. Ein Sprecher seiner Yéle-Stiftung, Joe Mignon, und sein Bruder Samuel erklärten, der 41-jährige Sänger sei in einem Krankenhaus ambulant behandelt worden. Jean, dessen eigene Präsidentschaftskandidatur in Haiti 2010 abgelehnt worden war, unterstützt bei der Stichwahl am Sonntag seinen Musikerkollegen Martelly.

dapd/mrs

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