FDP-Mann gibt vor den Wahlen sein Coming-out

Was Politiker und Prominente in der Romandie normalerweise geheim halten, machte Damien Cottier jetzt öffentlich.

Es ist nicht auszuschliessen, dass das Coming-out für Damien Cottier auch eine negative Seite hat. Bild: Keystone

Es ist nicht auszuschliessen, dass das Coming-out für Damien Cottier auch eine negative Seite hat. Bild: Keystone

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Es war eine Liebeserklärung der besonderen Art. Für Westschweizer Verhältnisse sowieso. Am 14. Februar schrieb der Neuenburger Damien Cottier ins Twitter-Universum: «Heute ist Valentinstag und ein wichtiger Tag für die LGBT+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Menschen). Es ist die Gelegenheit zu sagen, was viele schon wissen: Ich liebe und teile mein Leben seit 12 Jahren mit Victor, der Sonne meines Lebens. Es ist gesagt.»

Auch Cottier weiss: In der Romandie halten gerade Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens ihre Homosexualität gern geheim. Nicht selten bis ans Ende ihres Lebens. Deutschschweizer gehen mit Homosexualität offener um. Warum eigentlich?

Auch Cottier rätselt. Er habe den Unterschied nie verstanden. Das sei wohl der französische Einfluss, wo die halbe Nation wisse, welche Stars schwul sind, und trotzdem outen sich nur wenige, sagt der 43-Jährige. Er aber betont: «Ich habe meine Homosexualität in den letzten Jahren nie versteckt. Mein Umfeld wusste, dass ich mit einem Mann zusammenlebe. Ich wollte es der Öffentlichkeit jetzt klarmachen.»

Dass er am Valentinstag sein Coming-out gab, hat noch einen anderen Grund. Cottier bereitet sich auf die Parlamentswahlen vom kommenden Herbst vor. Seine Partei, die FDP Neuenburg, nominiert im März ihre Kandidaten. Cottier hat gute Chancen, für den National- und den Ständerat nominiert zu werden. Er sagt, die Wähler sollen wissen, für welche Werte er einstehe. Die Stärkung der Rechte von Lesben und Schwulen gehört dazu. Dass das Bundesparlament wohl bald die «Ehe für alle» beschliesst, wertet er als wichtigen Schritt und gesellschaftspolitische Öffnung.

Cottier kann nicht Aufseher und Beaufsichtigter sein

Aber nicht auszuschliessen ist, dass das Coming-out für Cottier auch eine negative Seite hat. Homosexuelle Politiker machten in der Romandie schon die Erfahrung, dass Journalisten sie oft und gerne als Experten zum Thema Gleichgeschlechtlichkeit heranziehen, wenn es dann aber um den Zustand der Armee oder um Steuerpolitik geht, werden sie gern vergessen.

Im Fall von Cottier wäre dies bedauerlich. Seine Erfahrung als persönlicher Mitarbeiter von Alt-Bundesrat Didier Burkhalter und gegenwärtiger Chef für Humanitäres an der Schweizer UNO-Mission in Genf macht ihn zum aussenpolitischen Experten. Er plädiert mitunter dafür, dass die Schweiz den Mut aufbringt, ein Rahmenabkommen mit der EU abzuschliessen. Sein Heimatkanton Neuenburg exportiere 80 Prozent seiner Produktionsgüter ins Ausland. In dieser Situation seien gesicherte bilaterale Beziehungen existenziell, so der 43-Jährige.

Und auch in einem anderen Dossier wünscht er sich, in Bern mitzureden: in der Umweltpolitik. «Die FDP war daran, in der Klimapolitik aus der Spur zu geraten.» Man habe längst viel zu viel Terrain an die Grünliberalen abgetreten, findet Cottier. Zum Glück habe die FDP-Präsidentin Petra Gössi nun eine Wende angekündigt.

Sollten die Neuenburger ihn nach Bern wählen, hätte dies für Cottier aber eine schmerzhafte Konsequenz. Das Bundesparlament beaufsichtigt den Bundesrat und damit die Verwaltung. Cottier kann also nicht Aufseher und Beaufsichtigter sein. Als Mitarbeiter der UNO-Mission müsste er kündigen. Doch Cottier sagt, das wäre ihm das Mandat wert.

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