In der Zelle zum frommen Schriftsteller geläutert

Der einstige Spitzenmanager Thomas Middelhoff schreibt an seinem Lebenskrimi.

In seinen Büchern erzählt er von seinem Scheitern und seiner Läuterung: Thomas Middelhoff (66). (Foto: EPA/Donald Wittek)

In seinen Büchern erzählt er von seinem Scheitern und seiner Läuterung: Thomas Middelhoff (66). (Foto: EPA/Donald Wittek)

Er schreibt und schreibt. Zwischendurch füllt er grosse Säle und gibt Interviews, häufig in christlichen Medien. Dort erzählt Thomas Middelhoff (66) von seinem Scheitern und seiner Läuterung. Dem Absturz von einem der bestbezahlten deutschen Manager in die Zelle A 115 der Justizvollzugsanstalt Essen. Es fallen dann Sätze wie: «Ich danke Gott, dass er mich ins Gefängnis geführt hat.» Denn aus dem Gefängnis sei er als neuer Mensch gekommen, der sich und Gott wiedergefunden habe, nach einem Leben hektischer Höhenflüge an der Spitze des Medienriesen Bertelsmann und des Handelskonzerns Arcandor.

Es ist eine fesselnde Lebensgeschichte. Ein süffiger Stoff für Vielschreiber, zu denen auch der runderneuerte Thomas Middelhoff selbst gehört. Denn seit mit der Verurteilung 2014 seine Managerkarriere ihr unwiderrufliches Ende fand, schreibt er Bücher. Nach eigenen Angaben fast täglich von 8 bis 18.30 Uhr, abzüglich Mittagspause.

Um ein Haar wären gleich zwei Schmöker von ihm kurz hintereinander in zwei konkurrierenden Verlagen erschienen: bei Langen-Müller der Wirtschaftskrimi «Das System», dessen Handlung Middelhoff aus seinem Berufsleben ableiten will, und im christlichen Adeo-Verlag das autobiografische Buch «Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen».

Verschiebung habe nichts mit Privatinsolvenz zu tun

Aus der Perspektive von Verlagsleuten wäre ein solcher Doppelschlag ein GAU, da ein Buch dem anderen die öffentliche Aufmerksamkeit geraubt hätte. Doch so weit wird es nicht kommen. Der Krimi wurde verschoben auf September 2022. Das ist ungewöhnlich lange für ein weit gediehenes Buch. Das liess prompt Spekulationen ins Kraut schiessen, es könnte mit Middelhoffs Zahlungsunfähigkeit zu tun haben. Oder genauer: mit Thorsten Fuest, der seit 2015 als Insolvenzverwalter hartnäckig daran arbeitet, sich einen Überblick über Middelhoffs Vermögen zu verschaffen. Und der den Verdacht hegt, der Ex-Manager könnte Vermögen unerlaubt auf die Seite geschafft haben. Deshalb hat Fuest Middelhoff und dessen Anwalt auf eine Zahlung von 5,1 Millionen Euro verklagt.

Fuest hat auch ein Auge auf die Einkünfte des Schriftstellers Middelhoff geworfen. Der gab an, die Rechte für seinen 2017 erschienenen erfolgreichen Erstling «A 115 – Der Sturz» über seine Zeit im Knast bereits 2012 an eine US-Gesellschaft abgetreten zu haben. Was kurios wäre, da Middelhoff erst 2014 verurteilt wurde und zwei Jahre vorher nicht wissen konnte, dass er im Gefängnis landen und darüber ein Buch schreiben würde. Fuest sagt, Middelhoffs Buchprojekte, auch die neuen, seien «Gegenstand der Ermittlungen». Denn: «Generell fliessen alle Wertschöpfungen, die während des Insolvenzverfahrens entstehen, dem Insolvenzverfahren zu.»

Der Autor, der inzwischen in Hamburg lebt, liess auf Anfrage dementieren, dass die Verschiebung des Krimis mit seiner Privatinsolvenz zu tun habe. Sein Krimi-Text sei einfach noch nicht gut genug für eine Veröffentlichung. Der Verlag Langen-Müller hüllte sich auf Anfrage in Schweigen. Der Adeo-Verlag hingegen versichert, «Schuldig. Vom Scheitern und Wiederauferstehen» werde plangemäss Anfang September erscheinen.

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