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Geschmäht, ausgepfiffen – und jetzt ein Held

Dietmar Hopp, der deutsche Fussball-Mäzen, ist das Feindbild der Fankurven. Nun trotzt er Donald Trump.

Über eine Investmentfirma hält Dietmar Hopp Beteiligungen an vielversprechenden Biotechfirmen wie Curevac. Die Firma hat für Herbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus versprochen. Foto: Getty Images
Über eine Investmentfirma hält Dietmar Hopp Beteiligungen an vielversprechenden Biotechfirmen wie Curevac. Die Firma hat für Herbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus versprochen. Foto: Getty Images

Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen Corona. Und Donald Trump wartet auf die Gelegenheit, sogar die Corona-Krise für seine Wiederwahl zu nutzen. Die Biotechfirma Curevac hätte der Schlüssel dazu sein können: Das deutsche Unternehmen verspricht einen Impfstoff schon im Herbst. Und eine Milliarde Dollar versprach Trump für die Firma: «America First» beim Kampf gegen die Seuche. Aber der Curevac-Besitzer sagte Nein. Darum steht Dietmar Hopp jetzt in Deutschland als Held da. Er, der heute 80-Jährige, der auf Fussballplätzen regelmässig so schlimm verhöhnt wird wie ein 11-Meter-Fehlschütze.

Hopp versteht wenig von Impfstoffen, aber viel davon, wie man mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit sein Geld vermehrt. Als Schüler machte er seinen ersten Profit mit dem Sammeln von Weinbergschnecken. 1972, als 32-Jähriger, gründete Hopp zusammen mit Freunden die Firma Systemanalyse und Programmentwicklung, kurz SAP. Ohne Software von SAP würde heute in vielen Unternehmen gar nichts mehr laufen: SAP steuert die Produktion, SAP bewirtschaftet die Lager, SAP zahlt die Löhne.

SAP wurde zum Weltkonzern, und Hopp zum, gemäss Schätzungen, zehnfachen Milliardär. Seit er beim Softwareriesen ausgestiegen ist, steckt er die Milliarden in seine drei Lieblingshobbys: Noch mehr Milliarden scheffeln, Gutes tun und Fussball. Über eine Investmentfirma hält Hopp Beteiligungen an vielversprechenden Biotechfirmen wie Curevac. Die Dietmar-Hopp-Stiftung, eine der grössten ihrer Art in Europa, finanziert Medizinforschung, Sportnachwuchs, Klimaschutz und noch viel mehr. Mit Herzblut und Geld schliesslich unterstützt Hopp den Fussballverein TSG Hoffenheim. Der Club seiner Heimatstadt stieg dank der Hopp-Millionen aus der Kreis- in die Bundesliga auf.

«Es kann nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird.»

Dietmar Hopp, Curevac-Besitzer

Für die hartgesottenen Fans der Traditionsclubs in der obersten Liga ist der «Fussball-Kapitalist» aus Hoffenheim ein rotes Tuch – als ob der Sport auf diesem Niveau nicht längst ein Tummelplatz eitler Millionäre wäre. «Hopp Hurensohn» stand auf Bannern der Fankurven, auf einem war Hopp in einem Fadenkreuz ab­gebildet. Deswegen wurde ein Match gegen Bayern München Anfang März fast abgebrochen. Das Gegenteil eines Fussballmärchens.

Etwa zur selben Zeit sass der opera­tive Chef der Biotechfirma Curevac im Weissen Haus und diskutierte mit Präsident Donald Trump über mögliche Impfstoffe gegen das Coronavirus. Trump soll sich interessiert gezeigt haben. So interessiert, dass er anbot, die Exklusivrechte am Impfstoff für eine Milliarde Dollar zu kaufen.

In einem Interview mit dem Sender Sport 1 hat Hopp die Gerüchte be­stätigt. «Ich persönlich habe nicht mit Herrn Trump gesprochen», sagte Hopp. «Aber Trump hat mit der Firma gesprochen, und man hat mich dann sofort gefragt, was ich davon halte.» Hopps Antwort: «Das war für mich keine Option. Es kann nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird.»

Nun fehlt dieser Geschichte noch das ganz grosse Happy End. Der Impfstoff ist für Herbst versprochen. Ob Curevac dann wirklich liefern kann, ist offen.

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