«Der Tod ist mein ständiger Begleiter»

Hausi Leutenegger wurde heuer 75. Im Video-Interview spricht der prominente Baulöwe über Erfolg, das Alter und seinen verstorbenen Freund.

«Die Leute wollen mich immer noch sehen und hören»: Hans «Hausi» Leutenegger im Interview vor seinem Penthouse in Wil.
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Hausi Leutenegger, Sie haben dieses Jahr den 75. Geburtstag gefeiert – ein Jubiläum, das Sie sich ruhiger vorgestellt haben?
75 ist ein hohes Alter, aber man muss mit dem Alter zufrieden sein. Man kann es ja leider nicht ändern. Es ist schon ein bisschen ruhiger geworden, aber ich habe immer noch eine Firma mit 1000 Angestellten. Und die Leute in meiner Firma wollen mich ja noch sehen. Wenn ich jetzt nur noch im Altersheim sitzen würde oder auf den Kanarischen Inseln in einer Villa, dann würden die Leute fragen: «Ja, wo ist er denn?» Die Leute wollen mich immer noch sehen. Das macht mich auch noch ein wenig jünger, als ich bin.

Wie gehen Sie mit dem Trubel um Ihre Person um?
Es herrscht momentan eine Hausi-Welle in der Schweiz. Vor allem die jungen Leuten sind Fan von mir. Ich kriege ständig Briefe von ganz jungen Leuten. Manchmal könnte ich fast weinen, wenn ich lese, was die mir alles schreiben. Es gibt so viele junge Leute, die so sein wollen wie der Hausi. Die Leute haben gemerkt, dass ich die Wahrheit sage und zu dem stehe, was ich mache. Ich habe zwar nicht alles richtig gemacht in meinem Leben, aber ich stehe dazu.

Liegt darin die Faszination Hausi Leutenegger?
Ich vermute, die jungen Leute sind hinter mir her, weil sie mich noch einmal erleben wollen. Die denken: «Lange ist der ja nicht mehr da.» Ich merke das auf der Autobahn, bei der Polizei, wo immer ich hinkomme. Die Leute wollen mich sehen und hören. Ich bin ja einer der bestbezahlten Referenten in der Schweiz. Ich könnte jede Woche einen Vortrag halten. Ich glaube, die Leute schätzen auch, dass ich immer grosszügig war. Es gibt eine Menge Schweizer Spitzensportler... Ich schäme mich immer, wenn ich an einem Galadinner bin und keiner von diesen Weltmeistern und Olympiasiegern das Portemonnaie zückt und mal etwas bezahlt. Alle lassen sich einladen. Dasselbe bei den Politikern. Das nervt mich. Wenn jemand kein Geld hat, geht das in Ordnung. Seit ich 30 Jahre alt bin, bezahle ich mein Zeugs selber, wenn ich an einen Tisch sitze.

Sie sagen, die Leute wollen Sie noch einmal erleben. Wie erleben Sie sich selbst mit 75 Jahren?
Ich bin immer noch in grosser Form, ich spiele ein gutes Golf, ich habe Handicap 10,2. Zudem fahre ich sehr viel Velo, obwohl mein Freund Philipp Rochat verstorben ist (Anm. d. Red: Der Spitzenkoch kam am 8. Juli während eines Veloausflugs nach einem Schwächeanfall ums Leben). Ich habe schon ein paar Freunde beim Velofahren verloren, deshalb nehme ich es nicht mehr so streng wie früher. Aber ich lebe mein Leben im Moment doppelt. Ich geniesse die Freuden des Lebens, die Bewunderung der Leute. Und das tut mir natürlich besonders gut, wenn ein alter Mann wie ich noch gelobt wird. Ich geniesse das im Stillen, in meiner Villa am Genfersee oder hier in Wil, ich wohne ja überall. Ich geniesse auf eine andere Art. Ich habe wieder geheiratet, die Anita, meine Coiffeuse, eine ganz liebe Frau. Ich habe sie gern, und sie schaut gut zu mir. Ich lebe jetzt ein anderes Leben, aber die Show muss weitergehen.

Wie Hausi Leutenegger seine Baufirma in Zukunft führen will, wie er die Beerdigung von Spitzenkoch Rochat erlebte und wie er selber zum Tod steht, erfahren Sie im Video.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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