Zum Hauptinhalt springen

Der so nette Mensch, dem so Schlimmes passiert

Tom Hanks ist der bislang berühmteste Infizierte der Welt. Und nimmt sein Coronavirus gelassen.

Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Und zwar in Australien, wo Hanks an einem Film über Elvis Presley arbeitet. «Wir wurden isoliert, wir werden behandelt, und wir halten euch auf dem Laufenden», meldete der amerikanische Schauspieler über Instagram.

Man liest und denkt: Ist das nicht typisch? Es ist doch klar, dass nicht Robert de Niro oder Daniel Craig oder Glenn Close zuerst krank wurden. Sondern er. Denn Tom Hanks spielt in Filmen überhäufig einen Unbescholtenen, der in eine Krise oder eine Gefahr gerät, der er nur dank Hartnäckigkeit, Humor und Hollywood entkommt. Es gibt fast keine Filme ohne glückliches Ende mit ihm, das wäre gegen seinen Filmcharakter.

Sogar wenn Hanks, der sich selber als Feigling bezeichnet, einen Helden spielt wie den Chefredaktor der «Washington Post», den Kapitän eines von somalischen Piraten gekaperten Schiffs oder den Astronauten Jim Lovell in «Apollo 13» – sogar dann bleibt er im unaufgeregten Modus des Normalen.

Hoffen wie in «Cast Away»

Das Pathos eines Harrison Ford ist ihm fremd, der Zynismus von Bruce Willis kann man sich bei ihm nicht vorstellen, das Diabolische von Al Pacino schon gar nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Hanks kaum je den Bösen spielt. Dafür hat er mit seinen gegen 80 Filmen fast 7 Milliarden Dollar umgesetzt. Auf der Liste der erfolgreichsten Schauspieler steht er auf dem 5. Platz.

Man traf ihn einmal in Paris zum Interview, er promotete seinen ersten Film als Regisseur, «That Thing You Do», eine melancholische Komödie über eine junge Popband im Pennsylvania der frühen Sechzigerjahre. Sehr schöner Film, sehr sympathischer Regisseur. Denn Tom Hanks erwies sich im Gespräch genau so, wie er die meisten seiner Figuren spielt: bescheiden, aufmerksam und schlagfertig.

Es gibt fast keine Filme ohne glückliches Ende mit ihm, das wäre gegen seinen Filmcharakter.

Am meisten liegt ihm das Gegenteil des Heldenhaften, nämlich das Naive, etwas Verlorene. Nicht ausstehen konnte man ihn einzig in «Forrest Gump», obwohl er für die Rolle des geistig behinderten – und trotzdem erfolgreichen – Mannes seinen zweiten Oscar bekam. Das Drehbuch war einfach zu stumpf und Hanks’ Rolle zu einseitig: amerikanischer Vollkitsch.

Dabei finden sich unter seinen vielen Filmen fast keine schlechten, erstens weil Hanks so oft mit guten Regisseuren dreht, zweitens weil er mit seinem Kautschukgesicht zu originell aussieht, um schön zu sein und also sentimental zu werden, und drittens, was man immer wieder vergisst: weil der 63-Jährige ein exzellenter Schauspieler geblieben ist.

Wer alle Toms in einem einzigen Hanks sehen möchte, den Ehrgeizigen, den Liebenden, den Einsamen, den Verzweifelten, den Tapferen und den Unverdrossenen, sollte sich «Cast Away» wieder anschauen, auch weil Hanks den längsten Teil des Films alleine bestreitet. Er spielt einen ungeduldigen, überarbeiteten Kadermann bei der Privatpost Fedex, der als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebt und auf einer kleinen Pazifikinsel lernt, zu überleben und dann vier Jahre zu leben, ohne den Verstand zu verlieren oder die Hoffnung.Was ist da schon ein kleiner Virus?

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch