Mamma mia, Gianna!

Die Rockröhre ist Mitte 50 und hochschwanger. Wie das? Italien ist irritiert und rätselt.

Spätes Mutterglück: Gianna Nannini, hier am Blues Balls Festival 2007 in Luzern, kriegt mit 54 Jahren, oder vielmehr mit 56 Jahren, ihr erstes Kind.

Spätes Mutterglück: Gianna Nannini, hier am Blues Balls Festival 2007 in Luzern, kriegt mit 54 Jahren, oder vielmehr mit 56 Jahren, ihr erstes Kind.

(Bild: Keystone)

Thomas Widmer@ThomasWidmer1

Die italienische «Vanity Fair» zeigt sie mit dickem Bauch. Für Ende November ist der Kaiserschnitt geplant. Und Gianna Nannini, werdende Mutter, schrieb in der Zeitschrift dann gleich einen kurzen Brief an ihr ungeborenes Kind, ein Mädchen (TA von gestern): «Ich werde dich Penelope nennen, weil du lange auf mich gewartet hast.»

Da ist sie wieder: die Bildung, die dem Gros der Rockstars abgeht, bei Gianna Nannini aber bekanntlich im Überfluss vorhanden ist. Die Sängerin studierte Literaturwissenschaft und Philosophie und doktorierte über den «Körper in der Stimme». Penelope: Das ist die Gattin des Odysseus, die 20 Jahre auf ihren gegen Troja in den Krieg gezogenen Gatten wartet.

Eigentlich ist sie ja 56 Jahre alt...

Wie lange genau Penelope Nannini auf ihre Geburt warten musste: unklar. Bekannt ist, dass Gianna Nannini schon mindestens zweimal schwanger war. Einmal kam es zum Abort, nachdem sie sich mit einem Friedensmarsch nach Assisi zu viel zugemutet hatte. Und einmal habe sie abgetrieben, bekannte sie einst.

Und nun ist sie also 54 und... stimmt nicht! Sie ist ziemlich sicher 56. Leute aus ihrer Entourage haben des Öfteren berichtet, das offizielle Geburtsdatum sei geschönt. Wie dem auch sei, die Frau ist eigentlich zu alt für die Mutterschaft, woran coole Vintage-Jeans und geliertes Strubbelhaar nichts ändern. Der weibliche Körper startet mit mindestens 1 Million Eizellen, verliert davon bis zur Pubertät bereits gut zwei Drittel, jenseits der 40 ist der Bestand mehr oder minder aufgebraucht.

Wer ist der Vater?

Und deshalb rätselt das aufgescheuchte Italien, zu dessen Kulturerbe Nannini längst gehört: War es eine Eispende? Hinzu kommt Frage zwei: Von wem stammt der Samen? Nannini, die vor kurzem in London mit einem 30-jährigen Modedesigner turtelte, schweigt. Ist dieser Marc der Vater, oder kommt der Samen von einem Anonymus? Es ist ein Mysterium, wie das Geschlechtsleben der Nannini überhaupt. «Ich bin nicht bisexuell, weil das halb-halb hiesse. Ich bin 100 Prozent das eine und 100 Prozent das andere», sagte sie einmal. Ein andermal nannte sie sich «polysexuell».

Jedenfalls wird sie nun eben Mutter. Gern möchte sie am Geburtstag der eigenen Mutter entbinden. Die Nanninis sind ein verschworener Clan mit starken Bindungen. Zwar gab es Ende der Siebzigerjahre Ärger, als das Album «California» der musikalischen Tochter den Durchbruch brachte: Auf dem Cover war, passend zur Masturbationshymne «America», die Freiheitsstatue abgebildet – statt der Fackel hielt sie aber einen Dildo. Vater Nannini, Konditoreiunternehmer in Siena, erzürnte das so, dass er seine Tochter verstiess.

Ikone Gianna

Mittlerweile aber ist diese längst in den Schoss der Familie zurückgekehrt. Bruder Alessandro, vormals Formel-1-Rennfahrer und heute Chef über das süsse Familienimperium, hat denn auch bereits verkündet, dass er sich wahnsinnig auf die Nichte Penelope freue. Gibt Gianna Nannini irgendwo in ihrer Toskana ein Konzert, kommt vom Kleinkind bis zur Grossmutter alles, was mit ihr verwandt ist. Überhaupt ist die Rebellin, die früher stets aussah, als komme sie direkt vom Liebemachen, dank Liedern wie «I maschi» oder «Latin Lover» zur anerkannten Klassikerin avanciert. Sie ist, was man eine Ikone nennt.

Die Bald-Mamma hat im Übrigen 2002 in einem Interview einen Ausspruch getan, der auf ihre jetzige Schwangerschaft perfekt passt: «Ich mag mein Alter. Denn wichtig ist doch einzig, ob ein alter Baum noch schöne, süsse Früchte trägt.»

Tages-Anzeiger

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