Zum Hauptinhalt springen

Königin Zenobia

Dunkler Teint, schwarze Augen, blendend weisse Zähne, Geist und Charme, dazu eine helle, männliche Stimme – so soll Königin Zenobia von Palmyra gewesen sein.

Sicher, die spätantike Historia Augusta, in der Zenobia neben 30 männlichen Herrschern zu biografischen Ehren kommt, gilt nicht unbedingt als zuverlässige Quelle. Interessant ist die Schilderung als römische Männerfantasie: Zenobia gehört zu jenen schönen und starken Frauen des Orients, die im historischen Gedächtnis von Kleopatra angeführt werden.

Tatsächlich erwähnt die Historia Augusta die ägyptische Herrscherin aus dem 1. Jahrhundert vor Chr. gleich zweimal als Vorbild für die 300 Jahre später lebende Zenobia. Anders als Kleopatra, die in der Antike als Vamp verschrien war, ist Zenobia aber so züchtig, dass sie mit ihrem Mann nur zwecks Kinderzeugung schlief – frühchristliche Traktate scheinen Spuren hinterlassen zu haben. Andere Quellen halten weniger von Zenobias Tugendhaftigkeit. Ihr Mann und der älteste Sohn sollen einem Attentat zum Opfer gefallen sein, das angeblich die keusche Gattin und Mutter veranlasst hatte.

Sicher ist, dass Zenobia 267 nach Chr. die Regentschaft für ihren unmündigen zweiten Sohn übernahm. Palmyra, die Residenzstadt in der syrischen Wüste, war eine prosperierende Oase. Der Weg der Handelskarawanen zwischen Mittelmeer und Persischem Golf, zwischen Römischem Reich und Arabien, Indien, China führte über Palmyra. Dort lebten Transporteure, die schnelle Dromedare und Schutz vor Überfällen anboten. Und es gab Händler, die Gewürze, Myrrhe, Weihrauch, Elfenbein, Perlen, Stoffe kauften und nach Rom exportierten. Noch heute zeugen die «Säulenwälder in der Eb'ne der Wüste», wie Hölderlin dichtete, vom einstigen Reichtum der Stadt.

Zenobia wollte ihn noch vergrössern. Die Gelegenheit war günstig. Das Römische Reich steckte in der Krise, im Westen drohten die Germanen, im Osten die Perser, im Innern herrschte Anarchie. Innert einer Generation folgten sich dreissig Kaiser auf dem Thron. Palmyra beherrschte die römische Provinz Syria, aber das reichte Zenobia nicht. Ihre Truppen eroberten Teile Kleinasiens und Ägypten, die Kornkammer Roms.

Anders als ihr braver Gatte liess Zenobia eigene Münzen prägen und unter ihren Kopf «Augusta», «Kaiserin», gravieren. Eine Erpressung. Die Königin schlug dem Kaiser in Rom die Teilung seines bröckelnden Reichs vor – eine Idee, die wenige Jahrzehnte später Wirklichkeit wurde. Noch wollte Rom nicht, worauf Zenobia aufs Ganze ging. Sie zog Richtung Westen, um alle Macht in Rom zu übernehmen. Kein arabisches Sonderreich, nicht Abspaltung war ihr Ziel, wie der renommierte Historiker Paul Veyne kürzlich zeigte, sondern die Wiederherstellung der Einheit des Imperium Romanum zu ihren Gunsten. Und da schon andere Bewerber aus nahöstlichen Provinzen es zum römischen Herrscher gebracht hatten, war Zenobias Griff nach dem Kaiserthron durchaus ernst zu nehmen.

Kaiser Aurelian zog der palmyrenischen Armee entgegen. 272 wurde diese geschlagen, 273 nahm Aurelian auch Palmyra ein. Was mit Zenobia geschah, ist umstritten. Als Gefangene auf dem Weg nach Rom soll sie gestorben sein. Die Historia Augusta dagegen behauptet, mit goldenen Fesseln an Händen, Füssen und Nacken sei sie dem römischen Volk im Triumphzug vorgeführt worden. Der Kaiser habe ihr dann das Leben geschenkt, welches sie darauf im Stil einer römischen Dame mit ihren Kindern verbrachte. Als gezähmte Rebellin.

So tritt sie auch noch fast zweitausend Jahre später im Kino auf. Im Italo-Sandalenfilm «Im Zeichen Roms» (1959) beschränkt sich die üppige Anita Ekberg als Zenobia ganz aufs Private. Ja, klar könne sie jeden Mann haben, haucht die blonde Schönheit, «aber jeden Mann wählen zu können, ist nicht so schön, wie von einem Mann gewählt zu werden».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch