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Co-Pilot war wegen Suizidgefahr in Behandlung

Der Co-Pilot des abgestürzten Airbus wurde vor Jahren wegen Selbstmordabsichten behandelt. In letzter Zeit haben weitere Arztbesuche stattgefunden, dabei wurde ihm jedoch keine Suizidalität mehr attestiert.

Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Jeff Pachoud, AFP
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Patrik Stollarz, AFP
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
AFP
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Der des absichtlichen Absturzes der Germanwings-Maschine beschuldigte Co-Pilot, Andreas Lubitz, ist Jahre vor seiner Karriere als Berufsflieger wegen Selbstmordgefährdung behandelt worden. Der 27-Jährige habe sich vor Erlangung des Pilotenscheines «über einen längeren Zeitraum mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung» befunden, erklärte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

In der darauf folgenden Zeit bis zuletzt habe es weitere Arztbesuche gegeben. In Krankschreibungen seien aber weder Selbstmordgefährdung noch Aggressionen gegen andere registriert worden, so die Staatsanwaltschaft.

Keine Hinweise für mögliche Motive

Man habe jedoch keine Hinweise für mögliche Motive des 27-Jährigen entdeckt, hiess es weiter. Es gebe weder eine belegbare Ankündigung, noch ein aufgefundenes Tatbekenntnis für einen absichtlich eingeleiteten Absturz der Germanwings-Maschine:

Keine «tragfähigen Hinweise über ein mögliches Motiv»: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf über den Stand der Ermittlungen. Video: Reuters (30. März 2015)

Auf Fragen nach Berichten über Probleme des Co-Piloten mit seinem Sehvermögen sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Ermittler, es gebe keine Unterlagen, die zeigten, dass der Co-Pilot irgendeine körperliche Krankheit gehabt habe, die sich auf sein Sehvermögen ausgewirkt haben könnte.

Ausdrücklich betonte die Staatsanwaltschaft, dass sie sich nicht an Spekulationen zur Motivlage des Co-Piloten beteiligen wolle und könne. «Die Ermittlungsbehörden haben sich allein an Fakten zu halten.»

Die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf hatte am Freitag mitgeteilt, dass der Co-Pilot am Unglückstag krankgeschrieben war. Vieles deute darauf hin, dass er eine Erkrankung seinem Arbeitgeber und seinen Kollegen verschwiegen habe. Ob die Krankheit körperlicher oder psychischer Natur war, blieb unklar.

Lufthansa äussert sich nicht inhaltlich

Die Lufthansa äussert sich nicht inhaltlich. «Wir haben die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis genommen. Zu Erkenntnissen über eine psychotherapeutische Behandlung oder etwaige Arztbesuche können wir uns nicht äussern», sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft in Frankfurt. Die ärztliche Schweigepflicht gelte auch gegenüber dem Arbeitgeber.

Die Lufthansa-Sprecherin bekräftigte, Piloten würden vor Erteilung der Lizenz einem Gesundheitscheck unterzogen. Diese flugmedizinische Tauglichkeitsprüfung werde alle zwölf Monate wiederholt. Dabei werde auch auf mentale Auffälligkeiten geachtet.

Bei der Düsseldorfer Polizei bemüht sich unterdessen die «Sonderkommission Alpen» weiter mit Hochdruck um die Aufklärung des Flugzeugabsturzes. Etwa 100 Beamte seien derzeit ausschliesslich mit der Identifizierung der Opfer und den weiteren Ermittlungen in dem Fall beschäftigt, teilte die Behörde mit. Gemeinsam mit Seelsorgern besuchten sie die Wohnungen der Opfer in Nordrhein-Westfalen, um DNA-Spuren und Fingerabdrücke sicherzustellen.

Zweite Blackbox noch nicht gefunden

An der Absturzstelle bei Seyne-les-Alpes wurden die Ermittler heute erstmals ausschliesslich auf dem Landweg zur schwer zugänglichen Absturzstelle gebracht – wetterbedingt konnten Hubschrauber nicht fliegen.

Blieben heute auf dem Boden: Ein Bergungshelikopter landet in Seyne-les-Alpes. Bild: Keystone / Claude Paris (26. März 2015)
Blieben heute auf dem Boden: Ein Bergungshelikopter landet in Seyne-les-Alpes. Bild: Keystone / Claude Paris (26. März 2015)

Die erste Blackbox der Germanwings-Maschine, der Stimmrekorder, war bereits kurz nach dem Absturz des Airbus A320 am Dienstag vergangener Woche gefunden worden. Der Flugschreiber mit den technischen Daten konnte zunächst nicht geborgen werden. Yves Naffrechoux von der französischen Gebirgspolizei hob hervor, das Auffinden der zweiten Blackbox bleibe eines der wichtigsten Ziele.

Ob der Flugschreiber überhaupt noch gefunden wird, blieb unklar. Das Flugzeug sei mit enormer Wucht und fast 800 Stundenkilometern «in eine fast senkrechte Wand» geflogen, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Kay Kratky am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Günther Jauch». Nun sei die Frage, wie stark der Flugdatenschreiber dabei in Mitleidenschaft gezogen worden sei.

Debatte um ärztliche Schweigepflicht entfacht

Vor dem Hintergrund der Katastrophe forderte der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe. Piloten müssten «zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden», zitierte die «Rheinische Post» den Politiker. Diese Ärzte müssten «gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein».

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, warnte allerdings vor «vorschnellen politischen und rechtlichen Entscheidungen» nach dem Flugzeugabsturz. «Die ärztliche Schweigepflicht ist ebenso wie das verfassungsrechtlich geschützte Patientengeheimnis ein hohes Gut», erklärte Montgomery in Berlin.

Auch der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn wandte sich gegen eine Lockerung der Schweigepflicht. «Der Patient muss sich immer auf das besondere Vertrauensverhältnis zum Arzt verlassen können, nur dann wird er ehrlich und offen sein», sagte Spahn gegenüber der «Rheinischen Post».

SDA/pst

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