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Britische Familie wollte ins Gebiet des IS

In der Türkei endete ihre aufreibende Reise: Ein britisches Paar und seine vier kleinen Kinder sind in Ankara festgenommen worden. Sie waren wohl auf dem Weg nach Syrien.

Vermisstenbilder: Der 31-jährige Mann und seine 29-jährige Frau sollen mit ihren vier Kindern nach Syrien unterwegs gewesen sein.
Vermisstenbilder: Der 31-jährige Mann und seine 29-jährige Frau sollen mit ihren vier Kindern nach Syrien unterwegs gewesen sein.
Polizei Thames Valley

Als die Vermisstenmeldung einging, schöpfte die britische Polizei rasch Verdacht: Sie wandte sich an die Öffentlichkeit, um an Informationen über den Verbleib einer britischen Familie zu gelangen, die vermutlich auf dem Weg nach Syrien gewesen war.

Gestern dann setzte die türkische Polizei den 31-jährigen Mann, seine 29-jährige Frau und deren vier Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren in der Hauptstadt Ankara fest. Das geht aus einer Mitteilung eines türkischen Beamten und der Polizei von Thames Valley hervor.

Zuvor hatten die Eltern der Frau die Familie aufgefordert, nach Hause zurückzukehren. «Wir lieben euch, wir vermissen euch. Wir sind nicht wütend oder böse auf euch», sagten sie. Die Familie hatte keine Ferienpläne und informierte weder Freunde noch Verwandte über eine anstehende Reise.

Die Polizei verknüpfte nach eigenen Angaben das Flehen der Angehörigen mit der Reiseroute und der Tatsache, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) über das Internet versucht, Menschen aus dem Westen zu rekrutieren. Britische Sicherheitsbehörden schätzen, dass 600 ihrer Landsleute sich der Terrormiliz angeschlossen haben.

Die Polizei in Grossbritannien äusserte sich im aktuellen Fall zurückhaltend. Es gebe keinen Hinweis, dass die Familie sich an den Kämpfen in Syrien beteiligen wolle, hiess es. Die türkischen Behörden erklärten dagegen, man gehe davon aus, dass die Familie versuchte, auf das vom IS kontrollierte Gebiet zu gelangen.

Die Familie unternahm eine umständliche und – wohl besonders für die kleinen Kinder – anstrengende Tour.

  • Am 8. April verlässt die Familie ihren Wohnort Slough, in dessen Nähe auch die Eliteschule Eton liegt.
  • Am gleichen Tag besteigt sie eine Fähre und fährt von Dover nach Calais über den Ärmelkanal.
  • Woher ihr Weg ab Nordfrankreich führt, ist bisher nicht klar. Am oder um den 12. April hält sich die Familie im ungarischen Budapest auf.
  • Am 16. April überquert sie gemäss der Nachrichtenagentur Reuters die griechisch-türkische Grenze am Grenzposten der Stadt Kirklareli.
  • Am 20. April nimmt die türkische Polizei die Familie in einem Hotel in einem Industriequartier Ankaras fest.

Mindestens 3700 Kilometer in zwölf Tagen: Direkte Strassenverbindung zwischen den oben aufgeführten Orten. Welche Strecke die Familie fuhr, ist nicht klar.

Der Ablauf der Reise dürfte den Verdacht der Türken nähren, dass sich die Familie ins Gebiet des IS begeben wollte. Laut der britischen Polizei äusserte der Mann den Wunsch, in einem muslimischen Land leben zu wollen. Er hatte auch der mittlerweile verbotenen Islamistengruppierung al-Muhajiroun angehört. Dessen ehemaliger Führer, Anjem Choudary, nannte den Mann gegenüber dem britischen «Guardian» einen Vorreiter der Scharia.

Vergangene Woche erst hatte die Türkei neun Briten in ihre Heimat abgeschoben, die nach Syrien einreisen wollten. Die Gruppe – drei Männer, zwei Frauen und vier Kinder im Alter von einem bis elf Jahren – war am 1. April in der an Syrien grenzenden Provinz Hatay festgenommen worden. Es gab zuletzt eine Reihe von Fällen, bei denen britische Bürger versucht hatten, von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrollierte Gebiete in Syrien zu erreichen.

Reuters/sda/Guardian/spu

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