Youtuberin kritisiert Kleid – und wird angeklagt

Ein Social-Media-Star ist in Thailand wegen Majestätsbeleidigung angeklagt. Sie bezeichnete ein Kleid als hässlich, das die Tochter des Königs entworfen hatte.

Wanchaleom Jamneanphol alias «mixy bigmouth» präsentiert sich auf Youtube gerne in luxuriöser Umgebung. Bild: Screenshot

Wanchaleom Jamneanphol alias «mixy bigmouth» präsentiert sich auf Youtube gerne in luxuriöser Umgebung. Bild: Screenshot

Wer in Thailand den König oder seine Familie kritisiert, kann für Jahre ins Gefängnis kommen. Majestätsbeleidigung ist ein Straftatbestand. Einer, welcher einem Social-Media-Star des Landes nun zum Verhängnis werden könnte, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Demnach hat Wanchaleom Jamneanphol, die sich selbst «mixy bigmouth» nennt, ein Kleid der Miss Universe Thailand 2018 als hässlich bezeichnet. Nun wurde gegen sie Anklage erhoben. Konkret geht es um ein hellblaues, meerjungfrauenartiges Stück aus Seide, das besagte Miss Sophida Kanchanarin bei einem Gala-Dinner Anfang Dezember getragen hat.

Problem ist jedoch nicht die Trägerin des Kleides, sondern die Designerin: Sirivannavari Nariratana, 31 Jahre alt und Mitglied der thailändischen Königsfamilie, genauer gesagt die Tochter des amtierenden Königs Rama X. alias Maha Vajiralongkorn, der vor zwei Jahren seinem verstorbenen Vater auf den Thron folgte. Das Kleid sei eine perfekte Kombination aus einem traditionellen thailändischen und einem modernen Stil, heisst es in einem Instagrampost der Modefirma der Prinzessin. Es sei inspiriert von der Mode der amtierenden Königin. Mit anderen Worten: die Kritik von Jamneanphol wird wohl nicht nur als Angriff auf die Arbeit der Tochter empfunden, sondern auch als Attacke auf den Geschmack der Königin.

Dass Majestätsbeleidigung in Thailand kein Kavaliersdelikt ist, hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. In den vergangenen Jahren sollen mehr als 100 Menschen deswegen verurteilt worden sein. 2015 kam eine Mutter von zwei Kindern deshalb 28 Jahre ins Gefängnis, ein Mann sogar für 30 Jahre. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte nannte die Urteile «entsetzlich», angesichts «schockierend unangemessener Haftzeiten». Zudem erfüllten die Verfahren nicht die internationalen Standards fairer Prozesse. So gebe es beispielsweise keine Chance auf Berufung.

Die Urteile fielen noch unter dem Regiment von König Bhumibol Adulyadej, dem Vater von Rama X. Bis jetzt gibt es jedoch keine Anzeichen, dass der Sohn an diesem Prinzip etwas ändern will. Auch ob Jamneanphols Popularität sie schützen wird, ist unklar. Auf Youtube, Instagram und Facebook hat sie mehrere hunderttausend Follower.

Jamneanphols besagter Facebookpost wurde bereits gelöscht, wie der britische Guardian berichtet. Dafür sei ein neuer Post mit einer Entschuldigung erschienen. Sie habe nicht die Absicht gehabt, das Königshaus zu beleidigen, schreibt Jamneanphol.

Redaktion Tamedia

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt